© Christian Neureuther
Es ist der 21. Januar 1973. Am Start in Megeve steht Christian Neureuther - zum ersten Mal als Weltcup-Sieger. Vor genau einer Woche hat er im Lauberhorn-Slalom von Wengen zum ersten Mal den Sprung nach ganz oben geschafft. Heute will er die Leistung wiederholen, seine Klasse bestätigen und sein Image als 'Sturzreuther', der in den wichtigen Momenten zwar beste Chancen hat, aber diese stets vergibt, ad acta legen.

Eine Sekunde schneller als Thöni
Seine Konkurrenz ist hart: Vor allem den Italiener Gustav Thöni muss der Deutsche besiegen. Und er ist schnell, nimmt die Tore bis zum vereisten Steilhang viel direkter als die Konkurrenten - und kommt durch. Eine Sekunde und eine Hundertstel vor Thöni nach zwei Durchgängen, zweiter Sieg, erstmals führt Neureuther im Slalom-Weltcup. "Ich kann es selbst nicht erklären, warum ich auf einmal so schnell bin", meinte er im Anschluss jubelnd.

Beliebt und erfolgreich
Mit Freude und Humor hat sich Christian Neureuther im Anschluss an diese Erfolge als deutscher Ski-Star etabliert. Sein Status rührt dabei nicht ursächlich von seinen sportlichen Leistungen her, denn der Slalom-Weltcup ging 1973, wenn auch nur knapp, an Thöni. Auch bei Großereignissen kam der Partenkirchner nie aufs Stockerl. Insgesamt sechsmal fuhr er zu einem Weltcup-Sieg in seiner Paradedisziplin Slalom, da waren andere wesentlich erfolgreicher, vor allem Ehefrau Rosi Mittermaier. Doch Neureuther gelang es, mit seiner humorvollen Art zu überzeugen. Im Duett mit 'Gold-Rosi' war ein Teil eines sportlichen Traumpaares und konnte seine Popularität auch nach der Ski-Karriere nutzen.

TV-Star seit 'Dalli Dalli'
Auch 36 Jahre nach dem ersten Weltcup-Erfolg ist Christian Neureuther medial stets präsent. Er ist Werbeträger, Unternehmer, Sport-Botschafter und bodenständiger Promi in einem - und offenbar kann Deutschland davon nicht genug bekommen. Seit 'Dalli Dalli' tritt er regelmäßig in Fernseh-Shows auf, viele Deutsche sind so mit ihm aufgewachsen. Trotz der nun 60 Jahre ist der Jubilar nicht tatenlos. Der Heim-WM 2011 will er als Botschafter noch zum Erfolg verhelfen. Und vielleicht gibt es ja dort doch eine Medaille für einen Neureuther zu bejubeln. Sohn Felix würde seinem Vater damit sicher das größte Geschenk machen.