Alexandra Grauvogl ist aktuelle Deutsche Meisterin im Ski Cross und hat mit ihrer Bronzemedaille bei der Ski Cross-WM 2007 für das erste Edelmetall der Ski Crosser überhaupt gesorgt. Im Interview mit Ski2b.com spricht Grauvogl über die letzte Saison und auch über die Zukunft der neuen olympischen Sportart.

Ski2b.com: Die letzte Saison liegt nun schon einige Monate hinter uns. Wie fällt dein Fazit im Nachhinein aus? Warst du mit deinen Leistungen zufrieden?
Alexandra Grauvogl: Die letzte Saison verlief sehr durchwachsen für mich. Ich konnte mich im Weltcup nicht konstant unter die besten Acht fahren, was mein Ziel war. Mit einem siebten und einen achten Platz kann ich nicht zufrieden sein. Der Gewinn meines dritten Deutschen Meistertitels am Grasgehren Ende März war dann aber ein versöhnlicher Abschluss.

Ski2b: Wie bereits erwähnt, konntest du im Weltcup nicht besser als Platz sieben abschneiden. Was waren die Gründe dafür?
Alex: Dafür gibt es wohl mehrere Gründe. Zum einen hatte ich die vergangene Saison seit dem ersten Weltcup in Les Contamines mit starken Schienbeinproblemen (Schuhrandprellung) zu kämpfen, weil ich im ersten Training an einem großen Kicker zu kurz gesprungen bin und voll auf dem flachen Table eingeschlagen bin. Die daraus resultierende Knochenhautentzündung bin ich über die komplette WC-Saison nicht mehr los geworden. Ohne die Unterstützung von Martin Auracher aus Elbach, der mit Physiotherapie und Kinesiologie immer wieder für Linderung der Beschwerden sorgte, hätte ich wohl kaum an den Wettkämpfen in der Schweiz und am WC-Finale in Bormio teilnehmen können. Gesundheitliches Pech hatte ich auch in Flaine, als mich ein grippaler Infekt erwischte, der mich auch noch am Kreischberg beeinträchtigte. Dennoch sollen das keine Ausreden fü eher mäßige Leistungen sein. Ein anderer Grund warum ich letzte Saison keine Top vier Ergebnisse erreicht habe, ist wohl in der Tatsache zu sehen, dass ich häufig schlechte Zeiten in den Qualifikationsläufen gefahren habe, was mir eine sehr ungünstige Ausgangsposition in den Heats bescherte. Das hat mich sehr gewurmt, weil ich oft keine direkten Fehler gemacht habe und nicht wusste, woran es lag.

Ski2b: Der Abschluss im März war dann aber mit dem Sieg bei der DM ein erfreulicher. Was hast du nach der Saison gemacht? Wann bist du wieder mit dem Training eingestiegen?
Alex: Nach der Saison habe ich erst mal meine Schienbeinprobleme auskuriert, bevor es dann zum ersten Skitest ins Kaunertal ging. Dann erfolgte Einstieg in das Sommertraining mit einer ersten leistungsdiagnostischen Untersuchung.


Ski2b: Nun seid ihr schon wieder voll in der Vorbereitung auf die neue Saison. Wo hast du die Schwerpunkte gesetzt bislang im Training?
Alex: Bisher stand vor allem die Verbesserung der Grundlagenausdauer im Mittelpunkt, also vor allem lange Einheiten auf dem Rennrad. Außerdem haben wir viel für eine saubere Technik beim Krafttraining getan, um nun mit höheren Gewichten arbeiten zu können.

Ski2b: Im nächsten Jahr stehen wieder Weltmeisterschaften für die Ski Crosser an. Spürst du nach dem Gewinn der Bronzemedaille 2007 einen besonderen Druck, wieder weit vorne landen zu müssen?
Alex: Den einzigen Druck den ich spüre, ist der, den ich mir selber mache. Als ehrgeizige Athletin will ich selbstverständlich wieder an der WM teilnehmen und möglichst weit vorne landen. Ich weiß allerdings auch, dass für eine Medaille an dem bestimmten Wettkampftag alles zusammenpassen muss. Dazu gehört vor allem auch Glück, das man ja bekanntlich nicht wirklich beeinflussen kann. Aber ich denke, dass ich mir durchaus Hoffnungen machen kann, nachdem ich ja bei den vergangenen Titelkämpfen in Ruka und Madonna di Campiglio gezeigt habe, dass mit mir bei Großereignissen zu rechnen ist.

Ski2b: Was hast du dir allgemein für die nächste Saison vorgenommen?
Alex: In der kommenden Saison will ich vor allem gesund bleiben, damit ich mein Potenzial voll ausschöpfen kann. Wenn mir das gelingt, passen auch die Leistungen und ich kann zufrieden sein.

