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Salomon stellt ein kleines, aber feines Rennsportteam im Weltcup. Klaus Kröll, Romed Baumann und Giorgio Rocca holten im letzten Winter die meisten Punkte für ihr Team, mit Mario Matt kommt nun ein Leistungsträger hinzu. Lange Zeit prägten Superstars wie Janica Kostelic oder Anja Pärson eine Erfolgsepoche, an die man im letzten Winter nicht ganz anknüpfen konnte.

Gezielt verstärkt, Budget geschont
Damit steht Salomon in einer anderen Lage als die 'große Schwester' Atomic, die im Weltcup deutlich mehr Athleten ausrüstet. Beide Firmen sind Töchter der Amer Sports Gruppe und beide haben zuletzt nicht für eine schwarze Bilanz sorgen können. Wird das Auswirkungen auf den Rennsportsektor haben? "Wir sind schon die letzten beiden Jahren sehr sparsam mit dem Budget umgegangen und haben uns sehr gezielt neu verstärkt. 2007/08 mit Hannes Reichelt und
Romed Baumann, 2009 kommen noch Mario Matt und Sandro Viletta. Damit sind wir jetzt auch im Slalom gut vertreten und hoffen, in allen Disziplinen bei Olympia und im Weltcup gewinnen zu können", meint Günther Mader. Der ehemalige Weltklasse-Athlet ist Rennsportchef bei Salomon Österreich.

Krise? Oder keine Krise?
"Ich sehe die Lage nicht so dramatisch und den Ablauf im Weltcup nicht gefährdet", meint Mader zur aktuellen Situation. "Wir vermitteln über den Rennlauf ein sehr positives Hightech-Image an die Konsumenten und können damit auch andere Salomon Produkte wie Appearal und Footwear sehr gut vermarkten." Ganz ohne finanziellen Druck ist bei Salomon jedoch nicht. "Natürlich wird auch von unsere Seite aus gespart. Das Sponsoring für Leute, die im Weltcup nicht in die Top 30 kommen und auch teilweise im Nachwuchsbereich wird es nicht mehr geben", stellt Mader fest. "Trotzdem ist es mir ein Anliegen und unsere Pflicht, den Rennsport positiv zu vermarkten und speziell an die jungen Racer den notwendigen Spirit weiter zu geben."



"Mehr war so kurzfristig nicht möglich"
Kein Aktionismus also bei Salomon, die aber von den Regelungen für Service und Material im August und September profitieren. "Der Ablauf ist ja schon bekannt und wird auch von Salomon voll unterstützt. Mehr war jetzt so kurzfristig und vor einer Olympiasaison nicht möglich", erklärt der Rennsportchef und ergänzt: "In der Zukunft wird es immer wichtiger werden, eine gute Kooperation mit allen Beteiligten, also der FIS, den nationalen Verbände und Medien zu finden." Angst vor einem Imageverlust hat Mader hingegen derzeit nicht. "Die Sparmaßnahmen belaufen sich ja im Moment nur auf einige trainingsfreie Tage."

Plädoyer für neue Märkte
Für Mader führt ein Weg der Zukunft klar nach Osten. "Wir müssen uns mehr an neue Märkte, also Asien, Osteuropa und Russland, orientieren und es wird nicht ausbleiben, den Weltcup-Kalender diesbezüglich zu ändern. Von Tradition können wir alle nicht leben. Die Rennen müssen dort stattfinden, wo Interesse vorhanden ist." Klare Worte, die nicht alle gerne hören werden. Rennen mit Tradition, aber ohne Sponsoren sollen weichen. "Auch die Einstellung mancher Verbände ist nicht mehr zu halten. Nach dem Motto: 'Wenn Österreich und Schweiz fünf Rennen haben wollen wir auch fünf'. Wir brauchen freie Wochenenden für neue Märkte und für Mega Events in der Nähe von Großstädten, um dem Rennsport ein 'cooleres' Image zu verpassen", schließt Mader. Der Rennsport ist also auf der Suche nach neuen Sponsoren, neuen Geldquellen - und muss dafür flexibler werden. Das erste Vorspiel gab es an Neujahr in Moskau zu sehen.

Formel 1? Kein Vergleich
Den Vergleich zur Formel 1 findet Mader weniger passend. "Prinzipiell glaube ich ist es in der Formel 1 viel leichter zu sparen, als im Skirennsport. Ich mag diesen Vergleich nicht sehr gerne, weil es einfach andere Dimensionen sind. Wir können uns aber einige Sachen abschauen, zum Beispiel die schnelle Umsetzung bei der Erschließung von neuen Märkten." Das hat die Formel 1 gemacht: China, die Türkei, Bahrein und Singapur kamen beispielsweise dort hinzu, während traditionelle Strecken z.B. in Deutschland und den USA rausflogen. Natürlich lassen sich die Orte nicht 1:1 auf den Skisport umsetzen, die Methode aber schon. Die Fernsehquoten und damit Werbeeinnahmen könnten der Maßstab dieser Bewertung sein. Denn das wäre auch für Günther Mader der einzige Punkt, an dem ein Weltcup ohne Salomon denkbar wäre: "Ja, wenn es nicht dementsprechende Fernsehstunden gibt."

"Hintere Läufer werden Material kaufen müssen"
Was ändert sich in der Praxis? Auch Mader sieht für die Athleten schwerere Zeiten kommen: "Für die Topathleten sind die Preise wie in allen anderen Sparten gefallen. Hintere Läufer werden in der Zukunft Material kaufen müssen, die aufsteigenden, besten Jungen natürlich ausgenommen", stellt der Rennsportchef fest. Und die Test- und Trainingssituation? "Die richtig guten Tests mit aussagekräftigem Feedback müssen wir vermehrt auf den Winter verlagern. Alles andere ist Trainings- und nicht Testzeit", so Mader. "Wir müssen allerdings auch berücksichtigen, dass es in der Zukunft immer weniger Trainingsmöglichkeiten auf den Gletschern gibt. Deshalb wird uns die südliche Hemisphäre nicht erspart bleiben."

Die Mischung macht's
Wagen wir also einen Blick voraus. Wo steht der Skisport in fünf Jahren? "Hoffentlich sind wir so weit, dass wir mehr Night Races durchführen können und diese von den Fernsehstationen auch gezeigt werden. Dass wir Weltcups in Russland und China fahren und unserem Sport neue Möglichkeiten schaffen," meint Günther Mader. Aber bei allem Veränderungswillen darf auch einiges erhalten bleiben. "Veränderungen sind immer gut, aber man soll die Tradition nicht von heut' auf morgen vergessen. Wir haben großteils sehr gut veranstaltete Rennen und sehen im TV spektakuläre Bilder. Wir müssen nicht "den Ski" neu erfinden - sondern die schwächeren Rennen schneller durch neue ersetzen", formuliert Mader. Und wo steht Salomon in fünf Jahren? Die Antwort fällt eindeutig aus: "In den Top drei - oder besser noch ganz oben!"