Beim WM-Slalom in Val d'Isère schlug die große Stunde für Manfred Pranger. Der Österreicher holte Gold. Im Interview mit ski2b spricht er über den WM-Lauf, die Zeit vor den Erfolgen und erklärt, warum seine Tochter nach dem Zieleinlauf zunächst etwas verwirrt war.

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ski2b.com: Manfred - was für ein sensationeller WM-Sonntag war das für dich. Hast du überhaupt schon realisieren können, was du geschafft hast?
Manfred Pranger: Ja, jetzt mittlerweile schon. Es hat schon lange gebraucht, man hat ja den Traum auch schon so lang. Es war am Sonntag immerhin kein leichtes Rennen, ich war so angespannt. Wie ich über die Ziellinie gefahren bin, war ich so erleichtert. Aber man hat immer das Gefühl, man checkt es nicht richtig. Man wird herumgereicht, hat dies und das zu regeln. Aber im Auto auf dem Heimweg hab ich es langsam begriffen, dass ich Weltmeister bin - und jetzt macht es umso mehr Spaß.

ski2b: Wie war dein Empfang zu Hause?
Manfred: Ich bin um vier Uhr in der Früh angekommen, da sind ein paar Leute vorbeigekommen und haben mich empfangen (Manfred lacht). Das war natürlich wunderschön.

ski2b: Zum Rennen: Der Hang muss unglaublich eisig gewesen sein. Wie bist du in den ersten Lauf gegangen?
Manfred: Im ersten Lauf ist es eigentlich noch gegangen. Ich bin schon ein bisschen nervös gewesen am Start. Es war ja eine Rennpause dazwischen von zwei Wochen. Aber im Starthaus hab ich wieder das Schema im Kopf gehabt, das ich auch bei den letzten Weltcup-Rennen im Kopf hatte. Auch während der Fahrt klappte es - ich habe nur einen Fehler gehabt. Ich habe es geschafft, mich gut zu konzentrieren und war daher guter Dinge für den zweiten Lauf.



ski2b: Der Druck war im Vorfeld immens - ganz Österreich hat auf die Slalomfahrer gebaut und gehofft. Dann sind deine vier Teamkollegen nach und nach ausgestiegen - hat dich das belastet?
Manfred: Belastet - nein. Wir sind ja mit fünf Slalomfahrern zur WM gefahren und alle fünf hätten das Rennen gewinnen können. Von dem her hat sich Österreich viel erwartet vom Slalom und das zu Recht, denn wir haben ja heuer super Erfolge gefeiert. Ich hab aber nur auf mich geschaut und alles andere ausgeblendet. Ich wollte eine Medaille haben und hab‘ von der Goldmedaille geträumt. Dass der Benjamin im zweiten Lauf ausgeschieden ist, hab‘ ich nicht mitgekriegt. Nur, dass es extrem schwer ist. Vor dem zweiten Lauf wollte ich nur eine Medaille, egal, welche Farbe. Und so hab ich den Lauf auch angelegt. Im Mittelteil habe ich dann gemerkt, dass ich gut drauf bin und Gas geben kann.

ski2b: Der Verlauf des Finals war geradezu dramatisch. Sehr viele Ausfälle - hast du so etwas schon einmal erlebt?
Manfred: Es hat schon öfter schwierige Rennen gegeben, aber ich hab das wirklich nicht so extrem mitbekommen, weil ich so konzentriert war. Dieses Gefühl, dass ich seit Adelboden habe, dass ich mich voll konzentrieren kann, dass hab ich die Jahre vorher nicht gekannt. Vor zwei, drei Jahren hätte ich in so einer Situation sicher wieder irgendetwas falsch gemacht, weil ich immer alles aufgenommen habe, was passiert. Ich schaffe es heuer auch beim Fahren, ruhig zu bleiben, auch wenn mich ein Schlag mal rausbringt. Früher wäre ich da gefahren wie ein Blöder und wäre ausgeschieden oder es hätte nicht hingehauen. Jetzt fahre ich mein Ding durch. Es ist eine gewisse Ruhe in mir.

