Die Wahl des richtigen Camcorders ist zunächst für viele eine Frage des Preises. Tatsächlich gibt es inzwischen einige Geräte, die für wenig Geld eine gute Leistung anbieten. Letztlich kommt es natürlich darauf an, was sich der jeweilige Filmer für Ziele setzt. Einige Hobbyaufnahmen erfordern keine große Kamera, hier sind Mobilität und Preis entscheidend. Wenn auf Bild- und Tonqualität größerer Wert gelegt wird, weil die fertigen Aufnahmen auch großformatig vorgeführt werden sollen, ist ein teureres Equipment unumgänglich. Auf die wichtigsten Aspekte bei der Wahl der Kamera wird im Folgenden eingegangen.

Bildqualität, Größe und Preis
Drei Faktoren spielen bei der Auswahl des richtigen Camcorders eine übergeordnete Rolle. Zum einen ist die Auswahl in jedem Fall eine Preisfrage. Hier sollte man sich ein festes Limit setzen, um die eigenen Grenzen nicht zu überschreiten. Diese Limit gilt dabei natürlich nicht nur für den Camcorder. Je nach Ausgangssituation sind auch für den Schnittcomputer und das Zubehör noch Kosten einzuplanen. Bei der Wahl des Camcorders spielt zudem die Größe eine Rolle. Ist Mobilität Trumpf, werden kleine Geräte zur ersten Wahl. Ein gutes Beispiel für eine kleine, aber leistungsstarke Kamera, ist die sehr neue Xacti HD1A aus dem Hause Sanyo. Sie kann, kaum größer als ein Faust und nur 210 Gramm schwer, Bilder in High Definition (HD) Qualität aufzeichnen und verfügt neben einer zusätzlichen Fotokamera auch über eine eingebaute Videoeditierfunktion - einfache Schnitte sind also schon mit der Kamera selbst möglich.

Kleine Geräte sind dabei nicht zwangsläufig günstiger als größere. Die Miniaturisierung fordert hier ihren finanziellen Tribut. Auf der anderen Seite verfügen semiprofessionelle bis professionelle Aufnahmegeräte über eine gewisse Größe, da die hochwertige Optik und das Zubehör diesen Platz schlicht benötigen. Zudem ist es mit einem handgroßen Gerät schwieriger, eine wackelfreie Aufnahme zu bekommen, als mit einer größeren Kamera. Zwei populäre Beispiele für professionelle Mini-DV-Kameras sind die Modelle Sony VX-2000 oder die XL-1 S von Canon.
Für die Bildqualität ist die Anzahl der bildumwandelnden Chips (CCD) maßgeblich. Gängig sind Modelle mit drei oder einem CCD-Chip. Bei dreien wird das einfallende Licht in die drei Grundfarben rot, grün und blau aufgesplittet und dann auf je einen Chip gelenkt. Die einfachere Variante hat nur einen Chip, auf den dann alle Signale geleitet werden. Auch wenn nicht alle Einchipper schlechte Bilder produzieren, so ist der Dreichipper ihnen doch grundsätzlich in Bezug auf die Bildqualität überlegen. Man bezeichnet Camcorder ausgehend von ihrer CCD-Chip-Anzahl auch als Prosumer- (drei) und Consumer-Modelle.

Ausstattung: Viele Features zu beachten
Ein weiteres wichtiges Kaufkriterium ist der Komfort des Camcorders. Hierbei spielt die Erreichbarkeit der wichtigsten Bedienelemente eine Rolle. Vor allem bei kleinen Kameras sollte die Lage des Aufnahmeknopfes oder die Zoom-Funktion vor dem Kauf getestet werden, da hier der 'Platzmangel' am Gehäuse die Hersteller zu zum Teil wenig empfehlenswerten Lösungen inspiriert. Für die Bildqualität zeichnet neben der Anzahl der CCD-Chips vor allem das Objektiv verantwortlich - mit einer guten Optik kann ein Consumer-Modell hier auch gegenüber einem Prosumer-Camcorder deutlich aufholen. Leider wird das hochwertige Objektiv sich immer auch im Preis niederschlagen. Um die tatsächliche Qualität der aufgenommenen Bilder einer Kamera zu testen, kann man zunächst aufmerksam durch den Sucher blicken. Stärkere Verzerrungen an den Bildkanten zeugen von schlechteren Optiken. Je geringer diese Verzerrung, desto besser ist das Objektiv. Weitere relevante Daten zum Objektiv sind seine Lichtstärke und die Zoomfähigkeit. Lichtstarke Optiken können bei schlechteren Lichtverhältnissen immer noch gute Bilder aufnehmen. Die konkreten Werte werden von der Herstellern angegeben. 1:1,6 bis 1:2,8 (auch f/1,6 oder f/2,8) sind gute Werte. Je größer die letzte Zahl, desto schlechter ist die Lichtaufnahmefähigkeit. Auf den Zoom und seine Verwendung wurde schon im ersten Teil kurz eingegangen. An dieser Stelle sei daher nur gesagt, dass letztlich nur der optische Zoom eine Aussage über die Möglichkeiten des Objektivs macht - je mehr, desto besser!


