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Er ist einer der Größten im alpinen Weltcup. Bode Miller eckt an, er ist ein Typ, er polarisiert wie kein Zweiter. Sein sportlicher Stil ist außergewöhnlich, seine Fähigkeiten sind sogar einzigartig. Er paart das mit oft fragwürdigen Aussagen zu verschiedenen Themen, gerne auch zum Minenfeld Doping und löst die eine oder andere Sicherheitsdebatte aus. Er ist der Weltcup-Camper mit eigenem Team, er ist eben Bode Miller. Und in dieser Saison ist Bode Miller sportlich eine Enttäuschung.

Hohe Ansprüche hat er selbst an sich. In Bormio klang das nach seinem Gesamtweltcupsieg noch so: "Für mich ist es normal, den Gesamtweltcup zu gewinnen." Auch den Punkterekord von Hermann Maier wolle er knacken. Eine zweistellige Anzahl Siege wäre für ihn möglich. Seine Bilanz 2008/2009 sieht ganz anders aus: Drei zweite Plätze, in Levi, in Gröden, in Wengen, das war es. Achter derzeit ist er in der Gesamtwertung, nur in der Abfahrt hat er noch Aussichten auf Kristall. Die WM ging in die Hose. Es gibt fast nichts mehr zu gewinnen für Bode.

Ein Grund für die Unbeständigkeit von Millers sportlichen Leistungen ist nun herausgekommen: Bode ist Vater, seine Tochter Neesyn Dacey wurde gerade ein Jahr alt. Die neue Rolle könnte durchaus ein Grund sein, warum der Amerikaner schwächelt. Vater zu werden, ist ein einschneidender Schnitt. Miller hatte nicht die Chance, seinen Weltcup-Alltag und seine Vaterfunktion zu verbinden. Nun zog er die Notbremse und erstmals Neesyn Dacey dem Weltcup vor. Nach Sestriere wird er auch in Kranjska Gora fehlen.



Für Miller muss es das Ziel sein, den Kopf wieder frei zu bekommen. In der Form des Vorjahres ist er die Attraktion, auf die der Skisport schlicht nicht verzichten kann. Als Schatten seiner selbst aber fehlt der Ikone die Strahlkraft. Auch Millers neuerliche Gedankenspiele, ganz auszusteigen, schocken längst niemanden mehr. Das beste wäre daher, du gehst spielen, Bode - und entdeckst zusammen mit deiner Tochter deine Stärken wieder. Wir heißen dich in Kvitfjell gerne wieder willkommen!