ski2b: Es scheint dich eine neue Siegermentalität auszuzeichnen. Du hast schon nach Wengen gesagt, dass du seit der Verletzung lockerer fahren kannst. Früher gab es fünfte Plätze für dich bei einer WM - jetzt ist es Gold. Liegt das daran?
Manfred: Es scheint so, dass ich extrem lange brauche für Veränderungen. Ich habe in Schladming 2005 gewonnen und dann erst wieder jetzt im Januar. Da liegen vier Jahre zwischen, in denen extrem viel passiert ist. Ich habe sehr hart kämpfen müssen und auch viel einstecken müssen. Es war nicht lustig, immer als Fünfter von der WM nach Hause zu fahren und immer haben zwei, drei Zehntel gefehlt. Wie in Bormio, wo ich Zweiter war nach dem ersten Lauf und bin leer nach Hause gegangen, während die anderen gefeiert wurden. Dann ist die Verletzung passiert. Vor zwei Jahren ist meine Tochter auf die Welt gekommen, das hat mir einen Denkanstoß gegeben. Auch die Trainer haben mir nahegelegt, ich soll einen anderen Weg versuchen. Das hab ich gemacht und es hat sich jetzt ausgezahlt.

ski2b: Du hast viele Sachen verändert, aber deinen Ausrüster Völkl behalten. Ist das auch ein Teil der Erfolgsgeschichte?
Manfred: Auf jeden Fall. Ich habe sehr viel Erfolg gehabt am Anfang bei Völkl, dann zwei Jahre weniger, aber Völkl hat immer zu mir gehalten. Daher bin ich auch nach zwei schlechten Jahren nicht von Völkl weggegangen, weil ich wusste, es liegt nicht am Material, sondern am Fahrer Manfred Pranger. Jetzt ist es umso schöner, dass ich mit der Goldmedaille das ganze Vertrauen habe zurückgeben können.

ski2b: Im Anschluss hat man eine ungeheure Sympathie der Fahrer dir gegenüber gespürt - jeder schien dir diesen Sieg zu gönnen, Benni Raich, deine anderen Teamkollegen, aber auch ein Felix Neureuther hat sich so geäußert. Wie hast du das aufgenommen?
Manfred: Das habe ich natürlich mitbekommen. Ich habe mit den anderen Läufern einfach ein sehr gutes Verhältnis. Solche Aussagen ehren mich, denn das sind ja auch Konkurrenten, die kämpfen auch um diese Medaille. Der Felix war Vierter, der Benni ist auf dem Weg zu einer Medaille, macht sie nicht und dennoch stehen die unten und umarmen mich und sagen 'Du hast dir das verdient'. Deswegen ist das nochmal umso schöner. Es weiß ja auch jeder, wie schwer das ist. Ich vergönne es den anderen genauso.

ski2b: Jetzt muss dir der Wechsel zurück in den Weltcup gelingen. In Kranjska Gora und Are stehen noch Slaloms an - ändert sich deren Wertigkeit? Wie wichtig ist dein Abschneiden im Weltcup jetzt noch?
Manfred: Ich habe von Rennen zu Rennen gedacht, den ganzen Winter schon. Bis Garmisch hab ich gar nicht an die WM gedacht. Seitdem galt die ganze Konzentration der WM. Jetzt wird zwei Tage abgeschaltet, dann gilt nur Kranjska Gora und dann Are - und das geht immer so weiter. Für mich ist ein Weltcup-Slalom genauso wichtig wie ein WM-Slalom. Ich hab ja lange zuhause gesessen und mir die Rennen im Fernsehen angeschaut und dabei hat sich bei mir ein Gefühl dafür entwickelt, was ich wirklich will - und das ist Rennen fahren und Skifahren.

ski2b: Wie hat eigentlich deine Tochter das Rennen mitbekommen?
Manfred: Die Laura schaut immer zu, wenn der Papa fährt (Manfred lacht). Sie schreit immer 'Hopp, Papa' und 'Bravo'. Nur bei dem Rennen hat meine Frau gesagt war sie ein bisschen verwirrt, weil alle zu Weinen angefangen haben, als ich im Ziel war (lacht erneut). Alle haben sich in den Armen gelegen und sie hat nicht mehr gewusst, was los ist! Aber wir haben es uns jetzt im Video noch einmal angeschaut und da hat sie wieder 'Papa, hopp, hopp, hopp' gerufen. Das ist einfach wunderschön! Die Familie hilft mir sehr, wenn ich nach Hause komme, dort habe ich einen guten Rückhalt. Ich kann abschalten, es wird sehr wenig über Skifahren geredet. Wir machen viel mit der Kleinen, das macht sehr viel Spaß und man fährt mit einer ganz anderen Kraft wieder weg.

ski2b: Vielen Dank Manfred - auch für dieses tolle WM-Rennen - wir wünsche dir vor allem noch viele solcher Momente mit deiner Tochter!
Manfred: Danke!