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Nun geht sie also los, die WM in Val d`Isère. Eins vorweg: Ich hätte mir gewünscht, dass man eine WM dahin vergibt, wo nicht schon jedes Jahr Weltcups stattfinden. Wer schon einmal dort war, weiß, dass der Ort wirklich der hinterste Winkel von einem sehr langen Tal ist. Die Straßen hat man dort in den letzten 20 Jahren sicher auch nicht verbessert - Frankreich ist halt Frankreich. Ich würde mich daher wundern, wenn wirklich viele Zuschauer kommen, das hat es in Val d`Isère sowieso noch nie gegeben.

Wenn ich zurückdenke, erinnere ich mich natürlich an 1992. Bei diesen Olympischen Spielen lief es sehr gut für mich. Ich war zwar nur zweimal im Ziel, aber zweimal Zweiter. Und wenn ich nicht im Ziel war, hatte ich zumindest beste Zwischenzeiten. Die Pisten haben mir damals zugesagt, weil sie sehr schwierig sind. Gerade die Bellevarde, die ist wesentlich schwerer als die 'normale' Weltcup-Strecke. Die Bellevarde ist anders, weil sie so steil und kurvenreich ist. Schwierig ist sie auch wegen den Lichtverhältnisse. Sie liegt nordöstlich und dadurch kommt die Sonne nicht in den Hang. Und wenn es schattig ist, sieht man die ganzen Unebenheiten nicht.

Für die Rennen ist das natürlich reizvoll. Die Österreicher haben drei gute Speed-Leute: Der Walchhofer hat zwar nicht mehr die Qualität von früher, aber er kann um Gold mitfahren. Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass er noch einmal in diese Form kommt. Der Kröll ist ein echter Aufsteiger: Mit gebrochenem Arm Erster und Dritter zu werden in Kitzbühel, das muss man erst einmal nachmachen. Und man darf niemals den Hermann Maier vergessen. Vor allem wenn die Pisten schwierig sind, ist der brandgefährlich.



Die Konkurrenz ist groß, gerade die Schweizer sind verdammt stark geworden, auch wenn es den Albrecht jetzt zerlegt hat - und ich hoffe sehr, dass es ihm bald wieder besser geht. Die Österreicher haben schon eine Weile ihre Probleme. Schauen wir uns den Benni Raich an: Er ist vielleicht der beste Techniker, den es je gegeben hat. In Kitzbühel fährt er in der Abfahrt sehr gut mit und kommt dann im Slalom nicht einmal mehr ins Ziel. Wenn sich solche Ausfälle häufen, dann stimmt etwas nicht. Und das ist schon seit ein, zwei Jahren so. Die Gesamtkraft der österreichischen Mannschaft hat schwer gelitten in diesem Zeitraum. Ich könnte mir vorstellen, dass es auch mit der Schwäche von Hermann Maier zu tun hat. Der hat die Mannschaft über Jahre dominiert und gezogen. Ich glaube nicht, dass die Erfolge zuvor vom Trainer oder dem System kamen. Den Effekt, der von einem Hermann Maier ausgeht, darf man nicht unterschätzen, das ist gleichzusetzen mit der Bedeutung von Steffi Graf und Boris Becker für das deutsche Tennis.

Und die Deutschen? Na klar, Maria Riesch ist eine heiße Medaillenkandidatin. Der Felix Neureuther hat ja durchaus die Qualität, ein Rennen zu gewinnen, aber wenn es in der Vorsaison so katastrophal läuft, wird ein toller Erfolg bei der WM sehr unwahrscheinlich. Das wäre dann wirklich ein absoluter Zufall. Bei der Rebensburg hatte ich gehofft, dass sie ein Schäuferl nachlegt. Mir tut's leid für die Deutschen: Ein Keppler und Strodl, die gurken schon ewig rum und wenn sie einmal 25. werden, dann ist es ein toller Erfolg. Mit diesem Denken wird es sicher nicht besser werden.

Wer wird der WM-Superstar? So etwas gibt es natürlich immer wieder. Aber prophezeien kann man das nicht. Es ist ja durchaus möglich, dass ein Kröll zweimal Gold gewinnt, obwohl er erst ein Weltcupsieg auf seinem Konto hat. Es passiert oft, dass Leute bei einer WM eine imposante Karriere starten. Dafür sind die Österreicher immer gut, aber auch die Amerikaner. Es kann natürlich auch schon mal einen Zufallstreffer geben, wenn man günstige Verhältnisse hat. Vielleicht hatte die der Patrick Staudacher im Super-G vor zwei Jahren, aber er ist sicher auch sehr gut gefahren. Geschenkt wird einem nichts. Jeder muss sich nach der Decke strecken, denn jeder will gewinnen.

Vielleicht noch ein Wort zu Bode Miller und Aksel Lund Svindal: Bei Miller habe ich in Levi gedacht, der gewinnt den Gesamtweltcup im Handumdrehen. Aber danach ist eigentlich nichts passiert. Ihm passieren viele Fehler auf der Strecke, er redet viel Blödsinn, wenn er Interviews gibt. Vielleicht sollte er mal sein Wohnmobil wechseln. Von Svindal war ich in Beaver Creek sehr überrascht. Aber seitdem war auch viel Leerlauf bei ihm. Doch auch wenn er nicht die Stärke von Are hat, ich kann ihn mir durchaus in den Medaillenrängen vorstellen. Jetzt sind erst einmal die Fahrer dran. Ich freue mich auf die Rennen!