Am 10. Juni erreichte Riesenslalom-Olympiasiegerin Julia Mancuso zusammen mir den Weltcup-Kolleginnen Lauren Ross (USA) und Chemmy Alcott (GBR) den Gipfel des Kilimandjaro. Die Reise sollte eigentlich nur zugunsten von \'Right To Play\' stattfinden, einer Organisation, die Sportprojekte in Entwicklungsländern fördert. Für Mancuso war es das - und noch viel mehr.

Ganz anders als erwartet
\"Es ist schon komisch, wie sich im Leben Dinge so anders entwickeln, als man es erwartet. Als ich zustimmte, die Klettertour zu machen, hatte ich keine Ahnung, was auf mich zukommen würde. Ganz ehrlich: Ich dachte, das wäre eine weitere Herausforderung, die ich einfach mitnehmen und erleben könnte, ohne große Probleme,\" schrieb Mancuso in ihrem Blog auf www.juliamancuso.com nach der Bergtour.


\'Großmutter Tutu\' im Herzen dabei
Die Herausforderung veränderte sich am 31. Mai. Am selben Morgen, an dem Mancuso nach Afrika abreiste, erhielt sie die Nachricht, dass Betsy Watson, ihre 58-jährige Großmutter, dem langjährigen Kampf gegen ein Lungenkrebsleiden verloren hatte. Für Mancuso war \'Großmutter Tutu\', wie sie die Oma liebevoll nannte, Mentor und auch eine große Inspiration für die anstehende Reise. \"Betsy liebte es, draußen zu sein und sie war ganz wild darauf, meine Packliste mit mir durchzugehen und mir Ratschläge zu geben. Sie sagte, ich solle Stöcke einpacken und ließ mir dann gleich ihre da. Ich habe sie letztlich da gelassen und wünschte heute, ich hätte sie für sie hochgetragen. Allerdings werde ich nun sie selbst mit mir hochnehmen,\" schrieb Mancuso am 1. Juni, bevor es auf den Berg ging.

Kalt kann es auch am Äquator sein
Drei Tage später schnürte sie zum ersten Mal in Afrika die Wanderstiefel und begann mit dem Aufstieg. Der Kilimanjaro ist mit 5.895 Metern Höhe der höchste Berg Afrikas. Erstmals wurde er 1889 von den deutschen Hans Meyer und Ludwig Purtscheller bestiegen, damals in sechs Wochen. Aktuell versuchen rund 22.000 Besucher jährlich, den Gipfel zu erreichen, rund 40 Prozent davon müssen vorher umkehren. \"Weißt du, Jules, nur weil du am Äquator bist, heißt das nicht, das es nicht rattenkalt werden kann\", erinnert sich Mancuso an Oma Watsons Warnung vor dem Trip.

Kein einfacher Aufstieg
Einige Kilometer vor dem Ziel bekam das Team bedingt durch die Höhe Probleme mit Kurzatmigkeit. Am Folgetag gab es den ersten Fall der Höhenkrankheit, die durch den geringen Luftdruck am Kilimandjaro oft auftritt. \"Der dritte Tag war wirklich hart! Wie hart wird einem erst klar, wenn man sich den Zustand unseres Teams vor Augen führt: Einer hat Bauchschmerzen, einer Probleme mit den Nebenhöhlen, einer die Höhenkrankheit und noch einer verknackste Knöchel. Wir schlafen elf Stunden nachts - verrückt, aber notwendig\", bloggte Mancuso am 9. Juni.

Neue Grenzen erfahren
Nachdem sie gegen Krämpfe, Kopfschmerze, Benommenheit und Übermüdung angekämpft hatten, erreichten Mancuso, Ross und Alcott am 10. Juni den Gipfel und sammelten damit über 30.000 US-Dollar für \'Right To Play\". Auf dem Gipfel hisste Mancuso eine Flagge für Betsy. Nach der erfolgreichen Gipfeltour besuchte das Team noch Right to Play-Camps in Daressalam (Tansania), gab Autogramme und sprach mit Kindern vor Ort. Einen Tag später bilanzierte Mancuso: \"Wow - es ist Wahnsinn zu sehen, wie diese Reise, die ich als Kinderspiel eingestuft hatte, zu etwas wurde, dass mich über meine Limits gebracht hat. Meine Grenzen bei Perspektive, Leidensfähigkeit und Dankbarkeit, aber auch von Leidenschaft, Geben und der Erwiderung haben sich erweitert.\"