Vor dem Slalom auf dem Ganslernhang in Kitzbühel sprach sportnet.at mit Reinfried Herbst über den Hang zu schnellen Kursen, Hermann Maier und seine ÖSV-Teamkollegen.

Sportnet.at:Nach deinem zweifachen Doppelsieg mit Manfred Pranger in Adelboden und Wengen hast du gesagt: In Kitz gewinne wieder ich! Abgesehen von der reinen Abwechslung an der Spitze: Warum gewinnt Reinfried Herbst auf dem Ganslern?
Reinfried Herbst: Normalerweise gibt es im Slalom unglaublich viele Sieganwärter. Aber in Kitzbühel sind es vielleicht doch weniger, überhaupt wenn es schwierige Bedingungen gibt. Ich bin in Kitzbühel schon Zweiter gewesen, habe hier mein erstes Podest gemacht - in dem selben Jahr, in dem ich aus dem Kader geflogen war. Ich bin mein allererstes Weltcuprennen hier gefahren - da gibt es schon einen großen Bezug! Ich freue mich unheimlich, dass das Rennen wieder auf dem Ganslernhang ist. Ich habe bis jetzt noch kein Österreich-Rennen gewonnen. Ich hab jetzt einen Lauf - also das wäre schon was!

Frage: Wie bekommt man als Slalomfahrer den Kitz-Rummel mit?
Reinfried: Wir Slalomfahrer wohnen ja ein bisschen außerhalb. Bis auf die Termine, die wir haben, ist es also nicht so stressig wie für die Abfahrer. Aber der Skisport lebt von den und für die Fans, das merken wir auch am Sonntag sehr gut!

Frage: Und die Maier-Mania?
Reinfried: Der Hermann ist unberechenbar. Wart auf den Super-G! Seine schlechteste Platzierung dort war Zweiter. Ich vergönn ihm alles! Auch, dass er in Val d’Isere noch einmal Weltmeister wird. Er gibt sicher alles. Natürlich kann ich auch in seinen Körper nicht hineinschauen.

Frage: Wie hast du das Abfahrtsdebakel in Wengen mitbekommen?
Reinfried: Ich war da gerade in Adelboden beim Training. Man leidet natürlich schon mit. Speziell der Krölli tut mir leid. Da bricht eine kleine Welt zusammen - du bist in Topform, tust dir weh, willst das wegblenden, aber es geht nicht!

Frage: Hat das euch Slalomfahrer zusätzlich motiviert?
Reinfried: Das spielt keine Rolle. Natürlich sind wir jetzt kompakter, aber Ausfälle können trotzdem passieren, eingefädelt ist gleich. Da ist man nie gefeit.



Frage: Wobei: Wird Einfädeln nicht immer seltener?
Reinfried: Das hat vielleicht mit der vermehrten Innenlage zu tun - da passieren mehr andere Fehler.

Frage: Wenn man das Spiel mit den abwechselnden Siegen von Pranger und Herbst fortsetzt, wird Manfred Pranger Weltmeister. Stört dich das gar nicht?
Reinfried: So weit hab ich noch gar nicht gerechnet - Kruzifix! Da muss ich den Manni in Garmisch gewinnen lassen!

Frage: Aber vielleicht kommt euch ja Mario Matt dazwischen. Er sagt, dass er im Training immer vorn ist. Stimmt das?
Reinfried: Wir trainieren nicht immer miteinander und Manfred Pranger fährt selten auf Zeit. Sagen wir so: Er ist immer bei den Schnellsten. Serienbestzeiten würde ich nicht sehen. Er muss jetzt Geduld aufbringen.

Frage: Auf den Slalom-Siegerbildern der letzten Rennen waren eindeutig mehr „gestandene Mannsbilder“ als Fliegengewichte. Ein Grange schwächelt, einen Byggmark würfelt es runter etc. Zufall?
Reinfried: Kein Zufall! Aber es geht um etwas anderes: Sehr, sehr wichtig ist eine gute und stabile Grundtechnik. Und sie wird immer wichtiger, je länger die Saison dauert und je schwerer die Hänge sind. Natürlich kann man mit Hasardieren immer wieder einmal etwas gewinnen, aber für konstante Topresultate braucht man Erfahrung und solide Grundtechnik. Und das ist bei dem einen oder anderen vielleicht nicht ganz so vorhanden.

Frage: Wie siehst du vor diesem Hintergrund Marcel Hirscher?
Reinfried: Marcel ist ein Bewegungstalent und scheut das Risiko nicht. Da könnte ich mir manchmal was abschauen. Was er oft zu viel riskiert, riskier’ ich zu wenig. Es ist unfassbar, ihm zuzuschauen - auch für uns! Ich würde da wahrscheinlich jedes Mal am Kreuz liegen. Der ist gut und der ist eine Ausnahme von dem, was ich vorher gesagt habe.

Frage: Wie viel schneller geht es noch im Slalom?
Reinfried: Da muss man einmal sehr kritisch über die Kurssetzungen reden. Es gibt eine Tendenz, immer gerader und schneller zu setzen. Aber unser Ursprung sind Kurven! Wir haben die Carvingski ja, um Kurven zu fahren - und das vergessen viele Trainer mittlerweile!

Frage: Deshalb das Lob etwa auch von Ivica Kostelic für die Setzung des 2. Durchgangs in Wengen von Rainer Gstrein?
Reinfried: Ja, klar. Der Steilhang in Adelboden im 1. Durchgang war dagegen so auf Bolzen gesetzt, dass du dort ja nicht einfädeln darfst - sonst überschlägt es dich drei Mal.

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