Wer sich auf die Suche nach den perfekten Olympischen Winterspielen macht, der würde von vielen zu befragenden Experten wohl eine Antwort bekommen: Lillehammer. 1994 traf man sich zu einem Sportfest in Norwegen und es blieb das schöne Gefühl, dass der Sport selten harmonischer und friedlicher die Athleten aus aller Herren Länder zusammengeführt hat.

Seit 1994 ist vieles anders geworden bei der Vergabe der Sommer- und Winterspiele. Der letzte Gastgeber war China - von dort blieb ein bitterer Nachgeschmack zurück. Jubelnde Fans auf Bestellung, Journalisten ohne Internetzugang, Fahrverbote, um die Luft wenigstens für ein paar Wochen atembar zu erhalten, ein IOC, dass vor dem nationalen OK kuschte und weltweite Proteste beim Fackellauf - all das bleibt neben dem Sport und dem Glanz der Eröffnungs- und Schlussfeiern hängen. Aktuell kommt dazu noch die Anklage der WADA wegen nicht eingehaltener Anti-Doping-Vorschriften. Und damit bleibt auch die Frage: Was hatte das eigentlich mit Olympia zu tun?

Ziel der Olympischen Bewegung ist es, zum Aufbau einer friedlichen und besseren Welt beizutragen und junge Menschen im Geiste von Freundschaft, Solidarität und Fair Play ohne jegliche Diskriminierung zu erziehen - so steht es auf den Seiten des Deutschen Olympischen Sportbundes. Und natürlich sollen die Spiele in allen Kontinenten stattfinden, sollen alle Kulturen und Religionen vereinen. Was zuletzt passierte, hatte jedoch mehr mit einer Zwangsdoktrin zu tun. Peking präsentierte sich der Welt auf seine Weise, von oben herab, ohne Widersprüche, glatt und perfekt wie eine Propagandamaschine.



2014 droht dem Geist von Olympia möglicherweise ähnliches Ungemach. Nicht die kompakte Bewerbung von Salzburg, nicht das gut durchdachte Konzept aus Korea erhielt den Zuschlag, sondern eine politisch subventionierte Bauzeichnung aus Sotschi. Russland steckt viel Geld und Prominenz in dieses Projekt und wird die Infrastruktur wohl problemlos ans Schwarze Meer bauen können. Aber ist das wirklich das Ziel der Winterspiele? Offenbar werden in Russland auch Fans aktiv kreiert - dazu dient unter anderem der Show-Slalom in Moskau im Januar 2009, bei dem nicht nur Slalom-Stars, sondern alle großen Namen des Sports erscheinen werden, um in Russland das neue Jahr zu begehen. Gewinnt der Sport so neue Anhänger - geht es wirklich so leicht?

In nunmehr fünfeinhalb Jahren sollen in Sotschi die Fans alpine Skifahrer bejubeln und auch mit den anderen olympischen Wintersportarten fiebern. Biathlon, Langlauf, Eisschnelllauf und Bobfahren. Ob sich derzeit wirklich viele der Schwarzmeerbewohner für den sportlichen Kern des Großereignisses interessieren, bleibt dahingestellt. Ob das kleine Lillehammer aktuell beim IOC überhaupt noch eine Chance hätte, die Welt zu sich einzuladen, wohl auch. Schade, Olympia! Vielleicht finden wir deinen Geist ja in Vancouver 2010 wieder.