Ski2b.com: Hallo Peter. Heute stehen bei uns Koordination und Beweglichkeit im Mittelpunkt. Gerade Koordinationsübungen haben viel mit Gleichgewicht zu tun. Warum wird dieser Bereich bei Skifahrern besonders geschult?
Peter Fill: Das ist derzeit auch so ein bisschen eine Mode. Ich mache aber auch viele Kraftübungen auf Gleichgewicht, weil das die Bänder und Knie stabilisieren hilft. Die müssen den Druck aushalten, der später auf sie zukommt.

Ski2b: Hilft ein gutes Gleichgewichtsgefühl bei Geländewechseln oder unterschiedlichen Schnee-Unterlagen?
Peter: Zum Teil ja, zum Teil aber auch nicht. Ein gutes Gleichgewicht bringt dir vor allem Stabilität in den Beinen, das darf man aber nicht mit dem Skigefühl verwechseln. Man muss den Ski vor allem laufen lassen können. Ich sag es mal so: In einer Situation bringt dir das Gleichgewichtstraining da einen Vorteil, in der zweiten hast du einen zu hohen Krafteinsatz, kantest zu hart und wirst damit langsamer.

Ski2b: Sind die koordinativ am besten geschulten Skifahrer zugleich auch gute Gleiter?
Peter: Das denke ich eher nicht. Man kann Gleiten zu einem gewissen Maß trainieren - auf Gleitstrecken eben. Aber einigen Fahrern ist das einfach angeboren. Ein Deneriaz oder Ghedina, die hatten das einfach. Ein Hudec ist ein toller Gleiter. Mit Koordinationstraining allein kannst du das nicht lernen.

Ski2b: Kommen wir zur Beweglichkeit. Dabei wird viel gedehnt, vielleicht auch Yoga gemacht. Wie ist es bei dir?
Peter: Ich dürfte das wohl nicht sagen, aber ich bin nicht so ein fleißiger Dehner. Ich bin dabei manchmal sogar eher faul. Aber im Sommertraining ist es schon wichtig, sich ausgiebig zu dehnen. Im Winter trifft das dann wieder nicht zu, da braucht man die Spannung in den Muskeln - und die würde beim Dehnen abnehmen.

Ski2b: Ist der Rumpf dabei besonders wichtig?
Peter: Ja schon, am meisten werden Beine und die Rückenpartie gedehnt.

Ski2b: Es gibt viele Sportarten, mit denen sich Beweglichkeit, Koordination und auch Schnelligkeit trainieren lassen - von Kampfsport über Surfen bis zum Einhockey. Was machst du gerne - und wo hast du schlechte Erfahrungen gemacht?
Peter: Ich bin schon ein richtiger Sportfreak. Ich mache alle Sportarten gerne. Ich gehe golfen, spiele Fußball und Eishockey, schwimme oder bin auch oft auf Inlinern unterwegs. Das trifft eigentlich auf die meisten Skifahrer zu. Im italienischen Team sind alle sportlich sehr vielseitig.

Ski2b: Braucht es diese sportliche Vielseitigkeit, um Top-Stars wie Bode Miller schlagen zu können? Der ist ja bekanntlich auch in vielen anderen Sportarten sehr begabt.
Peter: Ja, das glaube ich schon. Wenn man diese Möglichkeiten nicht hat, wird es schwer, sich in der Weltspitze durchzusetzen.

Ski2b: Einer der neuesten Trainings-Trends ist die Slackline. Wie sind deine Erfahrungen?
Peter: Ich mache relativ viel damit. Es ist ein super Ausgleich und bringt meines Erachtens auch viel.

Ski2b: Gerade bei Schnelligkeit und Koordination kann man in der Jugend gute Grundlagen legen. Wie war das bei dir - wann hast du angefangen?
Peter: In meiner Jugend wurde noch ganz anders trainiert. Da haben wir relativ wenig für die Fitness gemacht. Mit acht bis zehn Jahren gab es kein spezifisches Training. Wir sind meist rauf auf die Alm und haben von allem ein bisschen gemacht. Da blieben wir dann vier bis fünf Stunden, das hatte auch einen guten Effekt.

Ski2b: Welche Tipps hast du für alle Hobbysportler? Was ist unverzichtbar - was muss nicht sein?
Peter: Ich denke, jeder sollte sich etwas Zeit nehmen, um sich fit zu machen. Meine Freunde, die nur zum Hobby Ski laufen, brauchen die Fitness ja noch mehr als ich, um sich nicht zu verletzen. Ausdauer und ein bisschen Kraft, dass ist wichtig. Im Hobbybereich sind Beweglichkeit und Koordination sicher weniger relevant. Wenn ich im Schnee keine Kraft mehr habe, hilft mir alle Beweglichkeit nichts mehr.

Ski2b: Nimmt bei vielen Skisportlern Schnelligkeit und vor allem Koordination im Trainingsalltag einen zu kleinen Zeitanteil bzw. Ausdauer und Kraft einen zu großen ein? Ist nicht im koordinativen Bereich am meisten Verbesserungspotential, um die eigene Körperbeherrschung auf Skiern auf ein höheres Niveau zu bringen?
Peter: Ideal ist es, ganz viele verschiedene Übungen zu machen. Je mehr, desto besser, könnte man sagen. Aber jeder Athlet muss auch selber merken, wann er zuviel macht - es hilft nichts, etwas zu übertreiben. Man muss die perfekte Mischung finden.

Ski2b: Vielen Dank, Peter, für deine fachmännische Unterstützung!