Als Phil Mahre 1983 den Riesenslalom in Furano (Japan) gewann, war Bode Miller gerade mal sechs Jahre alt und hatte drei Jahre zuvor das erste Mal auf Skiern gestanden. Niemand konnte ahnen, dass die Amerikaner 18 Jahre warten mussten, bis mit diesem Bode Miller wieder ein Amerikaner einen Weltcup-Riesenslalom für sich entscheiden konnte. Und er entschädigte seine Landsleute für die lange Wartezeit, indem er einen Sieg im Slalom in Madonna di Campiglio (ITA) gleich hinterher legte; auch in dieser Disziplin lag der letzte US-Sieg 18 Jahre zurück.

Mit elf die ersten Rennen bestritten
Der Riesenslalom- und Super-G-Spezialist bestreitet seit seinem elften Lebensjahr Rennen. Sein ungeheures Talent wurde früh erkannt und schnell machte er große Fortschritte. Auf sich aufmerksam machte er zum ersten Mal bei den Junioren US-Meisterschaften 1995, bei der er die Goldmedaille im Slalom gewann. Im Jahr darauf schaffte er es sogar, drei Goldmedaillen (Abfahrt, Super-G, Riesenslalom) bei den nationalen Junioren-Meisterschaften einzufahren.

Nicht sehr elegant, aber erfolgreich
Es gibt sicherlich viele Weltcup-Fahrer, die weitaus eleganter die Stangen umfahren und auch eine wesentlich bessere Körperhaltung an den Tag legen. Allerdings schafft es Bode Miller trotz seiner unorthodoxen Körperhaltung, die manchmal etwas ungestüm wirkt, im Ziel die nötigen Zehntelsekunden vor den Konkurrenten zu sein.

Maximales Risiko
Miller geht fast immer aufs Ganze und muss entsprechend viele Ausfälle in Kauf nehmen. Aber wehe, er erwischt einen guten Tag. Dann kann er sogar in den weniger beliebten Speed-Disziplinen punkten. Und schließlich behauptet der Mann aus Franconia in New Hampshire heute immer wieder gern: "Ich bin ein Allrounder." Das verdeutlicht die Tatsache, dass er schon 2003 im Gesamt-Weltcup den zweiten Platz erreichte.

Mitglied des Teams USA seit 1996
Die Berufung ins Nationale Team Amerikas 1996 gab dem Amerikaner schon früh enormen Auftrieb. Nach zusätzlichen nationalen Titeln erreichte er 2000 sein bestes Ergebnis im Weltcup beim Riesenslalom in Val d´Isère (FRA) mit Platz Drei. Und Bode Miller fand auch nach einer schweren Knieverletzung in Folge eines Sturzes bei der WM in St. Anton 2001 (Meniskus und Kreuzband wurden arg in Mitleidenschaft gezogen) schnell wieder zu seiner Form zurück.

Weltmeister in St. Moritz
Bei der WM in St. Moritz 2003 trumpfte Miller ganz groß auf. Er gewann Goldmedaillen im Riesenslalom und in der Kombination und sicherte sich zudem noch die Silbermedaille im Super-G. Gerade der Sieg im Riesenslalom war etwas ganz Besonderes für Miller, konnte doch sein langjähriger guter Freund und Teamkollege Erik Schlopy die Bronzemedaille gewinnen und somit neben ihm auf dem Podium stehen.

Gewinn des Riesenslalom-Weltcups 2003/2004
Trotz der Medaillen bei der WM in St. Moritz war Miller noch immer ohne eine Kristallkugel. Dies änderte sich in der Saison 2003/2004, als der US-Boy in einer engen Entscheidung den Riesenslalom-Weltcup für sich entscheiden konnte. Er holte sich drei Saisonsiege in dieser Disziplin und verwies mit 410 Punkten den Finnen Kalle Palander auf den zweiten Rang. Zusätzlich war er auch bis zu den letzten Rennen im Kampf um den Gesamt-Weltcup dabei, musste sich aber schließlich nach einem misslungenen Weltcupfinale mit dem vierten Rang begnügen.

