Alexandra Grauvogl war auch in der Saison 2008/2009 die erfolgreichste Ski Crosserin in Deutschland. Einige Top Ten-Platzierungen konnte die DSV-Athletin herausfahren. Im ausführlichen Interview mit Ski2b.com spricht Grauvogl über den letzten Winter, Olympia 2010 und ihre berufliche Laufbahn neben dem Sport.

Ski2b.com: Alex, die letzte Weltcup-Saison liegt schon einige Zeit zurück, dennoch ein kurzer Rückblick: Wie ist die Saison für dich gelaufen? Womit warst du zufrieden und womit nicht?
Alexandra Grauvogl: Die vergangene Saison verlief für mich sehr durchwachsen um nicht zu sagen zäh. Es ging ständig auf und ab, das war extrem kraftraubend und eine mentale Herausforderung. Nach meinem miserablen Weltcup Start in St. Johann konnte ich in Les Contamines und Flaine ordentliche Ergebnisse erzielen. In Lake Placid und Vancouver war ich in den Heats dann vom Pech verfolgt - einmal stürzte ich aufgrund eines Gerangels am Start und auf der Olympiastrecke wurde ich noch auf der Ziellinie abgefangen (Fotofinish) und mein Weiterrücken ins Viertelfinale verhindert. Kurz darauf fuhr ich in Voss mein bestes Rennen mit super Starts und viel Spaß auf der schlägigen Piste im Nebel. Das sind meine Bedingungen! In Schweden war ich dann wieder ratlos, warum ich nach einem nahezu perfekten Qualifikationslauf nicht einmal das Finale der besten 16 erreichen konnte. Da muss ich wohl ordentlich verwachst haben, denn gleiten und springen kann ich eigentlich und mehr war da nicht zu tun. Bei der Weltmeisterschaft und bei den Weltcups in der Schweiz fand ich auch nicht zu meiner Form. Deshalb fuhr ich relativ unbedarft zum Weltcupfinale nach La Plagne. Dort stürzte ich leider im ersten Trainingslauf am Renntag hart auf den Rücken. Die Piste wurde vom Trainings- auf den Renntag über Nacht härter und Rückenwind erhöhte die Geschwindigkeit zusätzlich. Dies wurde auch einigen anderen Läufern an einer Vierer-Wellen-Kombination zum Verhängnis. Ich konnte mich erst kaum bewegen und hielt einen Start für unmöglich. Doch nach zwei Stunden in der Wirtschaft beschloss ich, dass ich mich wenigstens aus dem Startgate ziehe, um ein paar Weltcup-Punkte zu ergattern. Und dann erlebte ich mein bisher kuriosestes Rennen: Ich konnte mich vor Schmerzen im Rücken kaum aufrecht halten, kam aber sowohl im Viertel- als auch im Halbfinale als Zweitplatzierte eine Runde weiter, weil ich meine Gegnerinnen vor mir sich durch Stürze aus dem Rennen warfen und ich so in Ruhe überholen konnte. Im Finale wurde ich dann Vierte und fuhr so mein bestes Ergebnis - Wahnsinn!

Ski2b: Nach dem Weltcup-Finale musstest du dann die Deutsche Meisterschaft wegen der Verletzung absagen. Wie geht es dir jetzt und konntest du die Verletzung schnell auskurieren?
Alex: Nach dem Sturz konnte ich mich eine Woche nicht richtig bewegen, aber zum Glück war es nur eine starke Prellung der Wirbelsäule und eine angebrochene Rippe. Dank gilt hier auch meinem Rückenprotektor-Sponsor Ortema. Ohne den Schutz wär es wohl nicht so glimpflich ausgegangen. Mittlerweile kann ich mein Training wieder fast vollständig durchführen, nur bei Rotationsbewegungen und starken Belastungen der Wirbelsäule wie z.B. Gewichtheben zwickt es noch im Rücken. Deshalb nutze ich neben dem Training zwei mal die Woche die Physiotherapie am OSP in München.

Ski2b: Du sprachst die Vorbereitung auf die neue Saison vor. Wie sieht der Fahrplan für die kommenden Wochen aus. Wo werden die Schwerpunkte gesetzt?
Alex: Im Moment dreht sich mein Konditionstraining um die Verbesserung meiner Grundlagenausdauer (Laufen, Berggehen, Radln, Inlineskaten) sowie allgemeines Krafttraining (Beine, Rumpf, Oberkörper), Koordination und Sprünge. Alternativ gehe ich nachwievor ins Modern Sports Karate-Training und zum Fußball.

Ski2b: Auch im Ski Cross ist natürlich die Finanzkrise ein Thema. Wie hart trifft euch das und wie behindert dies die Saisonvorbereitung oder die Planung für die nächste Saison?
Alex: Die Finanzkrise trifft uns nicht sonderlich hart, weil schon zuvor eher wenig Geld für uns im DSV vorhanden war. Von daher hatten wir keine großen Illusionen, die durch die Krise zerstört wurden. Die Kosten für Vorbereitung und Wettkampfphase trägt jeder selbst. Man merkt es halt, wenn man privat auf Sponsorensuche geht. Es ist nahezu unmöglich eine Firma zu finden, die in Zeiten wie diesen noch Geld für Sponsoring locker machen kann/will, insbesondere wenn es sich wie bei Ski Cross um eine Sportart handelt, die noch eine sehr geringe Medienpräsenz hat. Deshalb bin ich auch sehr dankbar für meinen Sportfördergruppenplatz bei der Bundeswehr, der Teil des Kontingents des DSV ist.


