Kaum ein Thema war bei den Athleten in Bormio so hoch auf der Agenda wie der Weltcup-Zeitplan. Ohne WM oder Olympische Spiele gab es mehr Weltcup-Rennen und kaum Pausen. Das Programm war vor allem für die Allrounder hart.


Vonn: Das steht ganz oben auf der Liste
Besonders deutlich sprach Gesamtweltcup-Siegerin Lindsey Vonn das Thema an. "Das war keine gute Planung. Es waren ja drei Trainings in Crans Montana angesetzt, dann Abfahrt und Super-Kombi, dann ab dem nächsten Tag wieder zwei Trainings und dann vier Rennen? Das ist einfach nicht gut geplant", meinte die Amerikanerin. Sie hatte sich bewusst Auszeiten genommen, um andere Rennen besser wegstecken zu können. "Schon Vancouver war hart, ich habe deswegen mir in Zagreb eine Pause gegönnt. Aber in Zwiesel hab ich mich schon wieder sehr müde gefühlt. "

Athleten-Sprecherin Anja Pärson
Als Vertreterin der Athletinnen hat Anja Pärson nun die Möglichkeit, die Wünsche der Sportler den Funktionären zu übermitteln. Die waren besonders unzufrieden mit dem Abstecher nach Kanada im Februar, der als Olympiatest eingebaut worden war. Doch der Körper braucht seine Zeit, um sich auf die Zeitumstellung einzustellen - für viele mag das Risiko in den Anschlussrennen zu hoch gewesen sein. Für die Techniker war dieser Trip besonders kräfteraubend, denn sie waren zuvor noch in Zagreb gefragt und mussten dann zum Training nach Whistler.

Riesch: Trainings reduzieren
Die Trainingsläufe für die Abfahrten hat auch Maria Riesch als Problem ausgemacht. Bei zehn Rennen im Jahr wäre die Belastung durch die Testläufe zu hoch, so die beste deutsche Rennläuferin. Ihr Vorschlag sieht Doppelabfahrten an verschiedenen Orten vor. Damit wäre die Zahl der Trainings automatisch kleiner. Außerdem reklamierten die Damen eine Pause rund um Weihnachten für sich. Da die Herren Mitte Dezember in Italien vier Rennen am Stück absolvierten, hatten sie danach einige Tage am Stück frei - die Damen konnten weniger lang regenerieren.

Zahl der Rennen verkleinern?
Eine weitere Möglichkeit, die Belastung der Sportler zu verringern, wäre natürlich die Reduzierung der Rennen. Diese Lösung ist allerdings ebenfalls nicht im Sinne der Sportler und des Sport. Zu guter Letzt bleibt es jedem Athleten vorbehalten, einige Starts abzusagen und sich so die nötige Frische zu holen. Diesen Weg will jedenfalls Marlies Schild gehen, die in der nächsten Saison nicht mehr jede Abfahrt bestreiten wird. "Dieses Jahr gab es zehn Abfahrten, das war zu viel für mich, ich werde künftig das Programm etwas drosseln", meinte Schild in Bormio. Mit dem Großereignis im kommenden Jahr wird sich der Zeitplan sowieso wieder verschieben. Da die WM in Frankreich ansteht, ist das allerdings nicht so gravierend. Aber 2010 wird wohl niemand die Reise zu den Winterspielen absagen, weil er müde ist. Auch dann geht es also wieder nach Kanada - eine stressige Saison steht den Athleten bevor.