Es ist der 13. Februar im Jahr 1998. Der Abfahrtslauf wird als eines der Highlights der Olympischen Winterspiele von Nagano eingehen. Wer ist der schnellste Skifahrer der Welt? Ein großes Augenmerk liegt auf dem jungen, unerfahrenen Rennfahrer Hermann Maier. In seinem zweiten Jahr als Weltcupfahrer zählt der Österreicher trotzdem schon zu den Favoriten auf olympisches Gold in der Abfahrt, Riesenslalom und seiner Paradedisziplin Super-G. Das erste Rennen der alpinen Sportler ist die Abfahrt.

Heftiger Sturz nach wenigen Sekunden
Bei perfekten Bedingungen sind die ersten drei Athleten über die Piste gerast. Nun steht Maier im Starthaus und blickt selbstbewusst, aber gespannt auf die Strecke hinaus. Der Startcountdown ist zu hören, Hermann beißt die Zähne zusammen und steht, um Schwung für den Start zu holen, fast senkrecht in der Luft. Er durchbricht den Startmechanismus und startet in sein Rennen. Es ist seine Chance, ein Ski-Heros zu werden. Eins - zwei - drei - viermal kräftig mit den Stöcken abgestoßen begibt sich Maier in die typische Abfahrerposition, um Geschwindigkeit aufzunehmen. Der erste Sprung nach sieben Sekunden ist eher als Hüpfer zu bezeichnen und fordert den talentierten Skifahrer nicht im Geringsten. Mit noch mehr Speed riskiert Maier in seiner eigenen Art die waghalsigste Linie, die an diesem Tag gefahren wird. Der zweite Sprung steht kurz bevor und Maier hebt ab. Doch jetzt wird klar, dass er sich in seiner mutigen Linienführung geirrt hat. Das Rudern mit den Armen kann ihm nicht mehr helfen. 80 Meter fliegt Maier durch die Luft. Wie eine Ewigkeit kommt es den Millionen Zuschauern an den Fernsehgeräten vor. Komplett verdreht landet er mit dem Kopf zuerst auf dem harten Schnee. Sowohl der erste als auch der zweite Sicherheitsfangzaun kann ihn nicht aufhalten.

Der magische Moment von Nagano 1998
Nach mehreren Überschlägen kommt Hermann Maier „sanft“ im Tiefschnee zum liegen. Die ganze Welt hält den Atem an und erwartet nun, dass der Athlet per Hubschrauber ins Tal gebracht werden muss, da die schlimmsten Verletzungen zu erwarten sind. Vor Ort denken viele Zuschauer, dass solch ein heftiger Sturz nicht zu überleben ist. Wer kann ihm jetzt helfen? Wann sind die Rettungskräfte vor Ort? Doch die Zuschauer erleben eine Überraschung. Hermann Maier steht einfach wieder auf.



„Wenn ich das überlebe, bin ich unsterblich!“
Dieser Mann ist nicht aufzuhalten. Maier steht auf, hält sich kurz den Arm und startet den Aufstieg Richtung Rennpiste. Ohne auch nur daran zu denken, sich nach diesem Sturz medizinisch versorgen zu lassen, fährt Maier auf Skiern langsam Richtung Ziel. Nach diesem unglaublichen Sturz, bei dem er sich eine Vielzahl von Prellungen und Blutergüssen zuzog, bekam er von den Medien den Namen „Herminator“ auferlegt. Diese Ableitung von seinem Landsmann Arnold Schwarzenegger, der in einigen Filmen den unzerstörbaren, nicht von dieser Welt kommenden, Terminator spielt, brachte Maier weltweiten Ruhm ein. Er selbst dachte sich währen des Sturzes: „Wenn ich das überlebe, bin ich unsterblich!“

Der Herminator wird zum Medaillenheld
Dieser Heldenstatus verfestigte sich, als Hermann Maier zwei Tage nach dem Sturz wieder am Start stand und die Goldmedaille im Super-G erkämpfte. Den Schmerzen trotzend gelang im weitere drei Tage später der Sieg im Riesenslalom. Durch diese Leistung wurde Hermann Maier zum Sportler der Olympische Spiele und alle, die diesen Sturz und die darauf folgenden Rennen gesehen haben, werden nie vergessen, welche fast unmenschliche Leistung der „Herminator“ vollbracht hat. Der 13. Februar 1998 geht als der Tag in die Skigeschichte ein, als der gute Rennfahrer Hermann Maier zum Superstar wurde.