Die Abfahrt in Garmisch Partenkirchen im Jahr 1994 wird für immer in trauriger Erinnerung bleiben. Mit Startnummer 32 steht die Österreicherin Ulrike „Ulli“ Maier an den Start.

Maier: Von den Fans geliebt
Sie gilt als einer der Favoritinnen auf den Sieg. Schon seit Jahren ist Maier eine der besten Skirennläuferinnen im Weltcup. Oft wurde sie von schweren Verletzungen zurückgeworfen. 1984 ein Wadenbeinbruch, 1987 ein Kreuzbandriss, 1990 ein Innenbandriss und 1992 ein Milzriss. Die Verletzungen stellten die talentierte Sportlerin auf eine harte Probe. Mehrmals sah es so aus, als sei ihre Karriere am Ende, aber immer wieder kam sie nach den Rückschlägen zurück auf die Piste. Durch diesen unbändigen Willen wurde Maier sehr beliebt bei allen Skisportfans.

Große Ziele für die letzte Saison
Ihre größten Erfolge feierte sie bei den Weltmeisterschaften im Super G in den Jahren 1989 und 1991. In Vail und in Saalbach-Hinterglemm fuhr sie die Goldmedaille ein. Erstaunlich zudem, dass sie bei der WM in Saalbach 1991 im dritten Monat schwanger war und nicht nur Gold im Super G, sondern auch Silber im Riesenslalom holte. Nach der Saison 1994 wollte Maier ihren Lebensgefährten Hubert Schweighofer heiraten und sich aus dem aktiven Skisport verabschieden. Das große Ziel, ihre Karriere mit einer weiteren goldenen Medaille bei Weltmeisterschaften zu beenden, konnte Maier nicht erreichen. Was 1994 in Garmisch Partenkirchen geschah, sollte alle Skisportfans betroffen machen.



Das Rennen von Garmisch
Auf der schwer zu befahrenen eisigen Piste fährt Maier ein gutes Rennen. Nach kleineren Fehlern und Rückstand zu Beginn, versucht sie, am Ende des Rennens noch Zeit herauszuholen. Fast im Ziel geschieht das Unfassbare. Ulrike Maier verkantet ihren rechten Ski und versucht, diesen wieder unter Kontrolle zu bringen. Erst seit kurzer Zeit werden im Weltcup stärker taillierte Skier gefahren, daher ist dieses Verkanten nicht außergewöhnlich. Der Ski verkantet jedoch ein weiteres Mal und Maier verliert das Gleichgewicht. Ein Sturz bei rund 120 Stundenkilometern ist unausweichlich.

Tragödie in Garmisch
Mit voller Wucht knallt Ulrike Maier rücklings gegen einen Zeitmessungspfeiler am Rande der Rennpiste. Der aus Holz bestehende Pfosten ist durch einen Schneekeil und einem Strohsack gesichert. Der Pfeiler bleibt jedoch standhaft und die erst 26-jährige Maier wird durch den heftigen Aufprall, bei dem über 400 Kilogramm auf ihren Körper und Kopf wirken, wieder zurück auf die Piste geschleudert. Dort bleibt sie regungslos liegen. Die Rennärzte sind umgehend bei Maier und stellen einen Halswirbelbruch fest. Auf schnellstem Wege wird die Gestürzte mit dem Rettungshubschrauber in die nahe liegende Unfallklinik Murnau geflogen. Dort können die behandelnden Ärzte nur noch den Tod der Athletin feststellen.

Der Tod hat ein gerichtliches Nachspiel
Die geschockten Zuschauer im Zielbereich und vor dem Fernseher stellten sich schnell die Frage, ob es nötig war, dass der Zeitmessungspfeiler an solch einer engen und gefährlichen Kurve hätte stehen müssen. Diese Frage stellte sich auch Maiers Lebensgefährte Hubert Schweighofer. Er klagte die beiden FIS-Verantwortlichen Kurt Hoch und Jan Tischhauser an. Sein Vorwurf: Wichtige Sicherheitsvorkehrungen seien nicht getroffen oder eingehalten worden. Für Schweighofer war klar: „Tatsache ist, die haben mir meine Lebensgefährtin genommen.“ Maier hinterließ nicht nur ihren Lebensgefährten sondern auch die gemeinsame, damals vierjährige Tochter Melanie. Hubert Schweighofer gab vor Gericht nicht nach. Erste Verhandlungstermine brachten nichts ein aber er blieb hartnäckig. Erst im Jahr 1996 einigte man sich auf einen Vergleich. Für Melanie wurde ein Fond von rund 600.000 Franken von der FIS zur Verfügung gestellt. Die Schuldfrage blieb nach dem Vergleich weitgehend offen - Lehren hat der Verband dennoch aus der Katastrophe gezogen. Die Zeitmessung erfolgt längst von hinter den Fangzäunen.
Mittlerweile ist Melanie erwachsen und Hubert Schweighofer glücklich verheiratet. Die Zeit heilt alle Wunden, sagt ein Sprichwort - doch die Erinnerung an Ulrike Maier wird bei den Ski-Fans wohl nicht verblassen.