Völkl-Rennsportleiter Heinz Pitzer hat mit seinem Team hart gearbeitet, um vor dem ersten Rennen in Sölden den Titel als beste Damen-Skimarke im Weltcup verteidigen zu können. Bei Ski2b spricht er über den Kader, die technischen Veränderungen und seine Erwartungen an den Opener.

Ski2b.com: Hallo Heinz, was beschäftigt dich als Völkl-Rennsportleiter wenige Wochen vor dem Saisonbeginn?
Heinz Pitzer: Derzeit bin ich sehr viel auf den Gletschern unterwegs, speziell in Sölden wo fast alle Teams beim Training sind. Natürlich nützen die Athleten die Chance, um vorab noch mal den Rennhang zu testen, der für kurze Zeit geöffnet ist. Auch wir nützen die perfekten Bedingungen um noch die ein oder andere Abstimmung am Material zu testen.

Ski2b: Was testet ihr jetzt noch? Sind das eher kleine Details?
Heinz: Wir versuchen zusammen mit dem Athleten noch die perfekte Abstimmung fürs Rennen zu finden. Hiefür werden noch diverse Plattentests, Einstellung der Schuhe und Montagepunkte der Bindungen gemacht.

Ski2b: In Sölden muss jetzt ja auch die Stimmung steigen. Die Stars fiebern dem Start entgegen. Ist es für euch wertvoll, diese Situation nutzen zu können?
Heinz: Auf alle Fälle. Die Läufer können es ja kaum mehr erwarten, nach dem monatelangen Training. Uns geht es eigentlich ähnlich, wir haben ja auch den ganzen Frühling, Sommer, Herbst, die ganze Zeit eben darauf hingearbeitet - und Sölden ist für uns ein echter Maßstab.

Ski2b: Auch für euch ist es der erste Härtetest, ob das, wir ihr gemacht habt, auch funktioniert - welche Neuerungen gibt es bei Völkl im Vergleich zum Vorjahr?
Heinz: Wir haben heuer keine FIS-bedingte Änderung machen müssen, aber man feilt an den Taillierungen herum, man probiert diverse Aufbauten, die Entwicklung bleibt ja nie stehen, auch wenn nichts Gravierendes ansteht.



Ski2b: Ihr habt zwei sportlich sehr erfolgreiche Jahre hinter euch, seit im FIS Brand Ranking die Nummer eins bei den Damen. Warum klappt das auch 2008/2009?
Heinz: Also erst einmal haben wir wieder ein starkes Damen-Team, mit einer Niki Hosp und einer Britt Janyk. Wir sind in allen Disziplinen sehr gut aufgestellt und haben jeweils Sieganwärterinnen. Ich glaube, das ist ein Grund, weshalb wir diesen Titel vielleicht wieder verteidigen können. Man weiß aber nie, wie es läuft.

Ski2b: Du sprichst Niki Hosp an, sie hat bei euch jüngst verlängert - ist das ein Zeichen, dass es bei euch gut läuft?
Heinz: Absolut - die Niki hat bei uns über drei Jahre verlängert, das zeigt, dass sie als Person zu uns ein riesiges Vertrauen hat, zu ihrem Servicemann und eben auch mit dem Material sehr zufrieden ist.

Ski2b: Wie wichtig ist Nikis Arbeit für die Entwicklung der Skier? Wieviel Input gibt sie euch zum Beispiel zur Frage der Taillierungen?
Heinz: Sehr viel. Durch die Tatsache, dass unsere Athleten über Monate auf dem Schnee unterwegs sind, entwickeln sie natürlich ein ungeheures Gefühl an Präzision. Niki ist in diesem Fall das Bindeglied zwischen Athlet und Skikonstrukteur.

Ski2b: Neben Hosp hat auch Tanja Poutiainen bei Völkl verlängert, eine weitere Sieganwärterin. Kommen von zwei technischen Top-Fahrerinnen ganz unterschiedliche Rückmeldungen zurück?
Heinz: Es kommen schon verschiedene Aussagen zurück, da beide auch einen ganz unterschiedlichen Fahrstil haben. Daher fahren beide auch verschiedene Skier.

