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Eigentlich freuen wir uns alle auf die Olympischen Winterspiele 2010. Vancouver im Westen Kanadas ist ohne Zweifel ein toller Ort für das Großereignis. Weltoffen, modern und sehr reizvoll gelegen ist die Stadt ein würdiger Gastgeber, keine Frage. Auch die Art und Weise, wie das Organisationskomitee VANOC die Spiele in Szene setzen will, gefällt. In enger Anlehnung an die Kultur der Region und in großer Verbundenheit mit der Natur wird Olympia 2010 inszeniert, es sollen Spiele mit Herz werden. Die große Vorfreude der Fans lässt sich auch am Run auf die Karten der Sportereignisse ablesen. An Fans sollte es nicht mangeln in British Columbia.

Aber VANOC und Vancouver fehlt Geld, und das nicht zu knapp. Ein Kredit in Höhe einer knappen halben Milliarde Euro ist nötig, um das Projekt Athletendorf noch abschließen zu können. Das sind Kosten, auf denen die Bürger von Vancouver womöglich sitzenbleiben werden, wie ihr Bürgermeister zähneknirschend zugab. Auch die Schuldfrage lässt sich nicht leicht beantworten, denn wer hätte die globale Finanzkrise vorhersehen und den Verfall der Immobilienpreise prognostizieren sollen? Und dennoch, das Geld fehlt und weckt Erinnerungen an den finanziellen Gau der Spiele von Montreal 1976. Damals musste die Bürger noch über Jahrzehnte mit Steuermitteln für die Spiele bezahlen. Und das steht den Bürgern von Vancouver nun auch bevor.

Die Stimmung ist angespannt. Beim Testlauf der nordischen Sportarten fanden die Sportler und ihre Teams nicht immer perfekte Verhältnisse vor. Es wurde gespart, nicht geklotzt. Der neue Kredit hätte eigentlich mit einer Volksabstimmung genehmigt werden müssen, nun wurde kurzerhand die Charta der Stadt geändert, um dieses Szenario zu umgehen. Kaum vorstellbar ist schließlich, was passiert wäre, wenn die verantwortlichen Steuerzahler Vancouvers sich gegen die Bereitstellung der Mittel gestellt hätten. Das ganze Projekt Olympia wäre dann in Gefahr geraten, denn die Staatsregierung in Ottawa will das Finanzloch ebenfalls nicht decken. So müssen die Bürger Vancouvers nun zahlen, ob sie nun wollen oder nicht. Welche Folgen diese Ausgangsbasis für die Stimmung während der Spiele hat, sei dahingestellt.

Immerhin, 2014 müssen wir solche Kostenspiele nicht fürchten. Sotschi in Russland ist ein nationales Prestigeprojekt, dass sich nicht an Kriterien wie Rentabilität oder Wirtschaftlichkeit messen lassen muss. Ob sich daraus auch Spiele mit Herz machen lassen, bleibt noch offen. Wir können nur hoffen, dass es vielleicht 2018 wieder ein Winterfest geben kann, bei dem das Herz und die Finanzierung gleichermaßen am rechten Fleck sitzen. Vielleicht funktioniert das ja in München!