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Der Januar hat es bei den Herren im alpinen Ski-Weltcup in sich. Ein Klassiker jagt den nächsten. Nachdem in Wengen (SUI) gerade die längste Weltcup-Abfahrt die Oberschenkel zum Brennen brachte, brauchen die Herren in Kitzbühel jede Menge Mut für die legendäre Streif. Direkt nach dem Start geht es steil in die Mausefalle. Nach dieser ersten Mutprobe warten Sprünge von 50 bis 80 Metern auf die Skirennläufer, dann die Gleitstücke Brückenschuss und Gschöss. Auch die Alte Schneise und zum Finale die Hausbergkante verlangen den Athleten alles ab.

Abfahrtssieg in Kitzbühel als gutes Omen?
Diese Kriterien warten bei der sechsten Abfahrt der Saison. Bisher gab es keinen überragenden Athleten in diesem Winter, denn die Spitze im Abfahrtsweltcup liegt immer noch dicht beisammen. In Führung liegt Michael Walchhofer, der erst 230 Punkte auf seinem Konto hat. Das entspricht einem Sieg, einem zweiten und einem vierten Rang und zwei Ausfällen oder wie bei Walchhofer einmal Erster, Dritter, Fünfter, 13. und 26. Zum Vergleich: Didier Cuche hatte auf seinem Weg zur kleinen Kristallkugel im vergangenen Winter nach der Abfahrt von Wengen noch keinen Sieg, aber schon 284 Punkte auf seinem Konto. Der Schweizer feierte seinen ersten Saisonsieg dann auf der Streif. Michael Walchhofer zeigte bereits im ersten Training mit der Bestzeit, dass mit ihm zu rechnen ist. Der Österreicher könnte also mit einem Sieg bei den 69. Hahnenkamm-Rennen den Grundstein für den Gewinn der kleinen Kristallkugel legen.

Miller will ersten Hahnenkamm-Sieg
Für Didier Cuche lief die Abfahrtssaison noch gar nicht: kein Podestplatz und nur Rang 14 mit 109 Punkten im Weltcup. Wenn er schon nicht seinen Disziplin-Weltcupsieg wiederholen kann, so will der 34-Jährige doch zumindest seinen Kitz-Titel verteidigen. Dabei hat er es mit vielen hungrigen Konkurrenten zu tun. Bode Miller konnte auf der Streif noch nie gewinnen - zumindest keinen einzelnen Wettbewerb, denn er wurde schon zweimal als Hahnenkamm-Champ in der klassischen Kombination aus Slalom und Abfahrt gekürt. Der US-Amerikaner, der vor Wochenfrist in Wengen den Hattrick knapp verpasste, dürstet nach einem Weltcupsieg. Den feierte in Wengen erst Didier Defago. Der schweizerische Überraschungssieger aus Wengen kommt daher mit viel Selbstvertrauen nach Kitzbühel und will auch dort seine gute Form beweisen. Klaus Kröll liegt bisher im Abfahrtsweltcup hinter Walchhofer und Miller auf Rang drei. Beim Österreicher muss man aber abwarten, wie er mit der Manschette um seine gebrochene Hand zurecht kommt. Im ersten Training funktionierte es mit Rang sieben schon gut. Zum weiteren Favoritenkreis zählen Aksel Lund Svindal (NOR), Erik Guay (CAN) und Marco Büchel (LIE).

"Mach es noch einmal, Hermann!"
Bevor das Abfahrtsspektakel am Samstag losgeht, wird am Freitag schon der Kitz-Sieger im Super-G gesucht. Dabei steht ein Mann ganz besonders im Mittelpunkt: Hermann Maier! Der Flachauer hat eine ganz bestimmt Beziehung zur Streif. In sieben Super-G-Rennen wurde er zweimal nur Zweiter und sage und schreibe fünfmal Erster. In diesem Winter hat der Herminator mit seinem Sieg in Lake Louise (CAN) schon gezeigt, dass er immer noch ganz vorne mitfahren kann. Zudem trägt er nach drei Wettbewerben das rote Trikot. So skandieren die österreichischen Fans an der Streif: "Mach es noch einmal, Hermann!"

Macartney kehrt nicht nach Kitzbühel zurück
Dennoch werden die anderen Super-G-Fahrer den Sieg Maier nicht aufgrund der Historie schenken. Sein ärgster Verfolger im Disziplin-Wetcup ist Didier Defago, der seine Form aus der Abfahrt nur mit in den etwas technischeren Super-G nehmen muss. Aksel Lund Svindal und John Kucera (CAN) lauern dahinter. Aber auch ein Marco Sullivan ist zu beachten. Sein amerikanischer Mannschaftskollege Scott Macartney, der nach seinem Sturz in Kitzbühel im Koma lag, kann in diesem Winter nicht auf die Streif zurückkehren. In Wengen verletzte er sich das linke Knie am Russi-Sprung und flog zu einer genaueren Diagnose zurück in die USA: "Wenn du zurückkommen willst, musst du alles geben. Und das habe ich getan. Ich brauchte großes Vertrauen und großen Glauben, dahin zurückzukommen, wo ich im vergangenen Winter war. Ich musste hart arbeiten, physisch und mental. Und ich war zurück", sagte Macartney, für den nach dem erneuten Ausfall auch die WM gelaufen ist.



Wer dringt in die österreichische Slalom-Phalanx ein?
Zum Abschluss der 69. Hahnenkamm-Rennen gibt es einen Slalom. Zur Freude aller Techniker auch wieder auf dem Ganslern-Hang. "Ich freu mich riesig auf diesen Weltcup-Klassiker, besonders weil wir der Slalom wieder auf dem Ganslern-Hang gefahren wird. Ich mag das Gelände sehr gern", ist Felix Neureuther trotz seines Ausfalls in Wengen zuversichtlich. Im vergangenen Jahr wurde der Partenkirchener Sechster. Den Sieg sicherte sich Jean-Baptiste Grange, der auch in diesem Jahr das Maß der Dinge ist. Zweiter wurde Jens Byggmark. Der Schwede hat in diesem Winter erst drei Resultate stehen und sucht weiter seine Form. Die Österreicher überzeugten in Adelboden (SUI) und Wengen gleich in breiter Masse. Manfred Pranger, Reinfried Herbst, Benjamin Raich, Marcel Hirscher und Mario Matt darf man daher auch vor heimischem Publikum vorne erwarten. Diese Phalanx wollen Ivica Kostelic (CRO) und Manfred Mölgg (ITA) durchbrechen.

Kombi-Sieg geht nur über Miller
Kitzbühel ist der einzige Weltcup, bei dem es noch einen Kombinationssieger aus Spezialabfahrt und Spezialslalom gibt. Auch Kostelic gehört hier zu den Favoriten. Sollte Miller aber im Slalom durchkommen, ist er aufgrund seiner Abfahrerqualitäten aber der Mann, den es hier zu schlagen gilt. Benni Raich macht sich hier auch Hoffnungen auf einen Erfolg. Wie es ausgeht, könnt ihr natürlich aktuell im ski2b-Liveticker miterleben.

Das Programm der 69. Hahnenkamm-Rennen:
23.01.2009, Freitag
11.30 Uhr Super-G
24.01.2009, Samstag
11.30 Uhr Abfahrt
25.01.2009, Sonntag
10.15 Uhr 1. Durchgang Slalom
13.15 Uhr 2. Durchgang Slalom