Die Weltcuprennen in Cortina d’Ampezzo 2009 waren gekennzeichnet von Wetterchaos und überraschenden Ergebnissen. Statt vier konnten letztendlich drei Wettbewerbe in den italienischen Dolomiten ausgetragen werden, bei denen die Siege an Dominique Gisin, Kathrin Zettel und Jessica Lindell-Vikarby gingen. Dennoch hieß die große Gewinnerin Lindsey Vonn.

Gemischte Gefühle nach Termin-Wirrwarr
Ursprünglich sollten eine Abfahrt, ein Super-G und ein Riesenslalom in Cortina d’Ampezzo absolviert werden. Dann wurde zusätzlich die ausgefallene Abfahrt von Lake Louise (CAN) nach Italien verlegt. Die beiden Trainings vor der ersten Abfahrt fielen aber Neuschnee und Nebel zum Opfer, sodass zunächst der Super-G gestrichen wurde, um weitere Trainingsmöglichkeiten zu erhalten. Als dann aufgrund des Wetters immer noch kein Training möglich war, musste eine Abfahrt ersatzlos aus dem Weltcup-Kalender gestrichen werden. Die eigentliche Abfahrt von Cortina gab es dann nur in verkürzter Fassung, da nicht auf der gesamten Tofana-Piste trainiert werden konnte. Der Super-G wurde kurzerhand auf den Montag verlegt. Bei diesem Termin-Wirrwarr kann man durchaus verstehen, dass manche Athleten nach dem ersten Rennen nicht wussten, was sie davon halten sollten: "Ich bin nicht zufrieden, aber auch nicht zufrieden. Mir würde es helfen, wenn wir mehr Trainings hätten. Aber man sich darauf einstellen", sagte Maria Riesch nach ihrem fünften Platz in der Abfahrt.

Cortina als Omen für den Rest der Saison
Das Fazit der Deutschen wird allerdings nach dem kompletten Weltcup in Italien negativ ausfallen, denn nach Platz fünf in der Abfahrt schied die 24-Jährige in Riesenslalom und Super-G zweimal nach einem Fahrfehler aus. Kein gutes Omen für den Rest der Saison? Im vergangenen Jahr legte Riesch ausgerechnet in Cortina, auch an einem Montag, mit ihrem ersten Saisonsieg den Grundstein zum Gewinn der kleinen Kristallkugel im Super-G. Da auch Anja Pärson in Cortina nicht über einen dritten und 18. Platz hinauskam, liegt Riesch im Gesamtweltcup immer noch auf dem zweiten Rang.

104 Punkte Vorsprung für Vonn
Nutznießerin des schlechten Abschneidens der beiden war Lindsey Vonn. Die US-Amerikanerin baute ihren Vorsprung im Gesamtweltcup auf 104 Punkte aus. Und das, obwohl die 24-Jährige auch nur die Plätze zwei, zehn und acht erreichte. "Ich bin etwas enttäuscht. Ich wollte in Cortina wirklich gewinnen. Ich bin glücklich, die Führung behalten und sie sogar ausgebaut zu haben", sagte Vonn nach den Rennen. Nach ihrer verkorksten Fahrt im Super-G fügte sie hinzu: "Ich habe Punkte gewonnen. Am Ende sind wir glücklich. Es war ein verrücktes Rennen."

Auf den Schultern einer zweifachen Weltcup-Gesamtsiegerin
Eben dieses entschied Jessica Lindell-Vikarby für sich. Die Schwedin stand zuvor erst einmal auf dem Weltcuppodium und profitierten im Super-G davon, dass die Favoritinnen alle Fehler machten. So auch Maria Riesch und ihre Landsfrau Anja Pärson, die exakt an der gleichen Stelle aus dem Rennen rutschten. Dennoch freute sich Schwedens Nummer eins über den Sieg ihrer jüngeren Teamkollegin. Nach dem Rennen wartete Pärson zusammen mit Lindell-Vikarby in der Leaderbox auf das Rennende. Bei der Siegerehrung vergaß die zweifache Weltcup-Gesamtsiegerin sogar, dass sie sich in der Abfahrt einen Meniskus gequetscht hatte. Pärson schulterte die 24-Jährige und trug sie zum Podest.



Dreifach-Triumph und Desaster für ÖSV
Im Riesenslalom standen dort drei Österreicherinnen. Kathrin Zettel gewann in Cortina bereits den dritten Wettbewerb in dieser Disziplin in diesem Winter und avanciert so zur Favoritin für die WM. Zudem war der Triumph von Zettel, Michaela Kirchgasser und Elisabeth Görgl Balsam auf die geschundene ÖSV-Seele. In der Abfahrt hatte es ein Desaster gegeben. Ingrid Rumpfhuber war in der Königsdisziplin als Zwölfte die beste ÖSV-Dame. Zuletzt mussten die Österreicherinnen ein solches Debakel im Dezember 1994 in Lake Louise miterleben, als Alexandra Meissnitzer als 16. die Bestplatzierteste war. Renate Götschl schied damals genauso aus wie in diesem Jahr. Anders als im vergangenen Winter scheint bei der ehemaligen Speed-Queen der nötige Biss zu fehlen. Zwar hat sie sich zumindest in der Abfahrt schon für die WM qualifiziert, aber ihr bestes Resultat ist ein neunter Rang. Im Super-G müsste sie in Garmisch-Partenkirchen noch einmal in die Top 15 fahren, um auch dort die Norm geschafft zu haben. Ob sie es packt und ob Cortina für Maria Riesch ein Omen für die restliche Saison war, wird sich ab Freitag (30.01.) zeigen, wenn beim Big Event im WM-Ort von 2011 Damen und Herren den letzten WM-Test 2009 absolvieren.