Der Speed-Auftakt der Herren in Lake Louise hätte unterschiedlicher nicht sein können. In der Abfahrt wurden aufgrund der Wetterverhältnisse die Außenseiter begünstigt, im Super-G zeigte sich dann, dass "die Legende immer noch lebt".

Fill bedankt sich für Glaube und Unterstützung
Den Auftakt der Speed-Saison machten in den kanadischen Rocky Mountains die Abfahrer. Nach drei Trainingssitzungen schien es so, als ob es an der Spitze nicht viel Neues geben würde. Bode Miller schwang sich mit zwei Bestzeiten zum Top-Favorit auf, aber dann kam alles ganz anders. Aufgrund der Wetterverhältnisse profitierten die Athleten mit einer niedrigen Startnummer, da die Bedingungen für die Top-Fahrer schlechter wurden. Als Zehnter übernahm Peter Fill zunächst die Führung. Für den Italiener kein unbekanntes Gefühl, denn in den vergangenen beiden Jahren schnupperte Fill mit sieben Podiumsplatzierungen häufiger an seinem ersten Sieg. Dennoch kam dieser nach einer schwierigen Saison 2007/2008 in Lake Louise etwas überraschend. Daher waren Fills Worte nach seinem ersten Weltcupsieg auch nicht verwunderlich: "Mit diesem Sieg möchte ich allen danken, die schon immer an mich geglaubt haben. Die Unterstützung aller war notwendig, um heute ganz oben zu stehen."

Titelverteidiger bleibt ohne Punkte
Dass Fills erster Sieg vor allem aufgrund der widrigen Verhältnisse zustande kam, danach fragt letztendlich niemand mehr. Alleine die Tatsache, dass der beste Abfahrer der vergangenen Saison Didier Cuche als 32. keine Punkte einfuhr, spricht dennoch Bände. Neben Fill profitierten auch Carlo Janka und Hans Olsson. Der Schweizer Janka hätte es mit Startnummer 65 unter Sonnenschein am Ende des Rennens beinahe fertig gebracht, Fill noch vom obersten Treppchen zu stoßen, als er bis auf acht Hundertstel an die Bestzeit herankam. Für ihn und den Schweden Olsson war die Podiumsplatzierung das bisherige Karriere-Highlight.



Maier nach drei Jahren wieder top
Wenn einer in seinem Leben Berge versetzen könnte, dann ist das wohl Hermann Maier. Der Österreicher, der in seiner langen und einzigartigen Karriere schon viele Höhen und Tiefen erlebt hat, stieg in Lake Louise wie Phönix aus der Asche. Eigentlich wollte der 'Herminator' die Rennen in Kanada aufgrund einer Rückenverletzung eventuell sogar auslassen, sodass wohl niemand so recht mit ihm gerechnet hätte. Sein letzter Sieg datierte vom 28. Januar 2006 in Garmisch-Partenkirchen, lag also schon fast drei Jahre zurück. "Damit habe ich mein Saisonziel erreicht, denn ich wollte unbedingt noch einmal gewinnen", vermeldet der Flachauer auf seiner Homepage.

54. Weltcupsieg mit riesigem Vorsprung
Vor allem die Art und Weise, wie Maiers Sieg zustande kam, lässt vermuten, dass er in diesem Winter noch für den ein oder anderen Coup zu haben ist. Bei seinem 54. Weltcuptriumph distanzierte er Lokalmatador John Kucera auf Rang zwei um sechs Zehntel. Marco Sullivan, der nach einer "enttäuschenden Abfahrt" noch etwas reißen wollte und dies mit Rang fünf im Super-G schaffte, brachte es anschließend auf den Punkt: "Hermann Maier war beeindruckend. Ihn ganz oben auf dem Podium zu sehen war wirklich cool. Es ist gut zu wissen, dass die Legende immer noch lebendig ist."

Strodl zweimal in den Punkten
Auch aus deutscher Sicht war der Speed-Auftakt ein Erfolg. In der Abfahrt fuhren drei der vier DSV-Athleten in die Top 30 - allerdings auch begünstigt durch die Wetterverhältnisse. Peter Strodl schaffte es sogar zweimal in Lake Louise in die Punkteränge. Nach Rang 22 in der Abfahrt, zeigte er auch im Super-G mit dem 28. Platz, dass er durchaus ein konstanter Top-30-Kandidat ist. Sein Bruder Andreas erreichte ebenso die Punkteränge wie Stephan Keppler, der im Gegensatz zu Strodl im Super-G nicht an das gute Resultat der Abfahrt anknüpfen konnte, auch wenn er vorher auf mehr gehofft hatte: "Alles in allem bin ich nach meiner Kreuzbandverletzung und dem damit entstandenen Trainingsrückstand mit dem 27. Platz sehr zufrieden. Ich hoffe, wenn die Form wieder voll da ist, geht noch mehr in Richtung Top Ten." Die nächste Chance sich zu beweisen, haben die Herren schon in dieser Woche. Dann stehen ab Donnerstag die Rennen in Beaver Creek (USA) an.