Die Aufteilung der Elemente in einem Bild kann entweder symmetrisch oder asymmetrisch erfolgen. Symmetrie sorgt oftmals für vergleichsweise langweilige Fotos, die sich eignen, um ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. Asymmetrien dagegen versprechen Dynamik und Spannung, sind also für den Sportfotografen erste Wahl. Eine ganz spezielle Bildaufteilung ist der "goldene Schnitt". Dabei werden die Seiten so unterteilt, dass sich das kürzere Stück zum längeren verhält wie das längere zur gesamten Seitenlänge. Eine genaue Berechnung dieser Zuteilung ist dabei in der Praxis nicht notwendig - die Tendenz ist entscheidend. Mit Linien und Diagonalen kann der Szene zusätzlich Festigkeit oder Dynamik zugewiesen werden. Dabei ist nicht an tatsächlich vorhandene Linien gedacht. Es reicht, verschiedene Punkte im Bild im Geiste miteinander zu verbinden. Dabei ist zu beachten, dass senkrechte Linien das Bild beschränken, aber nicht stabilisierend wirken. Ein dynamisches Bild mit Senkrechten ist kein Widerspruch. Waagerechten dagegen stehen für Stabilität. Auf einem gelungenen Sportfoto werden sie selten überwiegen. Diagonalen im Bild erzeugen immer einen Eindruck von Dynamik. Die Wahrnehmung des Betrachters weist Linien und Diagonalen unbewusst immer eine Richtung zu, die von links nach rechts verläuft. Der Einbau solcher Elemente wird beim fertigen Foto den Blick des Betrachters daher lenken: Senkrechten halten das Auge an, Waagerechten beschleunigen den Blick durch das Bild und Diagonalen katapultieren das sehende Auge quasi aus der Fotografie - dieser Wahrnehmungseffekte sollte sich ein Fotograf bedienen.

Elemente der Umgebung bewusst einbeziehen
Wer bewusst eine bestimmte Stimmung erzeugen möchte, kann bei der Wahl des Bildausschnitts auch optische Elemente hinzuziehen. Die Wahrnehmung des Betrachters ordnet automatisch Bildelemente zu Gruppen, die geometrischen Objekten entsprechen. Dabei werden diesen Figuren unterschiedliche Bedeutungen automatisch zugesprochen. Quadrate, rechteckige Formen oder Elemente mit stabiler Basis stehen für Stabilität und Festigkeit. Ein umgedrehtes Dreieck dagegen wirkt instabil, da es auf der Spitze zu stehen scheint. Die Erwartung des Betrachters geht dann automatisch davon aus, das dieses Element fallen wird. Nicht alle denkbaren Objekte werden gleichermaßen stark erwartet: Kreise, Ellipsen und Mehrecke erscheinen in der Natur seltener und wirken deshalb ungewöhnlich, sie sollten daher nicht übermäßig häufig vorkommen. Ein gutes Bild sollte zudem keine toten Bereiche aufweisen. Die Ecken der Bilder sind im negativen Fall Bereiche, in denen wenig bis nichts passiert - das kann auch für die Sportfotografie zutreffen, wenn nicht ein Athlet bildfüllend in Szene gesetzt wird. Bei Aufnahmen mit mehr Abstand ist es daher förderlich, Rahmenpunkte für die Bildränder zu finden, die das Foto abrunden und einen geschlossenen und gelungenen Eindruck erwecken.

Weitere wichtige Anmerkungen
Natürlich wird kein Anfänger alle diese Elemente bei der Standortwahl berücksichtigen können. Doch mit steigender Übung wird das Fotografenauge geschulter und schätzt die Szenen, die sich ihm bieten, besser ein. Es ist sicher einer der größten Unterschiede zwischen Hobbyfotografen und Profis, ein Bild mit seinen Elementen bauen zu können, und nicht einfach 'draufzuhalten'. Wer dazu noch die technischen Notwendigkeiten berücksichtigt, wird schnell zu guten Aufnahmen kommen können. In jedem Fall sollten Fotografen genügend Filme oder Speicherkarten mit sich führen, um nicht hier begrenzt zu werden. Genauso sind genügend Akkus für die Kamera Pflicht. Die technische Funktionsfähigkeit der Ausrüstung muss immer gewährleistet sein. Aber auch der Fotograf selber muss sich vorbereiten. Er hat es bei einer Outdoor-Veranstaltung vor allem mit dem Wetter zu tun. Ein Tag unter der prallen Sommersonne kann ihn ebenso fordern wie strömender Regen oder große Kälte. Deshalb gilt: Immer vorbereitet sein und auch mögliche Eventualitäten einkalkulieren. Bei Regen muss schließlich auch die Ausrüstung geschützt werden.

Mit diesen Tipps werden sicher einige gute Aufnahmen entstehen. Im fünften und letzten Teil dieses Specials widmen wir uns daher der Nachbearbeitung digitaler Bilder, ihrer Archivierung und Vermarktung.