© FIS Ski World Cup Gardena Gröden
Beim Weltcup-Klassiker in Gröden hat sich die Ski-Geschichte wiederholt. Michael Walchhofer glitt mit seiner schleichenden Fahrweise auf der Saslong auf und davon und gewann wie im Vorjahr. Den Super-G sicherte sich der Italiener Werner Heel.

Erster italienischer Sieg seit 2001
Bevor der Abfahrtsklassiker am Samstag ausgetragen wurde, stand am Freitag für die alpinen Herren noch ein Super-G an. Dieser Wettbewerb wurde dann zum Startnummernrennen, denn böiger Wind ließ den Favoriten keine Chance. So legte Werner Heel als dritter Athlet, der auf die Piste ging, eine Zeit vor, die keiner der nachfolgenden Athleten mehr unterbieten konnte. So durfte sich der Italiener über seinen zweiten Weltcup-Sieg freuen. Auch für die Ski-Fans in Gröden war der Erfolg eines Lokalmatadors ein Jubelgrund, denn seit Kristian Ghedina 2001 gab es keinen Heimsieg mehr auf der schwierigen Saslong.

Järbyn dreht die Altersschraube weiter
Mit Heel schafften der Schweizer Didier Defago und Patrik Järbyn aus Schweden den Sprung auf das Podium. Järbyn, der kurz nach dem Ende dieser Saison seinen 40. Geburtstag feiert, erhöhte damit seine eigene Bestmarke. In der Saison 2006/2007 erreichte der Schwede im Alter von 37 Jahren und acht Monaten den dritten Rang. Zwei Jahre später schraubte Järbyn der skandinavische Altmeister die Marke nun auf 39 Jahre und neun Monate.

Einjährige Durststrecke der Österreicher beendet
Auch der nächste Tag sorgte für Statistik. Nach 371 Tagen wurde die sieglose Zeit Österreichs in der Königsdisziplin des alpinen Rennsports beendet. Sieger am Anfang und am Ende dieser Durststrecke war Michael Walchhofer, beides Mal in der Abfahrt von Gröden. Dabei spielte er seine Gleiterqualitäten, die auf der verkürzten Saslong im oberen Bereich ein mitentscheidendes Kriterium waren, voll aus. Auch von den Kamelbuckeln und den welligen Ciaslat-Wiesen ließ er sich nicht zurückwerfen. Von der einstigen Dominanz der Österreicher in der schnellsten Disziplin ist aber weiter nichts zu sehen. Klaus Kröll schaffte als Sechster immerhin noch den Sprung in die Top Ten. Romas Baumann und Hermann Maier waren dahinter die besten ÖSV-Athleten auf den Rängen 16 und 17.



Amerikaner mit starker Vorstellung
Wer die nächste Macht in der Abfahrt werden könnte, beantwortet ein Blick auf die Ergebnisliste. Vier US-Amerikaner platzierten sich in den Top Ten, zwei weitere fuhren in die Punkteränge. Bode Miller kehrte nach zuletzt schwächeren Ergebnissen in die Erfolgsspur zurück und wurde nach einer ansprechenden Leistung Zweiter. Marco Sullivan wurde Vierter und beschrieb sein Glücksgefühl folgendermaßen: "Im Ziel zu stehen und einen Teamkollegen nach dem anderen vorne ankommen zu sehen, ist super. Im Zielraum gab es eine Menge Energie und Aufregung mit den Trainern. Es war einfach ein guter Tag!" Erik Fisher fuhr in Gröden sein bestes Karriereergebnis ein. Er raste mit Startnummer 52 noch auf den siebten Rang. Steven Nyman (9.), TJ Lanning (10.) und Scott Macartney (15.) unterstrichen das hervorragende Resultat des US-Skiteams. Auch die Kanadier präsentieren sich in ausgezeichneter Verfassung, sodass die Top Ten fast ausschließlich in nordamerikanischer Hand waren. Manuel Osborne-Paradis erreichte zum vierten Mal das Weltcup-Podium und Erik Guay wurde Fünfter.

DSV-Herren enttäuschen
Die deutschen Herren können von solchen Ergebnissen nur träumen. Vor vier Kahren sorgte Max Rauffer auf der Saslong für den letzten deutschen Triumph in einem Speed-Rennen im Ski-Weltcup. In diesem Jahr schied Stephan Keppler aus und auch die Strodl-Brüder Peter und Andreas wussten nicht zu überzeugen. So blieb es dem Debütanten Hannes Wagner vorbehalten, das beste Ergebnis einzufahren. Der 22-Jährige vom SV Hindelang verpasste zwar als 37. auch die Top 30, konnte aber als Einziger annähernd gefallen. Die nächste Möglichkeit, sich in besserer Verfassung zu präsentieren, haben die DSV-Herren kurz nach Weihnachten. Am 28. Dezember steht in Bormio (ITA) gleich der nächste Abfahrtsklassiker auf dem Rennprogramm.