Ski2b: Du bist mittlerweile eine erfahrene Ski Crosserin und schon lange dabei. Wie siehst du die Entwicklung der Sportart allgemein?
Alex: Seit ein paar Jahren wird das ganze immer professioneller. FahrerInnen ohne Vergangenheit in alpinen Kadern haben kaum noch Möglichkeiten, in der wachsenden Leistungsdichte mitzuhalten. Außerdem gibt es auch unter den "Querköpfen" - den Ski Crossern, die den Sport als eine Art Protest gegen den klassischen alpinen Rennsport und die FIS ausübten - kaum noch jemanden, der sich nicht auch vom "Olympia-Virus" anstecken ließ. Weitere Entwicklungen gab es bei den Streckenprofilen. Während bei den FIS-Wettkämpfen mehr und mehr auf die Sicherheit der Fahrer geachtet wird, scheint es so, als würden Events wie die X-Games oder Tignes Airwaves immer verrückter werden, was man dort an den vielen schweren Verletzungen in der vergangenen Saison sehen kann. Unter diesen Entwicklungen hat der Ski Cross-Spirit meiner Meinung nach trotzdem nicht wesentlich gelitten. Die Stimmung unter den konkurrierenden Athleten ist immer noch entspannt - außer im unmittelbaren Wettkampfgeschehen.

Ski2b: Was hat sich im Ski Cross am deutlichsten geändert? Wie ist das Niveau im Vergleich zu den Vorjahren?
Alex: Ski Cross wird immer mehr zum Hochleistungssport, und das merkt man in vielen Bereichen. Die Organisation in den Verbänden wird professioneller, Trainingsumfang und -intensität nehmen deutlich zu und die Teilnehmerzahlen sowie die Leistungsdichte in der Spitze steigen besonders bei den Herren, aber auch bei den Damen. Während vor ein paar Jahren meist die gleichen Gesichter auf dem Podest zu sehen waren, haben heute ca. 15 Athleten beste Chancen auf einen Platz auf dem Treppchen. Bei den Herren gleicht die Besetzung eines Achtelfinals oft der in einem großen Finale. Bei den Damen ist der Kreis noch etwas kleiner, aber auch hier wird es immer schwerer sich konstant unter die besten Acht zu fahren.

Ski2b: Wie ist die Situation bei euch im Damenteam des DSV? Wen siehst du als Anwärterin auf vordere Platzierungen im Weltcup oder bei der WM?
Alex: Unser Damenteam ist nach wie vor im internationalen Vergleich ziemlich jung - mit Ausnahme von mir. Ich denke einige Fahrerinnen haben großes Potenzial, allerdings brauchen sie wohl noch etwas Zeit, um skitechnisch und körperlich auf ein Niveau zu kommen, um in der absoluten Spitze mitfahren zu können. Auf das Comeback von Julia Manhard bin ich gespannt. Nach ihrem verletzungbedingten Ausfall im vergangenen Winter und einem guten Heilungsprozess ist sie wieder voll dabei. Ich schätze sie mental stark genug ein, um ihren Sturz zu verarbeiten. Sie ist ein richtiges "Wettkampftier" und heiß auf den kommenden Winter. Ich sehe sie bei Weltcup-Rennen und bei der WM mindestens in den Top-8. Mit etwas Glück ist sogar Julias erster Podestplatz drin, ich würde es ihr nach ihrer Verletzung wünschen.

Ski2b: Wo muss man den Hebel deiner Meinung nach noch weiter ansetzen, damit Ski Cross bekannter wird und auch die Sponsoren mehr in die Sportart investieren?
Alex: Ski Cross braucht eindeutig mehr Medienpräsenz, vor allem im Fernsehen. Es ist schade, dass sich eine solch attraktive Sportart bisher nicht besser vermarkten lässt. Die Mühlen mahlen da sehr langsam. Das liegt glaube ich unter anderem an der FIS, die im Freestyle-Bereich den Veranstalter von Weltcups hinsichtlich der TV-Vorproduktion nicht in die Pflicht nimmt - im Gegensatz zum alpinen Sektor. Hier sollten die vertraglichen Regelungen angeglichen werden, damit Ski Cross professioneller, häufiger und vor allem auch live im Fernsehen übertragen wird. Die Nachfrage ist meiner Meinung bereits vorhanden, denn wir Ski Crosser werden nicht selten darauf angesprochen, warum unsere Sportart nicht öfter gezeigt wird. Wenn das Fernsehen ein entsprechendes Angebot liefern könnte und dann noch ein paar deutsche Ski Crosser regelmäßig auf den vorderen Plätzen zu finden sind, wird das Ganze zum Selbstläufer. Dann werden hoffentlich die Sponsoren Schlange stehen.

Ski2b: Neben dem Sport geht es bei dir auch beruflich voran. Was sind deine Pläne für die Zukunft?
Alex: Bis Ende März 2009 muss ich zunächst einmal meine Masterarbeit verfassen und abgeben, um mein Studium (Kommunikationswissenschaft) abschließen zu können. Im Moment stehe ich außerdem kurz vor der Wiedereinstellung bei der Bundeswehr, wo ich einen Sportfördergruppenplatz erhalten soll. Dies würde mir optimale Voraussetzungen für eine professionelle Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2010 bieten. Was ich nach Vancouver bzw. nach meiner Ski Cross-Karriere machen werde, habe ich noch nicht genau geplant. Mein Traum wäre es allerdings, im Sportjournalismus Fuß zu fassen. Das ist genau mein Ding, wie ich in mehreren Praktika bzw. Werkstudentenjobs erleben durfte.

Ski2b: Alex, vielen Dank für das Interview und weiterhin eine gute Vorbereitung.