Am 15. März 1998 endete eine Ski-Weltcup-Saison, die es aus deutscher Sicht so schnell nicht wieder geben sollte. Katja Seizinger saß als letzte DSV-Dame auf dem Thron des Gesamtweltcups und gewann zudem die kleinen Kristallkugeln in Abfahrt und Super-G. Martina Ertl sicherte sich den ersten Platz im Riesenslalom-Weltcup und Hilde Gerg war inoffiziell die Beste in der Kombination. Nun hat Maria Riesch knapp elf Jahre danach die Chance, die dritte deutsche Weltcup-Gesamtsiegerin zu werden. Außer Katja Seizinger, die 1998 und 1996 die große Kristallkugel in Empfang nehmen konnte, schaffte nur Rosi Mittermaier 1976 den ganz großen Coup.

19. Platz zum Saisonstart
In ihrer letzten Saison startete Katja Seizinger mit einem 19. Platz im Parallel-Slalom im französischen Tignes in die Saison. Den ersten Super-G des Winters in Mammoth Mountain (USA) beendete die beste DSV-Skirennläuferin aller Zeiten gleich ganz oben auf dem Podium. Eine Woche später legte sie mit zwei Abfahrtssiegen in Lake Louise (CAN) den Grundstein für den Gewinn des anderen Speed-Weltcups. Auch bei der dritten Abfahrt und bei den nächsten beiden Super-G-Rennen fuhr Seizinger die Idealpunktzahl 100 ein.



Acht Siege und fünf Podestplatzierungen
In den drei weiteren Abfahrten erreichte Katja Seizinger nur in Cortina d’Ampezzo (ITA) nicht das Podium. In Altenmarkt (AUT) wurde die damals 25-Jährige Zweite und zum Abschluss des Winters siegte sie noch einmal im schwedischen Are. Im Super-G fiel ihre Bilanz nicht ganz so gut aus. Nach den ersten drei Rennen musste sich Seizinger mit Rang fünf begnügen. In Cortina schied die dreifache Olympiasiegerin dann zunächst aus, bevor sie an gleicher Stelle den vierten Triumph im Super-G feiern konnte und damit wie in der Abfahrt die Disziplinwertung souverän gewann. Seizinger dominierte den Speed-Bereich mit acht Siegen in zwölf Rennen. Dazu kamen noch fünf weitere Podestplatzierungen, von denen Seizinger jeweils zwei im Riesenslalom und in der Kombination erreichte. Am Ende der Saison verbuchte Katja Seizinger insgesamt 1.655 Punkte auf ihrem Konto und verwies ihre Teamkolleginnen Martina Ertl und Hilde Gerg auf die Plätze, sodass es einen bisher einmaligen deutschen Dreifachtriumph gab.

Keine Frau für das Rampenlicht
Dabei hatte Seizinger nicht nur deshalb so viele Fans, weil sie so erfolgreich war, wie keine andere vor und bisher auch nach ihr. Ihre Art war zurückhaltend, wie Steffi Graf zog sie sich weitestgehend aus der Öffentlichkeit zurück und hielt ihr Privatleben zurück. So schnell, wie sie an die Spitze preschte, so schnell verschwand sie wieder von der Weltcup-Bühne. Nur neun Jahre lebte sie mit dem alpinen Weltcup. 1999 war dann mit einer Verletzung die sportliche Laufbahn vorbei. Und seitdem warten die deutschen Skifans auf eine Nachfolgerin für Katja Seizinger.

Drei Siege in 13 Rennen
Ein Dreifachtriumph wie 1998 ist für die deutschen Damen nicht wiederholbar, aber mit Maria Riesch hat erstmals nach Katja Seizinger wieder eine DSV-Pilotin die Möglichkeit, den Gesamtweltcup zu gewinnen. Nach 13 von 35 Rennen hat die Partenkirchenerin mit 607 Punkten die Spitze im Gesamtweltcup übernommen. 77 Punkte liegt sie derzeit vor Titelverteidigerin Lindsey Vonn (USA) und 73 vor der Finnin Tanja Poutiainen. Drei Rennen hat Riesch gewonnen - alle im Slalom. Wenn Riesch ihre Form hält und weiterhin in allen Disziplinen fleißig punktet, kann sie in die Skispuren Seizingers fahren und zur dritten deutschen Gesamtweltcupsiegerin werden. Und außerdem steht auch noch die WM auf dem Fahrplan. Sicher wird auch Katja Seizinger von daheim die Rennen mit Maria Riesch verfolgen und ihr viel Glück wünschen.