© US-Skiteam
Zum Auftakt der alpinen Weltmeisterschaften hat die US-Amerikanerin Lindsey Vonn die Goldmedaille im Super-G gewonnen. Für die USA ist es der erste Sieg überhaupt in dieser Disziplin und gleichzeitig der erste Titel für die Damen seit zwölf Jahren. Das Interview wurde vom US Ski Team geführt ...

Frage: Wie fühlst du dich als neue Weltmeisterin?
Lindsey Vonn: Es war ein außergewöhnlicher Tag. Die Bedingungen waren sehr hart. Vor allem die Lichtverhältnisse waren schlecht. Es wurde immer dunkler. Es schien, als ob einige Fahrerinnen nicht ins Ziel gekommen wären. Ich bin so dankbar, dass ich einen guten Lauf hatte und heil ins Ziel gekommen bin. Die Linie, die ich mit meinem Mann und meinen Trainern ausgearbeitet hatte, ist wirklich gut gewesen. So musste ich mir nur noch ein Herz nehmen und fahren. Ich hatte einen unglaublichen Tag und hoffe, dass ich diese Form in die anderen Rennen mitnehmen kann.

Frage: Worin bestehen die Schwierigkeiten bei der Umstellung von technischen zu Speed-Rennen. Wie hast du das geschafft?
Lindsey: Das ist schon sehr schwierig. Wenn man in fünf verschiedenen Disziplinen startet, braucht man viel Training. Aber es ist wirklich eine Herausforderung. Glücklicherweise habe ich dieses Jahr gutes Material. Meine Slalom-Ski sind einfach unglaublich. Deswegen kann ich auch in diesem Jahr besser zwischen den unterschiedlichen Disziplinen wechseln. Vor Garmisch habe ich zwei Wochen kein Slalom trainiert. Aber ich hab mich gut gefühlt und es war wesentlich einfacher für mich zu gewinnen. Dafür möchte ich vor allem Rossignol, meinem Serviceman Nicholas und meinem Mann Thomas danken. Sie alle haben mir geholfen, die richtige Ausrüstung zu finden.

Frage: Warum ist das US Skiteam gerade bei großen Veranstaltungen so erfolgreich?
Lindsey: Die amerikanischen Athleten fahren in erster Linie für sich und ihre eigenen Ziele. Bei uns schaut nicht die ganze Nation zu, wie beispielsweise in Österreich. So haben wir ein bisschen mehr Freiheit, nur für uns selber zu fahren.

Frage: Was werden dir die kommenden Olympischen Spiele in Vancouver nach Turin bedeuten?
Lindsey: Seit ich den Unfall in Turin hatte, denke ich an Whistler. Die Olympischen Spiele finden in Nordamerika nahe der USA statt. Ich werde viel mehr Unterstützung haben als in Turin. Dort fühlte sich alles so weit entfernt an, eher wie ein normaler Weltcup. Ich freue mich schon sehr auf Vancouver.

Frage: Wie groß war die Hürde, deinen ersten großen Titel zu gewinnen?
Lindsey: Den WM-Titel zu gewinnen war definitiv eine Hürde, die ich nehmen musste. Man braucht schon eine Menge Selbstvertrauen, um auf der großen Bühne einen Titel zu holen. Ich bin froh, dass ich es trotz der schlechten Bedingungen geschafft habe. Ich wusste, dass die Verhältnisse schlecht waren und der Hang hart. Und ich wusste, dass ich auf der Linie bleiben musste, um eine Medaille zu gewinnen. In den letzten Jahren habe ich gelernt, dass es nur wenige Rennen gibt, die zählen. Man muss sein Bestes geben. Es zählt nichts außer der Medaille.

Frage: Kannst du so die Weltmeisterschaften von 2005 vergessen machen?
Lindsey: Ich glaube, dass die WM von 2005 eine gute Lektion war, die ich lernen musste. Damals musste ich zum ersten Mal während einer Veranstaltung mit den Medien und dem gestiegenen Druck umgehen. Anfangs wusste ich nicht, wie ich mich verhalten sollte. Die damalige Erfahrung hat mir heute geholfen. Während einer Weltmeisterschaft darf man nichts zurückhalten und muss alles geben. Wenn man nicht ins Ziel kommt, kommt man nicht ins Ziel. Aber man muss alles geben.



Frage: Wie wird dich das für den weiteren Verlauf der Weltmeisterschaften beeinflussen?
Lindsey: Ich werde jetzt viel entspannter fahren können. Ich bin hierher gekommen, um zu gewinnen. Nun ist mir diese Last von den Schultern genommen.

Frage: Hebt dich das in eine andere Gruppe von Skifahrern?
Lindsey: Ich glaube, dass viele der heutigen Top-Skifahrer einen Weltmeisterschaftstitel oder eine Olympische Medaille gewonnen haben. Das ist etwas, was ich immer machen wollte. Jetzt bin ich nicht nur als Weltcup-Skifahrerin bekannt, sondern kann mich auch bei großen Rennen beweisen.

Frage: Wie schwer wird es sein, den Gesamtweltcup zu gewinnen?
Lindsey: Ich glaube, dass es ein hartes Rennen zwischen Maria Riesch, Anja Pärson und mir werden wird. Anja und Maria fahren beide sehr gut. Die letzten Wochen sind sehr vorteilhaft für mich gewesen. Aber ich muss weiter kämpfen und bei jedem Rennen ins Ziel kommen, um die nötigen Punkte für den Ausbau der Führung zu bekommen. Hoffentlich kann ich die Form bis zum Ende der Saison aufrecht halten.

Frage: Was erwartest du noch vom US Ski Team?
Lindsey: Ich denke, dass wir ein sehr gutes Team haben. Da bin nicht nur ich. Es kommen einige junge Frauen wie beispielsweise Chelsea Marshall und Leanne Smith hoch. Wir haben große Talente in unserer Mannschaft. Ich glaube nicht, dass die Verantwortung alleine bei mir liegt. Es gibt eine Menge starker junger Frauen, die hinter mir stehen und wir unterstützen uns gegenseitig.