Daniel Albrecht ist vielleicht einer der vielseitigsten Fahrer im Weltcup. Vor dem Opener in Sölden sprach Ski2b mit dem Schweizer über seine Vorbereitung und die Ziele für die kommende Saison.

Ski2b.com: Hallo Daniel, danke für deine Zeit. Wie fühlst du dich wenige Wochen vor dem Weltcup-Auftakt?
Daniel Albrecht: Im Moment steht das alltägliche Ski-Training im Mittelpunkt, dem Weltcup-Auftakt widme ich noch wenig Aufmerksamkeit. Nächste Woche wird sich dies allerdings ändern: Mit den ersten Trainings in Sölden steigt die innere Spannung merklich an. Die unmittelbare Nähe zum Austragungsort wirkt auf mich elektrisierend und aufputschend, da die lange und harte Vorbereitungszeit endlich vorbei ist und ich umsetzen kann, was ich im Sommer erarbeitet habe.

Ski2b: Wie war deine Vorbereitung? Bist du beschwerdefrei durch die Konditions- und Krafteinheiten gekommen?
Daniel: Die Vorbereitungen im Konditions- und Kraftbereich sowie die bisherigen Gletschertrainings verliefen ohne nennenswerte Zwischenfälle oder Verletzungen. Besonders freute mich, dass das Training unter Privattrainer Tom Jäger noch besser mit den offiziellen Swiss-Ski-Trainingseinheiten abgestimmt werden konnte.

Ski2b: Du hast mit deinen Mannschaftskollegen Berthod, Gini, Hoffmann, Viletta und Caviezel zum größten Teil auf der Lenzerheide trainiert. Welchen Wert hat es, sich als Einzelsportler in einer Gruppe vorzubereiten?
Daniel: Einerseits fällt es mir so bedeutend leichter, mich für den Trainingsalltag zu motivieren. Wir trainieren oft bis zu sechs Stunden täglich. Dies alleine zu tun wäre zermürbend und eintönig. Andererseits peilen wir alle die gleichen Ziele an: Wir lernen voneinander und unterstützen uns gegenseitig. Obwohl wir eigentlich alle Einzelsportler sind, liegt unserer Trainingsgruppe ein guter Teamgeist zu Grunde. Wir sind auch außerhalb der offiziellen Trainingseinheiten ein eingespieltes Team.


Ski2b: Ihr habt euer Trainingshauptquartier in einer Art Stall aufgeschlagen - was hat es damit auf sich?
Daniel: Unser Privattrainer Jäger hat diesen Stall in einen Kraftraum umgebaut. In dieser idyllischen Gegend können wir ungestört trainieren. Wer annimmt, dass unser Trainingsstall mit einem topmodernen Fitnesstempel vergleichbar ist, irrt. Ein zugiger Heuschober ist der passendere Vergleich. Obwohl der Stall für unsere Trainings-Bedürfnisse optimal eingerichtet ist, würde man vergeblich nach brandneuen Fitnessgeräten suchen. Die Funktionalität steht im Vordergrund.

Ski2b: Die grundlegenden Trainingsvariablen sind bei dir nach außen hin gleich geblieben - hast du inhaltlich etwas verändert?
Daniel: Abgesehen davon, dass wir erstmals zwei Konditionswochen in Südfrankreich eingebaut haben, hat sich wenig verändert. Und wenn dem doch so wäre, … Die Konkurrenz hört schließlich mit (lacht).

Ski2b: Euer Schneecamp fand erneut in Argentinien statt. Wie schätzt du danach deine Form ein? In welchen Disziplinen läuft es besser - wo hakt es noch?
Daniel: Meine Formkurve zeigt nach oben. Im Bereich Riesenslalom haben wir viel am Material und an der Abstimmung gearbeitet. Im Slalom läuft es definitiv besser als im letzten Winter. Zu den Speed-Disziplinen kann ich hingegen wenig sagen, da diese Trainingstage für unser Team eher spärlich ausgefallen sind. Eine Steigerung sollte jedoch erneut in allen Disziplinen möglich sein. Ob sich dies bewahrheitet, wird sich bald zeigen.

Ski2b: Wie weit bist du in der Materialabstimmung in Ushuaia bereits gekommen?
Daniel: In den technischen Disziplinen ist es mir gelungen, ein vielversprechendes Paket zusammenzustellen. Ich hoffe, dass ich vor dem Saisonstart auch im Speed-Bereich die richtige Abstimmung finde.

Ski2b: Werfen wir einen Blick zurück. In der letzten Saison warst du in Beaver Creek überragend und hast auch dazu noch einige sehr gute Ergebnisse eingefahren - allerdings fehlte die Konstanz, um über die Saison ganz vorne mitzufahren. Warum?
Daniel: In unserem Sport gibt es unzählige Variablen, die für eine perfekte Saison bestmöglich abgestimmt sein müssen. Das Zusammenspiel der Variablen ändert sich laufend. Schon eine einzige, aus dem Gleichgewicht geratene Unbekannte kann für die Inkonstanz verantwortlich sein. Dennoch bin ich mit der letzten Saison zufrieden. Die fünf Podest-Plätze belegen, dass ich vieles richtig mache. Allerdings gelingt es nur wenigen Ausnahme-Athleten, während der Saison konstant Top-Leistungen zu erbringen, beziehungsweise um den Gesamtweltcup mitzufahren. Nächsten Winter möchte ich auch zu dieser Gruppe gehören.

Ski2b: Welche Ziele setzt du dir für die kommende Weltcup-Saison?
Daniel: In diesem Winter steht für mich die WM in Val d`Isère im Mittelpunkt. Wenn ich im Vorfeld entsprechende Leistungen zeigen kann, sollte es in allen Disziplinen für einen Startplatz reichen. An einer WM ist Angriff die einzige Devise, egal in welchen Disziplinen ich starten werde. Zudem ist der Gewinn der großen Kugel, wie schon erwähnt, mein langfristiges Ziel.

Ski2b: Wirst du alle Rennen bestreiten, oder planst du gezielt Pausen ein?
Daniel: Wer sich im Gesamtweltcup etablieren will, sollte prinzipiell in allen Disziplinen zu den Besten gehören. Je nach Situation ist es aber durchaus möglich, dass ich einzelne Rennen nicht bestreite. Entscheiden werde ich mich spontan.

Ski2b: Stichwort WM: Liegt dir die technisch doch sehr anspruchsvolle Abfahrtsstrecke in Val d'Isere? Immerhin gibt es für dich einen Titel zu verteidigen!
Daniel: Ich freue mich sehr auf die WM, da mir bekanntlich technisch anspruchsvolle Pisten liegen. Deshalb ist es wichtig für mich, auch im Super-G und in der Abfahrt einen Startplatz zu ergattern.

Ski2b: Vielen Dank, Daniel - und alles Gute für die anstehende Saison!