Ski2b Der DSV hat vor der Saison entschieden, dass Ski Cross weiterhin die Grundförderung erhält. Wie wichtig ist das für die Sportart in Deutschland?
Alex: Die Grundförderung des DSV ist, wie der Name schon sagt, essentiell für die Entwicklung der Sportart in Deutschland. Die Bereitstellung einer Trainerstelle und die des Sportlichen Leiters sind die Basis für die Vorbereitung des Ski Cross Teams auf die Olympischen Spiele 2010, aber auch für die Zukunft der Sportart nach Olympia.

Ski2b: Stichwort Olympia: Im nächsten Winter ist es endlich soweit und Ski Cross ist dabei. In wie weit denkst du schon an das Highlight und wie gehst du die nächste Saison im Hinblick auf Vancouver an?
Alex: Das mag jetzt abgedroschen klingen, aber die Olympischen Spiele in Vancouver sind das Erste, an das ich morgens nach dem Aufwachen und das Letzte, an das ich abends vor dem Schlafen denke. Dazwischen träume ich ab und zu davon oder motiviere mich im Training damit. Da macht das Schwitzen im Sommer schon viel mehr Spaß, wenn man ein solches Ziel vor Augen hat. Mit den beiden Weltcups in Italien im Dezember fällt dann der Startschuss für die Erfüllung der Qualifikationsnorm des DOSB (2x TOP 15 oder 1x TOP 8). Wär schon schön, wenn das schon vor Weihnachten klappen würde und man entspannt in die sechs Rennen im Januar gehen könnte. Wichtig ist einfach weiterhin konzentriert zu trainieren und gesund zu bleiben, dann sollte die Qualifikation machbar sein, auch für die beiden anderen Mädels der LG1, Julia Manhard und Heidi Zacher. Bei den Jungs wird es zwar noch ein bisschen härter, aber ich bin mir sicher, dass sich auch hier ein paar Deutsche qualifizieren werden.

Ski2b: Der Weltcup ist natürlich auch wichtig. Was hast du dir dort vorgenommen? Vielleicht einmal einen Weltcup-Sieg erringen?
Alex: Im Weltcup will ich immer meine bestmögliche Leistung bringen und soweit vorne wie möglich landen. Wenn ein Sieg dabei rausspringt, wäre das der Wahnsinn! Allerdings setzte ich mir sowas ungern als Ziel. Wenn man immer wieder Top-Leistungen bringt, passiert es automatisch irgendwann. Ich will mich vielmehr darauf konzentrieren, dass konstant gute Leistungen bringe (TOP 10) und mir solche Negativ-Ausreisser wie diese Saison nicht mehr passieren. Die schlagen extrem auf die Psyche.

Ski2b: Ski Cross ist medial immer noch nicht so in den Vordergrund getreten wie erhofft. Wo siehst du dort die Gründe dafür? Was muss passieren, dass Ski Cross in der Öffentlichkeit noch mehr wahrgenommen wird?
Alex: Ich kann es mir leider nicht erklären, warum sich die mediale Präsenz von Ski Cross als problematisch gestaltet. Die Sportart erfüllt viele Kriterien für gute Sportunterhaltung, v.a. im TV. Jeder, der schon mal einen Wettkampf gesehen hat, will mehr davon.

Ski2b: Wie siehst du generell die Entwicklung in der Sportart? Es scheint, dass das Niveau immer besser wird und die Spitze enger zusammenrückt. Was meinst du?
Alex: Das Niveau steigt von Saison zu Saison deutlich und es kommen sowohl bei den Damen als auch bei den Herren immer mehr Fahrer für einen Sieg in Frage. Es waren einige neue Gesichter aus dem alpinen Europacup dabei, die sich teilweise im Ski Cross richtig schwer taten oder aber auch voll durchstarteten, wie z.B. Kelsey Serwa (CAN). Auf jeden Fall stieg nicht nur die Quantität des Starterfelds (sogar bei den Damen sind es teilweise über 50 Starterinnen), sondern auch die Qualität.

Ski2b: Du hast vor kurzem dein Studium erfolgreich abgeschlossen. Wie geht es nun beruflich für dich weiter?
Alex: Mit dem Master-Abschluss ist mir ein riesen Stein vom Herzen gefallen, und ich hoffe, dass ich kommende Saison befreiter auffahren kann. Als Soldatin der Sportfördergruppe in Sonthofen habe ich nun optimale Voraussetzungen mich professionell vorzubereiten und die Olympiasaison zu bestreiten. Wie es danach mit meiner sportlichen Laufbahn weitergeht, hängt von mehreren Faktoren ab (Gesundheit, Motivation, etc. ). Nach meiner Ski Cross-Karriere möchte ich entweder im Sportjournalismus oder in der Unternehmenskommunikation arbeiten.

Ski2b: Alex, vielen Dank für das ausführliche Interview und alles Gute bei der Saisonvorbereitung.