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In Bormio 2005 wurde eine Geburt gefeiert. Unter großer Aufmerksamkeit innerhalb der Familie war man schnell sicher: Aus dem wird was! Und das Kind bekam auch einen Namen, man nannte es 'Nations Team Event'. Besonders goldig fanden die Deutschen den neuesten Sprössling der Disziplinen-Familie und schrieben sich in die Ski-Geschichtsbücher als erste Sieger ein.

Spaß beiseite: Der Nationenwettkampf hat ein Problem. Der großen Euphorie nach dem DSV-Triumph 2005 folgten ein ordentliches Weltcup-Debut in Are 2006, der deutliche WM-Titel für Österreich 2007 und ein weiteres Weltcup-Gastspiel in Lenzerheide 2007, wieder mit dem besseren Ende für Österreich. Seitdem ist das 'Kind' in Ungnade gefallen. Ted Ligety sprach es anlässlich des Weltcup-Finales in Bormio 2008 sehr deutlich aus: "Ich werde ihn nicht fahren, wir alle werden ihn nicht fahren. Daran sieht man auch, wie wichtig er für uns ist", gab der Amerikaner damals an. Tatsächlich stand die Abreise vieler Teams vor der Mannschaftswertung bereits vor der Absage des Events fest. Fazit: Kein Interesse.

Bei der WM, so konnte man mutmaßen, würde der Team Event wieder aufblühen. Immerhin hat Österreich nur wegen des Mannschaftsgoldes 2007 im Medaillenspiegel den ersten Rang belegt. Tatsächlich belegt die Aufstellung der einzelnen Teams das Gegenteil. Hier fehlen Stars wie Abfahrtsweltmeister Kucera für Kanada, Pärson für Schweden, Grange für Frankreich, Gut für die Schweiz oder Benni Raich für Österreich. Und die Amerikaner boten gleich ein B-Team auf, ohne Vonn, ohne Miller und natürlich ohne Ligety. Fazit: Kaum Interesse. Die wetterbedingte Absage am 11. Februar war nicht zu verhindern, allerdings hätte man für eine andere Disziplin sicher nach einem Ersatztermin gesucht. Undenkbar, dass etwa eine Damen-Abfahrt einfach komplett gestrichen wird.



Der Team Event steht auf der Kippe. Soll er leben, dann muss er mit Leben gefüllt werden, das heißt, man muss ihm sportliche Bedeutung verleihen. Das geht im Weltcup nur über eine kleine Kristallkugel, an der vermutlich die Teams ein Interesse hätten. Ob auch Sportler wie Ted Ligety sich dann für diesen Wettbewerb interessieren, sei dahingestellt. Der Mannschaftsgeist fehlt jedenfalls dem alpinen Skisport, der natürlich in erster Linie ein Sport für Individualisten ist. Aber was im Biathlon funktioniert, kann auch bei den Alpinen gehen - sobald sich die Öffentlichkeit mit der Mannschaftswertung befasst. Dafür muss es mehr Wettbewerbe geben. Andernfalls sollte man ehrlich zugeben, dass die Nationenwertung im Skisport gestorben ist. Spätestens im März in Are wird das Stiefkind wieder die Ablehnung der Familienmitglieder zu spüren bekommen. Oder der Nations Team Event fällt einfach wieder aus. Warum auch nicht?