Julia Mancuso tourt während des Ski-Weltcups wieder mit einem Bus durch Europa. Im Sommer 2008 hat die 24-Jährige einiges erlebt. Darunter litt auch teilweise ihre Vorbereitung auf die neue Saison. Im ski2b-Interview erklärt die US-Amerikanerin, welchen Antrieb sie hatte, auf den Kilimandscharo zu klettern, und wie die Luft bei den Olympischen Sommerspielen in Peking war.

ski2b.com: Hi Julia, du hattest eine sehr spezielle Vorbereitungszeit in diesem Sommer. Erst bist du für Charity-Zwecke auf den Kilimandscharo geklettert. Was steckte dahinter?
Julia Mancuso: Ja, meine Freunde und ich haben es genossen, etwas im Rampenlicht der Medien zu stehen. Ich fand, es war eine großartige Gelegenheit, etwas Licht auf einen Anlass zu werfen, der uns allen Vier, Chemmy, Lauren, Mark und mir lieb und teuer ist: Verarmten Kindern in unterentwickelten Ländern zu zeigen, wie Sport und Spiel zu einem besseren Leben verhelfen können. 'Right to Play' ist eine Organisation, die Equipment und Personen bereitstellt, um armen Kindern genau das beizubringen. Dank der Besteigung des Kilimandscharo waren wir in der Lage, jede Menge Platz in der Presse zu bekommen sowie 30.000 US-Dollar durch Spenden und eine Charity-Auktion aufzubringen. Während unseres Besuches im tansanischen "Right to Play"-Camp konnten wir aus erster Hand sehen, was für einen hervorragenden Job diese Organisation und ihre Helfer machen. Wir waren alle glücklich, dass wir helfen konnten.

ski2b: Dann warst du in Peking - welches war die größere Erfahrung?
Julia: Die Erfahrungen waren total verschieden - Peking und Kili. Ich meine, der Kilimandscharo war eine harte physische Aufgabe und eine echte Prüfung. Peking war gut... Ok, von einem zum anderen Ort durch den Smog von Peking zu laufen, war ebenso mühsam und auch ein bisschen heftig. Aber man bekam den Eindruck, dass Peking mehr eine luxuriöse Angelegenheit und 'Kili' ein harter, zermürbender Marathon der Schmerzen war. Das waren zwei sehr unterschiedliche Erfahrungen und ich betrachte es als ein Privileg, an beiden teilgenommen zu haben.

ski2b: Du bist immer noch in erster Linie eine Weltklasse-Skifahrerin, warst du in der Lage im Sommer genug Anstrengung ins Training zu stecken?
Julia: Manchmal im Leben bieten sich Möglichkeiten, die man nutzen muss. Meine Sommerabenteuer möchte ich gegen nichts eintauschen. Vielleicht war mein Sommertraining nicht so gründlich, wie es hätte sein können, wenn ich solche Sachen nicht unternommen hätte, aber es war trotzdem jedes Bisschen wert. Außerdem besteht für mich kein Zweifel daran, dass auf den Kilimandscharo zu klettern in dieser superdünnen Luft ein gutes Höhenausdauertraining ist.



ski2b: Warum ist Surfen ein gutes Training für einen alpinen Skirennläufer?
Julia: Erfolgreich und anmutig surfen beansprucht die gesamte Körpermuskulatur. Alles muss zusammen arbeiten, um in einen "Flow" zu kommen. Mein Skifahrstil ist ähnlich... Einige Skirennläufer bauen auf große Kraft, ich setze mehr auf Finesse und eben diesen "Flow". Außerdem ist Surfen eine der Aktivitäten, die dich "in den Moment" versetzen. Dein Geist ist nur auf eine Sache fokussiert und das - in dieser verrückten Multitasking-Welt - ist eine höchst heilige Sache. Diese Aufmerksamkeit ist ein Gewinn für das Skifahren.

ski2b: Der Weltcup begann in Österreich. 17. in Söldens Riesenslalom - das Resultat ist kaum befriedigend. Was lief falsch?
Julia: Ja, keine Ausreden. Da sind eine Menge hungrige Girls in Top-Form da draußen, die anderen in den Hintern treten. Ich hatte am Ende einen Fehler und habe meine "Ski-Beine" noch nicht gefunden (ich habe immer noch "Meer-Beine").

ski2b: Du hast Levi ausgelassen, sowie du 2007 den Slalom auf der Reiteralm nicht gefahren bist. Warum?
Julia: Da kommt zuwenig für mich herum. Meine Energie und Zeit waren besser eingesetzt, indem ich etwas für meine Hüfte getan habe, die noch einige Kraft benötigte.

ski2b: Warst du überrascht, Lindsey den ersten Slalom gewinnen zu sehen?
Julia: Gar nicht! Lindsey ist eine engagierte und talentierte Skirennläuferin. Sie punktet in allen Disziplinen und nichts, was sie tut, überrascht mich. Es ist schön zu sehen, dass harte Arbeit belohnt wird und es besteht gar kein Zweifel daran, dass ihre Zeit gekommen ist.

ski2b: Wie bist du mit deinem Abschneiden in Aspen und Lake Louise zufrieden?
Julia: Na ja, in Aspen bin ich auf Rang sieben ins Ziel gekommen. Top Ten ist hervorragend! In Lake Louise bin ich 47. und dann 22. geworden - das war weniger hervorragend. Aber das Universum geht mysteriöse Wege und ich kann das Schicksal nicht beeinflussen. Ich habe beschlossen, es so zu nehmen wie es kommt und folge dem Ruf des Tages.

ski2b: Wie kommst du mit den neuen Rossignol-Ski klar?
Julia: Letztes Jahr hatte ich mit dem Wechsel der Skianforderung und der neuen Platte zu kämpfen. So sehr, dass ich nach dem Saisonende noch zwei Extrawochen mit dem Rossignol-Team zum Testen verbracht habe. Das hat sich total ausgezahlt, weil ich definitiv den Unterschied fühle und Vertrauen in meine Bretter zurückgewonnen habe. Gutes Material!

ski2b: Nach den Rennen in Aspen und Lake Louise wirst du in Europa mit einem Tourbus lange durch die Alpen reisen. Das ist ein absolut anderes Leben als das auf Maui. Wirst du ohne Wellen nicht manchmal verrückt?
Julia: (Lacht) Haha - Verrückt? Nicht wirklich. Eine passionierte Sehnsucht von Zeit zu Zeit... vielleicht. Nein, ich will immer das tun, was ich liebe und ich liebe, was ich tue. Wenn ich also mit meinen Freunden durch Europa toure und Skirennen fahre, dann ist das genau das, was ich tun will. Wenn mir das keinen Spaß mehr macht, seht ihr mich nicht mehr auf der Rennpiste sondern nur noch in den Wellen. So einfach ist das. Willst du immer noch mit mir reden, wenn das passiert?

ski2b: Wir würden dich jedenfalls vermissen. Danke Julia - und viel Glück in Europa!