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Mit Platz zwei beim Weltcup-Finale in Are und drei deutschen Meistertiteln ließ Fanny Chmelar die Ski-Saison ausklingen - Grund genug, ein positives Saisonfazit zu ziehen. Worauf sich die Partenkirchenerin im Sommer am meisten freut, verrät sie im Interview mit ski2b.

ski2b.com: Glückwunsch Fanny, was für ein toller Saisonabschluss für dich. Bist du selbst ein bisschen überrascht?
Fanny Chmelar: Danke! Ich freue mich wahnsinnig über meine Top-Resultate und auch darüber, dass ich es immer mehr geschafft habe, meine Trainingsleistungen nun endlich mal im Rennen umzusetzen.

ski2b: Zum Schluss gab's gleich drei Deutsche Meistertitel, insgesamt hast du nun schon vier davon. Was bedeutet das für dich?
Fanny: Die Titel sind eine super Sache, zudem auch eine kleine Bestätigung und sie haben dem Saisonende einen runden Abschluss verpasst.

ski2b: Schauen wir mal auf deine Saison zurück. Der Einstieg verließ eher mäßig - in vier von fünf Rennen warst du im zweiten Durchgang nicht dabei. Was hat gefehlt?
Fanny: So negativ betrachte ich meinen Saisonbeginn nicht. Vier von fünf Rennen mag zwar sein, aber drei der vier Rennen waren Riesenslalom und beim Slalom in Aspen war ich außerdem sehr gut unterwegs bis ich ein Tor vor dem Ziel an einem Konzentrationsfehler gescheitert bin.
Was meine Ambitionen im Riesenslalom betrifft, war bereits das Rennen in Sölden mehr als schwierig für mich. Mir wurden in der Nacht vor dem Rennen meine Ski aus dem Skiraum geklaut. Dafür war meine Leistung mit geliehenem und anders abgestimmten Material, gar nicht mal so schlecht, aber dennoch nicht gut genug für den zweiten Durchgang! Nach Sölden lag mein Hauptaugenmerk natürlich auf der Slalomvorbereitung und es gab daher kaum noch Zeit meine neuen Riesenslalomski einzufahren.
Dafür war der erste Slalom in Levi, mit einem 16. Platz, eigentlich kein schlechter Einstieg in die Saison.



ski2b: Ab Mitte Dezember lief es dann besser, du warst viel konstanter und bist regelmäßig in die Punkte gefahren. Aber rund um die WM muss ein Knoten geplatzt sein - oder wie kommt dieser Leistungssprung zustande?
Fanny: Wie gesagt, es lief nie wirklich schlecht! Ich war über die komplette Saison hinweg persönlich sehr ausgeglichen. Im Training konnte ich immer mit konstanten Leistungen aufzeigen. Selbstvertrauen war sicherlich da, aber ich musste einen Weg finden, eben dieses auch im Wettkampf abzurufen.
Vor der WM ist es dann nochmal eng für mich geworden. In Garmisch-Partenkirchen war meine letzte Chance, mich offiziell zu qualifizieren, aber nach meinen Einfädler schien alles vorbei zu sein. Als ich dann doch das "GO" für die WM bekommen habe, wollte ich auf jeden Fall alles geben. Vielleicht war das der nötige Schub.

ski2b: Platz acht bei der WM, erster Podestplatz in Are - deine Gesamt-Bilanz sollte positiv ausfallen - oder?
Fanny: Auf jeden Fall! Besser hätte es zum Schluss nicht laufen können! Zudem gibt mir das enorm viel Motivation für den Sommer und ich hab mir somit auch eine gute Ausgangssituation für das nächste Jahr geschaffen.

ski2b: Dein Ausrüster HEAD hat vor der Saison die technischen Damendisziplinen forciert, neue Leute wie Anja Pärson haben ihr Know How in die Materialentwicklung einfließen lassen - hat sich das auch für dich bezahlt gemacht?
Fanny: HEAD hat in meinen Augen schon immer sehr gute Ski produziert, ob diese nun durch Anja noch besser werden kann ich nicht wirklich sagen. Die Konstrukteure leisten sehr gute Arbeit und ich denke, dass jeder Athlet einen kleinen Teil beiträgt.

ski2b: Insgesamt bist du Teil des stärksten Slalom-Teams. Die deutschen Damen haben dabei auch viele sehr junge Gesichter im Kader. Wie schätzt du die Situation ein? Hat euch der interne Leistungsdruck nach vorne gebracht?
Fanny: Druck ist nicht der Grund. Druck wäre kontraproduktiv. Ich würde eher sagen dass wir uns gegenseitig "pushen". Wir haben bei jedem Training den Vergleich, auch mit der Zeit, und jede will die Schnellste sein. Das ist kein Druck, sondern Ehrgeiz.

ski2b: Jetzt kommt eine kurze Pause, dann geht's wieder mit dem Sommertraining los. Wie lange hast du frei - und was steht da an?
Fanny: Zunächst stehen drei Wochen Urlaub an. Erst werde ich die Zeit daheim genießen und sicher noch ein paar Mal privat zum Skifahren gehen. Nächste Woche werde ich mich dann für sechs Tage in den Urlaub begeben und Mitte April geht es für uns nochmal auf Schnee. Nach Skitests und Techniktraining beginnt dann wieder das Sommertraining.

ski2b: Sind deine eigenen Erwartungen für die nächste Saison nach den letzten Ergebnissen gestiegen? Was für Ziele willst du dir stellen?
Fanny: Ich hatte bisher oft genug Probleme wenn ich meine Ziele zu hoch gesteckt oder zu genau definiert habe. Mein Ziel ist es, weiterhin auf so hohem Niveau Ski zu fahren, meine Leistungen vom Training ins Rennen zu übertragen und mein Bestes vom Start bis ins Ziel ins zu geben.

ski2b: Worauf freust du dich im Sommer am meisten?
Fanny: Flip-Flops, Eibsee und Grillfleisch!

ski2b: Dabei viel Spaß! Danke und alles Gute.