Das Objektiv erfüllt für den Fotografen wichtige Funktionen. Es bestimmt, welcher Teil des Bildes scharf abgebildet wird. Außerdem bestimmt man mit den verschiedenen Objektiven auch über den Blickwinkel - entweder holt man weit entfernte Motive bildfüllend nach vorne, oder vergrößert mit Weitwinkelobjektiven und kurzer Brennweite den gewählten Ausschnitt. Ein Normalobjektiv gibt dagegen am ehesten den Blickwinkel des menschlichen Auges wieder. Im Folgenden soll ein kurzer Überblick über Bildwinkel und Brennweite der gängigsten Objektive gegeben werden.

Super-Tele
Mit einem Bildwinkel von nur zwei bis sechs Grad und einer Brennweite von 300 bis 1200 mm eignen sich Super-Teleobjektive gut für Sportaufnahmen, sowie für die Tierfotografie. Bei sehr langen Brennweiten ist oftmals ein Stativ notwendig, um wackelfreie Bilder zu schießen. Anstelle von Objektiven gibt es auch die Möglichkeit, die Brennweite mittels eines Konverters zu verändern. Diese Elemente haben einen Faktor (1,5 oder 2x sind gängig), um die die Brennweite des Objektivs verändert wird. Aus einem 70-210 mm Teleobjektiv wird beim Faktor 2x damit ein 140-420 mm Zoom.

Das Tele
Eine Teleobjektiv weist einen breiteren Bildwinkel (8 bis 35 Grad) und eine kürzere Brennweite (70 bis 300 mm) auf. Der abgebildete Ausschnitt ist größer als beim Super-Tele. Aber die Perspektive eignet sich sehr gut für Sportfotografen, denn entfernte Motive werden nah heran geholt. Mit einem Tele kann man bewusst Ausschnitte verändern, da sie den Eindruck erwecken, das Objekte näher aneinander stehen, als das in Wirklichkeit der Fall ist. Brennweiten über 150 mm heben bei Aufnahmen von Kopf und Schulter die Nase und andere Gesichtsmerkmale heraus. Daher gelten 80 bis 150 mm als ideal für Portraits, hierbei erscheinen Gesichtszüge ein wenig abgeflacht. Für Tele- und Super-Tele gilt: Je länger die Brennweite, desto schwerer ist es, die Kamera ruhig zu halten. Hier empfiehlt sich ein Stativ oder kurze Verschlusszeiten. Teleobjektive verfügen über eine geringe Tiefenschärfe.

Normalobjektiv
Klassische Normalobjektive verfügen über eine Brennweite von 35-70 mm. Sie stellen am ehesten das Blickfeld des menschlichen Auges dar. Allerdings werden diese Einstellungen in der Regel auch im niedrigen Bereich von Weitwinkel- und im längeren Bereich von Teleobjektiven übernommen, sodass ihre Bedeutung auf dem Markt schwindet.


Weitwinkel
Weitwinkelobjektive sind sehr gängig in der Fotografie, eignen sich allerdings kaum für Sportfotos. Die kurze Brennweite von 24-35 mm würde erfordern, sich mitten unter den Sportlern aufzuhalten - ein in der Praxis kaum denkbarer Vorgang. Für Landschaftsbilder eignen sie sich dagegen bei Bildwinkeln von 62 bis 84 Grad sehr gut. Während bei 35 mm noch kaum eine Verzerrung der Perspektive stattfindet, wird diese bei 28 bis 24 mm immer auffälliger. Auch für Weitwinkel kann man mit Konvertern arbeiten. So macht ein Faktor von 0,5 aus einem 35mm Objektiv einen 18 mm Super-Weitwinkel.

Super-Weitwinkel/Fischauge
Zwei weitere Typen von Objektiven sollen an dieser Stelle nicht ganz unerwähnt bleiben, obwohl sie in der Sportfotografie keine Verwendung finden. Super-Weitwinkel finden bei Landschaftsfotografen Verwendung. Sie sind zumeist nur mit Festbrennweite erhältlich, erlauben also keinen Zoom. Motive im Bildvordergrund werden betont, die Perspektive verzerrt, was als kreativer Effekt beabsichtigt wird. In engen Räumen ist dieses Objektiv erste Wahl. Fischaugen arbeiten mit einer ähnlichen Brennweite (14-18 mm), verzerren aber zusätzlich das Bild und krümmen es.

Die Lichtstärke
Bei der Wahl des Objektivs ist neben der Brennweite für den Fotografen vor allem die größte Blendenöffnung ein entscheidendes Kriterium, denn es bestimmt die Lichtstärke oder auch die Geschwindigkeit des Objektivs. Je größer die Blende sein kann, desto eher kann bei schlechteren Lichtverhältnissen noch ein gutes Bild geschossen werden, ohne auf einen lichtempfindlichen Film oder ein Stativ angewiesen zu sein. Denn bei wenig lichtstarken Objektiven braucht man längere Verschlusszeiten, um ein ähnlich gutes Ergebnis zu erreichen. Für einen professionellen Sportfotografen gehören 300 und 400 mm Teleobjektive mit eine Blende von F=2,8 zur Ausrüstung dazu. Lichtschwächere Tele-Objektive haben maximale Blenden von F=4 bis 5,6. Für die bessere Optik heißt das, dass nur ein Viertel der Verschlusszeit benötigt wird im Vergleich zum Standard - ein klarer Vorteil, um Bewegung und Dynamik festzuhalten.

Mehr zu den Themen Blende, Belichtung, Verschlusszeit und Weißabgleich gibt es im nächsten Teil des Sportfotografie-Specials. Dann geht es um die Bildgestaltung in der Praxis.