Es waren die 79. Lauberhornrennen und wieder präsentierte sich das verschlafene Bergdorf Wengen als Highlight im alpinen Ski-Weltcup. An drei Tagen strömten über 55.000 Zuschauer zu den drei Rennen, die aufgrund von zwei schweizerischen Siegen zu einem Schweizer Volksfest wurden.

Erster Heimsieg seit 2003
Dabei waren es nicht die Swiss-Ski-Athleten, denen man es zugetraut hatte, sondern zwei andere, die für die beiden Heimsiege in Wengen sorgten. Zunächst stürmte Senkrechtstarter Carlo Janka in der Super-Kombination zu seinem zweiten Saison- und Weltcupsieg. Es war nicht der favorisierte Daniel Albrecht, der im Kombi-Finale mit seiner Leistung einmal mehr das Dilemma der Schweizer im Stangenwald unterstrich. In der legendären Abfahrt warteten die Eidgenossen bereits seit 2003 auf einen Heimsieg. Damals war es Bruno Kernen, mittlerweile Kamerafahrer des Schweizer Fernsehens und Namensgeber des ehemaligen Brüggli-S, der die über vier Kilometer lange Strecke am schnellsten herunterfuhr. Nach zwei zweiten Plätzen in den beiden vergangenen Jahren, rechneten alle mit einem Triumph von Didier Cuche - auch weil er in den Trainings überzeugte. Dann war es aber Didier Defago, der schon im Ziel wusste, dass ihm eine sehr gute Fahrt gelungen war. Der 31-Jährige hatte vorher erst einen Super-G im Weltcup gewinnen können und brannte eine Zeit in den harten Schnee des Lauberhorns, die kein anderer mehr erreichen sollte.

Ein verpasster Hattrick und der zehnte Nuller der Saison
Auch nicht Bode Miller. Der US-Amerikaner hatte in Wengen die Abfahrt 2007 und 2008 gewonnen und wollte mit dem Hattrick zurück in die Erfolgsspur. Dies gelang ihm mit dem zweiten Rang nicht ganz, denn nach der verkorksten Super-Kombination schloss er die Lauberhornrennen mit seinem zehnten Saisonnuller im 20. Rennen (achtmal ausgeschieden, einmal disqualifiziert und einmal außerhalb der Top 30). "Ich habe gezeigt, dass ich auf diesem Kurs gewinnen kann, aber dieses Jahr war es mit nur zwei Trainingsläufen hart. In den beiden vergangenen Jahren habe ich das letzte Training wirklich effektiv genutzt. Dort haben wir die Ski abgestimmt", suchte er nach Gründen für das Verpassen der Bestzeit. Zu seiner Saisonbilanz fügte Miller an: "Ich bin über die fehlenden Resultate weniger beunruhigt als andere. Es ist immer frustrierend, wenn du gut Ski fährst. Ich bin die ganze Saison gut Ski gefahren außer vielleicht im Riesenslalom. Es gibt kein Resultat, über das ich reden muss." Dennoch ist es bemerkenswert, dass der 31-Jährige ausgerechnet in der WM-Saison nicht in Fahrt kommt. Nach seinem überragenden Winter mit dem Gesamtweltcupsieg 2007/2008 fehlt Miller wie vor zwei Jahren die nötige Konstanz. Dort blieb er am Ende in Are (SWE) bei der WM ohne Medaille.

Österreicher: Slalom Top - Abfahrt Flop
Ohne Medaille könnten in der Abfahrt auch die österreichischen Herren von der WM im Februar nach Hause kommen. Auf dem Lauberhorn gab es ein historisches Desaster. Nach 15 Jahren erreichte erstmals wieder kein ÖSV-Fahrer die Top 15. Zwar haben die Österreicher aufgrund der zahlreichen Verletzungen genug Ausreden, diese zählen aber im Alpenland kaum, denn es gibt immer genügen Athleten, die die Lücke schließen können - oder auch nicht! Ohne Andreas Buder, Hans Grugger und Mario Scheiber, dazu ein angeschlagener Hermann Maier und Klaus Kröll. Dennoch gab es mit Georg Streitberger, am Ende bester ÖSVler als 18., und Michael Walchhofer mindestens zwei Speed-Experten, die vorne hätten hereinfahren können. Über dieses Flop konnte auch das Top-Resultat im Slalom nicht hinwegtäuschen. Dort feierten Manfred Pranger und Reinfried Herbst nach Adelboden (SUI) ihren zweiten Doppelsieg innerhalb von einer Woche. Dieses Mal aber mit vertauschten Rollen, denn anders als in Adelboden stand nun Pranger ganz oben. Marcel Hirscher auf Rang vier und Benjamin Raich als Fünfter komplettierten das gute Abschneiden im Stangenwald und lassen beim ÖSV Hoffnungen auf den totalen WM-Triumph zu, denn dort haben sie dank Weltmeister Mario Matt, in Wengen im ersten Durchgang ausgeschieden, fünf Startplätze.



Nur Kepplers Resultat auf der Habenseite
Bei den Deutschen sieht das Fazit nach den 79. Lauberhornrennen durchwachsen aus. Lichtblick war der 24. Platz von Stephan Keppler in der Abfahrt, wobei er sogar Größen wie Hermann Maier und Michael Walchhofer hinter sich ließ. Auch die Leistung von Hannes Wagner in der Super-Kombination bis kurz vor das Ziel zeigen, dass im DSV-Herrenteam durchaus Potenzial vorhanden ist. Betrachtet man allerdings die nackten Zahlen, sieht es nicht rosig aus. Denn dann steht nur Kepplers Ergebnis nach drei Rennen zu Buche. Im Slalom schieden alle drei Starter aus: Wagner und Stefan Kogler im ersten, Felix Neureuther, der im ersten Durchgang nicht mit dem erhofften Selbstvertrauen nach seinem dritten Rang von Adelboden zu Werke ging, im zweiten Durchgang.

Goldener Januar für Defago?
Nach dem Klassiker in Wengen geht es nun im österreichischen Kitzbühel gleich mit dem nächsten Traditionsrennen weiter. Wenn die Weisheit stimmt, dass die Form aus Wengen als Indiz für die restliche Saison gilt, hat Didier Defago noch viel zu lachen, die Deutschen eher weniger. Im Slalom hieße das, dass wir österreichische Festspiele sähen. Bevor es zum Big Event nach Garmisch-Partenkirchen geht, wird uns Kitzbühel zeigen, ob die Weisheit stimmt.