Vorteil bei manuellen Einstellmöglichkeiten
Für Außenaufnahmen kann es sich als höchst sinnvoll erweisen, selbst Einfluss auf die Blende und die Verschlusszeiten zu nehmen. Letztere ist die Zeit, mit der jedes einzelne Videobild belichtet wird, gemessen in Sekundenteilen, wobei der Standard bei 1/50 Sekunde liegt. Bei der Blende stehen, wie bereits oben erwähnt, kleinere Werte für die größere Blende, das heißt für mehr Lichteinfall. Beide Werte gehen bei der Aufnahme eine reziproke Beziehung ein: Je mehr Blende, desto kürzer können die Verschlusszeiten gewählt werden, um die richtige Lichtmenge zu erhalten. Bei Sportaufnahmen sind die Motive oftmals dynamisch und schnell - um diese schnellen Ziele dennoch scharf einzufangen, sind kurze Belichtungszeiträume, also Verschlusszeiten, vorteilhaft und manchmal notwendig. Je nachdem, wie beim Dreh die Lichtverhältnisse sind, sollte das Verhältnis von Blende und Verschlusszeit dementsprechend gewählt werden. Dabei wird in der Regel nur ein Wert manuell verstellt, die Einstellung des anderen wird von der Kamera automatisch übernommen. Nicht bei allen Camcordern wird diese sehr nützliche Funktion allerdings angeboten.
Ein sehr wichtiges Einstellkriterium ist die Weißabgleichfunktion. Um bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen, zum Beispiel bei Tagesaufnahmen unter strahlendem Sonnenschein im Vergleich zu einem Indoordreh unter Halogenlicht, eine richtige Farbdarstellung zu gewährleisten, ist diese Funktion unumgänglich. Viele Camcorder bieten auch eine Automatik, die sich auf unterschiedliche Lichtverhältnisse einstellen kann. Die Folge von fehlendem oder fehlerhaftem Weißabgleich sind Aufnahmen die eine unerwünschte Färbung aufweisen. Aufnahmen bei Kunstlicht erscheinen bei einer Sonnenlicht-Voreinstellung beispielsweise grünlich.

Filter, Stabilisatoren, Display und Schnittstellen
Beim Filmen, gerade bei Sportveranstaltungen, sollte auf die Verwendung von Kunstfiltern verzichtet werden. Für mögliche künstlerische Abwandlungen ist der Videoschnitt besser geeignet. Zwei Features sind jedoch nützlich für bessere Aufnahmeergebnisse: Der ND-Filter verhindert zu helle Aufnahmen, wenn selbst die kleinste Blende noch zuviel Licht auf die Linsen lässt. Nützlich sind auch elektronische Bildstabilisatoren, die leichte Verwacklungen beim Filmen ohne Stativ ausgleichen können. Ein Stabilisator kann ein Stativ aber nicht ersetzen. Angenehm für den Filmer sind große Displays mit guter Auflösung, in denen sich die zu filmende Szene gut beobachten lässt. Allerdings sollte dieses nicht zum Hauptkriterium für den Kauf werden - gerade bei Außenaufnahmen ist das Bild oft besser über den Sucher zu erkennen, da die Lichteinstrahlung von außen die Darstellung auf dem Display beeinträchtigt. Schärfe und Farbe sind also durch den Sucher besser zu erkennen. Bei langen Aufnahmen darf auch nicht unbeachtet bleiben, dass die Displaynutzung auch den Stromverbrauch in die Höhe treibt und so den Akku schneller entleert. Ein letztes, aber ungleich wichtigeres Merkmal sind die vorhandenen Schnittstellen des Camcorders. In der Regel werden die meisten Camcorder einen Firewire-Ausgang (DV-Out) besitzen, von dem aus die Video- und Audiodaten ohne Verluste auf einen Computer überspielt werden können. Diese Schnittstelle wird auch als i-Link bezeichnet. Höherwertige Geräte weisen auch einen solchen Eingang (DV-In) auf. Damit lassen sich fertige Videos nach dem Schnitt zum Zwecke der Archivierung wieder auf die Mini-DV-Bänder aufspielen. Mit den gängigen Cinch-Anschlüssen lässt sich die Mehrzahl der Geräte direkt an einen Fernseher anschließen.

Diese Faktoren gilt es also bei der Wahl des richtigen Camcorders zu berücksichtigen. Wer sie in Bezug zum eigenen Anspruch an die filmerische Aktivität setzt, wird sicherlich einen geeignetes Gerät für seine Belange finden!