Während die Emotionen der Aktiven bei der heutigen Sportfotografie nicht mehr wegzudenken sind, hatten die Pioniere dieser Disziplin einen nüchternen und nahezu wissenschaftlichen Ansatz. Die ersten Versuche in diesem Gebiet waren Bewegungsstudien, die vor allem eine neutrale Sichtweise hatten. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann man, mit hochkomplizierten Apparaturen Bewegungsabläufe abzulichten. So bewies 1879 Eadweard Muybridge, dass Pferde beim Galopp für einen Moment mit keinem Bein den Boden berühren, also eine Flugphase erleben. Dazu hatte er zwölf Kameras zusammengeschlossen.

Ein Blick zurück
Die Chronofotografen der ersten Zeit versuchten also vor allem, Bewegungen in verschiedenen Phasen einzufrieren, um die einzelnen Momente für das menschliche Auge sichtbar zu machen. Sie erschufen Serienaufnahmen eines Bewegungsablaufes und waren somit auch Vorreiter für die Entwicklung der 'bewegten Bilder' des Kinofilms. Ottomar Anschütz war maßgeblich an der Erfindung des Schlitzverschlusses beteiligt und erreichte Belichtungszeiten von bis zu einer Tausendstelsekunde. Er hielt damit 1886 u.a. die 'Bewegungsstudie eines Ball werfenden Mannes' fest. Mit dem schnellen Fortschritt der Foto-Technologie änderte sich aber auch schon bald deren Verwendungszweck. Bereits in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts begaben sich die Fotografen auf die Suche nach möglichst spektakulären Motiven und schreckten auch vor Foto-Montagen z.B. von Fallschirmsprung-Abstürzen nicht zurück. Die Möglichkeit der Manipulation ergab zwangläufig die Notwendigkeit der Einführung einer Fotografie-Ethik. Das Verlangen nach Sportfotos ging einher mit der wachsenden Anzahl an Zeitungen und Magazinen mit sportlichem Hintergrund.


Bilder sind authentisch - Emotionen nicht immer
In der heutigen Zeit ist die Technik noch weiter vorangeschritten und die Fotoaufnahmen konkurrieren längst mit Live-Bildern des Fernsehens. Auch deshalb ist in der Sportfotografie der Bewegungsablauf nicht mehr das Zentrum, sondern die Emotion. Große Stars werden wieder und wieder neu inszeniert. Fotos sind ein unverzichtbarer Teil der Sportberichterstattung der modernen Medien, aber sie können nicht alleine stehen. Denn Bilder brauchen einen zugehörigen Text, um sie in den richtigen Kontext zu stellen. Sie sind eine Momentaufnahme, deren Umgebung sich dem Betrachter nicht zwangsläufig erschließt. Daher sind Sportfotos auch heute auf begleitende Texte angewiesen. Was sie jedoch besser als Texte vermögen, ist die Gefühlswelt der Sportler auf die Betrachter zu übertragen. Fotos erscheinen authentisch - auch wenn die abgebildete Situation nicht immer wahrhaftig sein muss. US-Sprintstar Florence Griffith-Joyner brachte sich selbst durch Glycerin am eigenen Finger zum Weinen, wenn sie einen Erfolg feiern konnte. Damit waren zwar ihre Tränen real, die Emotionen aber nicht.