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Was für ein Slalom-Finale in Frankreich! Der Hang war wirklich außerordentlich schwierig und wurde für den Herren-Slalom nochmal vereist. Man konnte sich nicht den geringsten Fehler erlauben und musste trotzdem voll fahren, um eine Chance auf eine Medaille zu haben. Es waren dramatische Rennen, super interessant, dazu tolles Wetter und bis zu 40.000 Zuschauer - besser hätte das Finale einer anfangs mäßigen WM nicht sein können.

Das Gold für Maria Riesch war schon abzusehen. Sie hat es taktisch sehr klug gemacht mit nicht allzu viel Risiko im ersten Lauf und im zweiten hat sich - genau wie bei den Herren - die Konkurrenz zum Teil selbst eliminiert. Für Deutschland, aber auch für alle Länder rundherum ist es das beste, wenn Deutschland erfolgreich ist im Skisport. Denn dann wird der Skisport populär und gesellschaftsfähig.

Auch Felix Neureuther hätte fast noch eine Bronzemedaille bekommen. Hätte er die verdient? Hat es der Janyk verdient? Der hat vorher auch noch nichts gerissen. Wenn jemand schnell ist, landet er vorne. Es war im Finale ein guter Lauf vom Neureuther, er ist unterstützt worden durch sehr viele Ausfälle von den Top-Leuten, aber es ist eine gute Leistung, vom 14. auf den vierten Platz vorzufahren. Ich denke, das gibt ihm wieder Auftrieb und das könnte jetzt noch für ein paar gute Weltcup-Resultate sorgen.



Gewonnen hat der Manfred Pranger. Ich hab persönlich nicht auf ihn gesetzt, ich hätte den Herbst oder den Grange wesentlich stärker eingestuft, weil Pranger in der Vergangenheit öfters schwache Nerven hatte. Aber er hat das Rennen souverän heimgefahren. Das ist wirklich seine Saison. Hut ab!

Von den oberen Funktionären des ÖSV habe ich übrigens am Schluss des Rennens keinen mehr gesehen, die haben vorher schon das Weite gesucht. Mit der Medaille hat wohl intern niemand mehr gerechnet. Ich glaube, es war ganz gut, dass sie noch ein Häppchen gekriegt haben am Schluss. Eins muss man ja sagen: Alle, egal ob Deutsche, Österreicher oder Kanadier, haben ihre Medaillen im Österreicher Haus gefeiert. Damit sind die Österreicher bei dieser WM zumindest die Nummer eins im Après Ski!

Der Star der WM ist für mich Carlo Janka. Das ist ein ganz junger Typ, der hier seine Stärke gezeigt hat und auch Nervenstärke bewiesen hat. Mit ihm müssen wir rechnen, nächstes Jahr sicher auch im Gesamtweltcup. Wo es Sieger gibt, gibt es auch Verlierer. Anja Pärson zählt für mich nicht dazu - noch mehr Medaillen haben in ihrem Schrank einfach keinen Platz. Bode Millers Auftritt war für mich schon enttäuschend. Gerade in den Speed-Wettbewerben war er einer der Top-Favoriten. Er scheint an seinen Nerven gescheitert zu sein. Es haben ja sehr viele Französinnen mit einem Stift ihre Telefonnummer an sein Wohnmobil geschrieben, vielleicht hat ihn das abgelenkt. Grange ist für mich kein Verlierer. Bei ihm hat im Slalom nicht viel gefehlt - er war ja schon im Zielhang und sehr schnell unterwegs, er hätte das Rennen gewinnen können. Bei ihm war es einfach Pech.

Ich war jetzt die letzten Tage selbst in Val d`Isère. Die Rennen waren schön, es ist toll organisiert gewesen, im WM-Dorf war einiges los, auch Zuschauer waren wider Erwarten viele da. Ich denke, die letzten vier Tage haben die WM gerettet, denn am Anfang war es einfach nicht schön anzuschauen. Mein Fazit lautet: Es war grundsätzlich eine sehr schöne WM, die auch dem Skisport etwas gebracht hat. Wenn die nächste WM noch etwas besser wird, was ich glaube, dann wird es dem Skisport einen enormen Auftrieb geben. In Garmisch 2011 würde ich bei der Pistenpräparation den Hebel ansetzen. Es ist übertrieben, dass man jede Rennpiste mit einem halben Meter Eis versieht. Wenn die besten Rennläufer rumrutschen wie Anfänger, sieht man am Fernseher nicht, an was es liegt. Der Fernsehzuschauer sieht nur, dass es fürchterlich ausschaut.

Ein Anliegen habe ich noch. Man hat nicht wirklich viele Nationen auf den WM-Pisten gesehen, weil Leute wie Hubertus von Hohenlohe in Qualifikationsläufen eliminiert wurden. Wen man alle zwei Jahre bei Großveranstaltungen ein paar mehr 'Exoten' herunterkurven lässt, das schadet keinem. Wen schon so viele Zuschauer rauskommen und man nennt es Weltmeisterschaft, dann ist das für mich eine Diskrepanz. Vielleicht kann man einen Mittelweg finden, um mehr 'Exoten' dabei zu haben und dennoch das Niveau einer WM zu wahren.

Das wünscht sich

Euer Marc