© WM OK GAP 2011
Die Saison ist aus, die sportliche Messe ist gegessen. Alle Athleten haben ihr Fazit gezogen, Verlierer und Gewinner sind bekannt, bald fahren alle in den wohlverdienten Urlaub. Und dann geht es wieder von vorne los. Aufbautraining, Kondition bolzen, erste Schneetage, Materialtests, Trainingslager in Übersee und irgendwann ist wieder Weltcup, in Sölden. War es das bereits?

Vielleicht nicht ganz, denn der alpine Skirennsport ist Entwicklungen unterworfen, die noch zu wenig thematisiert werden. Jetzt, wenn der Wettkampfstress abfällt, ist dafür vielleicht der richtige Zeitpunkt. Ein wichtiger Punkt ist der Umgang mit der Umwelt. In Garmisch-Partenkirchen sind jedenfalls nicht alle Beteiligten glücklich mit der Politik des dortigen Bürgermeisters Thomas Schmid. Tiefe Schneisen wurden für den Kandahar-Umbau in die Wälder gehauen. In Sotschi, 2014 olympischer Gastgeber, sorgte sich sogar der russische Umweltminister um die Naturverträglichkeit der Neubauten. Auch im bulgarischen Bansko war Nachhaltigkeit wohl nicht das Hauptthema, als das Skigebiet in kurzer Zeit entwickelt wurde. Dennoch heißt es: 'Go East', die FIS will gerade hier neue Märkte erschließen. Ist das der richtige Weg?



Geld ist gleich der nächste Aspekt. Natürlich ist auch die Skiindustrie von der Weltwirtschaftskrise betroffen. Zwar hat der Tourismus dank des guten Winterwetters durchaus ordentliche Zahlen geschrieben und auch die Ski-Verkäufe waren alles in allem weniger schlecht als noch in den Jahren zuvor. Allerdings verzeichnet beispielsweise Rossignol einen Millionenverlust, rund ein Drittel der Jobs sind in Gefahr, und das trotz aller sportlichen Erfolge von Vonn, Grange und Co. Dass Rossignol angesichts dieser Bilanz sein Engagement im Leistungssport nicht kürzt, scheint kaum denkbar. Aber auch Veranstalter geraten in finanzielle Engpässe. Großereignisse wie Vancouver 2010 werfen immense Kosten auf, auch die Gemeinde Garmisch-Partenkirchen hat sich vor der WM 2011 in Schulden gestürzt, um die Infrastruktur anzupassen. Sieht so die Zukunft aus? Die Zeche zahlen die Steuerzahler, in Kanada die Bürger Vancouvers, in Sotschi wird der Staat Russland geradestehen. Und in Garmisch? Hier muss die Kommune mit den Schulden zurecht kommen, die jetzt als Investition verkauft werden.

Lohnt ein Blick über den sportlichen Tellerrand? Die Formel 1 musste vor dieser Saison enorme Einschnitte vornehmen. Dort stieg Autobauer Honda kurzerhand aus angesichts der Verkaufszahlen auf dem Weltmarkt. Wenn auch angesichts der investierten Gelder der Vergleich mit dem Auto-Giganten hinkt, sollte auch der Skisport sich überlegen, wo der Weg hingeht. Ein Outdoor-Sport, der sich nicht oder nur wenig um die Umwelt schert, macht sich unglaubwürdig. Wenn sich Großereignisse in wirtschaftliche Abenteuer mit ungewissem Ausgang verwandeln, müssen sie hinterfragt werden. Natürlich war das auch schon früher der Fall - dennoch darf auch eine Olympia-Bewerbung Münchens für 2018 nicht alle anderen Aspekte vom Tisch wischen. Immerhin in Punkto Nachhaltigkeit darf dafür die Kandidatur Vancouvers als Vorbild gelten. Aus wirtschaftlicher Sicht wäre das fatal.