Ski2b: Die Damen-Mannschaft von Völkl spielt auf vielen Hochzeiten. Wer macht für dich im Speed derzeit den stärksten Eindruck?
Heinz: Nadia Styger und Martina Schild haben mich sehr positiv überrascht, die haben in Zermatt super trainiert. Maria Holaus sticht bei den Österreicherinnen auf alle Fälle heraus und bei den Kanadierinnen ist Britt Janyk absolut zu favorisieren. Ihre Kollegin Kelly Vanderbeek war zuletzt dagegen etwas verletzt. Sie hatte Knieprobleme, zwar nichts Gravierendes, aber sie war deshalb in Chile nicht dabei beim letzten Schneekurs.

Ski2b: Die Schneebedingungen waren ja insgesamt sehr gut, beinahe alle Mannschaften konnten unter optimalen Bedingungen trainieren. Hilft euch das auch weiter?
Heinz: Es hilft vor allem im Speed-Bereich. Die Österreicher waren in Neuseeland, da waren wirklich Top-Verhältnisse mit viel Schnee. Und im Speed-Bereich ist es enorm wichtig, dass die Skier bewegt werden, dass die einfach Kilometer machen. Jede Stunde, die der Ski auf dem Schnee ist, macht ihn schneller. Das war ein Vorteil.

Ski2b: Das gilt natürlich für alle, für alle Marken, alle Athleten. Wenn sich die Aktiven so gut fühlen, werden da nicht einige zwangsläufig auch ihr blaues Wunder erleben müssen beim ersten Rennen?
Heinz: Mittlerweile haben die Verbände ja gelernt, ein bisschen miteinander zu kooperieren. Es gibt immer interne Vergleiche. Ab und zu fährt mal ein Österreicher bei den Schweizern mit und umgekehrt. Absolute Überraschungen wird es nicht mehr geben.

Ski2b: Tina Weirather ist nach langer Verletzung wieder dabei. Wie geht sie ihr Comeback an?
Heinz: Tina hat sich ja leider im Frühling noch mal das Kreuzband gerissen. Das ist eine schwierige Situation, nachdem sie davor ja gerade beide Bänder kaputt hatte. Sie hat im Sommer Kondition trainiert. Jetzt am Anfang wird es schwer, da kann man noch nicht alles erwarten, aber Mitte des Winters wird sie sicher wieder stark kommen, weil sie ein Riesentalent ist.

Ski2b: Was traust du Nina Löseth zu?
Heinz: Nina hat mit ihrem österreichischen Trainer sehr gut gearbeitet und ist auf einem guten Wege, ich erwarte mir da schon einige Top 15-Platzierungen, vor allem im Slalom.

Ski2b: Bei den Herren ruhen eure Hoffnungen auf dem Slalom-Team. Was kann man erwarten?
Heinz: Ich war ja zuletzt ganz viel mit den Burschen unterwegs. Manfred Pranger macht mir einen sehr, sehr guten Eindruck, der hat seine Verletzung gut weggesteckt. Das hängt sicher damit zusammen, dass er so ein eiserner Trainierer ist und einfach Rennen gewinnen will. Cristian Deville ist auch auf einem sehr guten Level, er ist in Argentinien beim Trainingslager mit Mölgg und den anderen im gleichen Zeitrahmen gewesen, wobei er momentan noch kleine Knieprobleme hat.

Ski2b: Wie wichtig ist ein guter Start? Was erhoffst du dir in Sölden?
Heinz: Sölden ist ein Maßstab für die ganze Saison. Das Rennen ist eigentlich eines der schwersten überhaupt. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass diejenigen, die in Sölden ganz vorne sind, dann in der Mitte der Saison irgendwann ihre Probleme haben. Man muss sich seine Form über den ganzen Winter einteilen. Sölden ist in diesem Fall besonders wichtig, weil da jeder Zuschauer für den Wintersport begeistert wird. Sölden ist auch ein Publikumsmagnet. Aber es entscheidet sich hier noch nicht, wo man am Ende der Saison steht. Natürlich würde es uns alle freuen, wenn wir am Ende einen auf dem Stockerl haben würden.

Ski2b: Danke für deine Einschätzungen Heinz - und alles Gute in Sölden!