Ski-Geschichte geschrieben
Die Saison 2004/2005 hätte für Miller nicht besser beginnen können. Er schaffte es, in allen vier Disziplinen zu siegen und hat damit bereits jetzt einen Platz unter den besten Skifahrern aller Zeiten sicher. Zu Beginn der Saison gewann er sechs von zehn Rennen und führte somit souverän die Gesamtwertung an, die er dann im März 2005 als erster US-Amerikaner seit 22 Jahren auch gewann. Insgesamt holte er sieben Weltcupsiege in jener Saison und war sieben weitere Male auf dem Podest.

Doppelweltmeister in Bormio
Neben dem Gewinn des Gesamtweltcups krönte Miller seine Leistungen in der Saison 2004/2005 mit zwei Goldmedaillen bei der WM in Bormio (ITA). Historisch war dabei der Sieg in der Abfahrt, den er vor seinem Kumpel Daron Rahlves erreichte und damit für einen US-Doppelsieg sorgte. Zusätzlich war Miller auch noch im Super-G erfolgreich.

Keine Wiederholung der Topleistung
Als Dritter im Weltcup konnte Miller seine Vorjahresleistung zwar nicht wiederholen, dennoch gelangen ihm zwei Siege, in Beaver Creek im Riesenslalom und in Are im Super G, vier zweite Plätze und zwei dritte Ränge. In Turin ging der Amerikaner dieses Mal leer aus. Doch die US-Amerikanischen Meistertitel in Riesenslalom und Abfahrt sowie der Skiwechsel von Atomic zu Head kündigen an, dass er im nächsten Winter wieder um den Weltcup-Gesamtsieg mitfahren will.

Eine Kugel, verpatzte WM
Beaver Creek scheint ein gutes Pflaster für den US-Amerikaner sein, denn bei der Weltcup-Abfahrt im Dezember 2006 konnte er dort seinen 22. Sieg feiern. 14 Siege hatte er für die Saison 2006/2007 angekündigt - vier konnte er letztlich verwirklichen. Das reichte zum Gewinn der kleinen Kugel im Super-G, im Gesamt-Weltcup spielte Miller aber keine Rolle - nicht zuletzt weil er im Slalom in jedem Rennen ausfiel. Auch bei der WM enttäuschte der Amerikaner, als er keinen seiner Titel verteidigen konnte. Letztendlich war es ein durchwachsenes Jahr.

Große und kleine Kugel 2008
Durch sechs Siege und insgesamt elf Podiumsplätze in dieser Saison konnte Miller an seine Erfolge der Saison 2004/2005 anknüpfen. Nach zwei eher durchwachsenen Jahren gelang es dem Amerikaner beständig ins Ziel zu kommen und so sprang am Schluss der Saison der Gewinn des Gesamtweltcups und der Gewinn der kleinen Kristallkugel in der Kombination heraus. Der zweite Platz in der Abfahrtswertung rundete eine gelungene Saison ab.

Steckbrief
Geboren: 12.10.1977 in Easton, New Hampshire, USA
Nation: Vereinigte Staaten von Amerika
Größe: 187cm
Gewicht: 87kg
Hobbies: Tennis, Fußball, Angeln
Web: www.bodemillerusa.com

Erfolge
Bei seinem ersten FIS-Rennen wurde Bode Miller am 17.12.1994 im Slalom von Burke Mountain (USA) 17. Der erste Weltcup-Start wurde mit einem elften Rang belohnt - am 20.11.1997 bei einem Riesenslalom in Park City (USA). Es folgt ein kurzer Blick in den Karrierespiegel. Die einzelnen Disziplinen sind wie folgt abgekürzt: DH=Abfahrt, SG=Super-G, GS=Riesenslalom, SL=Slalom, K=Kombination

Olympische Spiele
2006 in Turin (ITA): DH (5), K (disqualifiziert), SG (ausgeschieden), GS (6), SL (ausgeschieden)
2002 in Salt Lake City (USA): GS (2), SL (24), K (2)
1998 in Nagano (JPN): GS (ausgeschieden), SL (ausg.)

Weltmeisterschaft
2007 in Are (SWE): GS (15), DH (7), K (6), DH (1)
2005 in Bormio (ITA): SG (1), K (DNF), DH (1), SL (DNF), GS (DNF), Team (4)
2003 in St. Moritz (SUI): GS (1), SG (2), K (1), SL (6)
2001 in St. Anton (AUT): SG (ausgeschieden)
1999 in Vail/Beaver Creek (USA): SG (26), GS (18), SL (8)

Weltcup
1. Platz Gesamt-Weltcup 2008
Weltcup-Disziplinen-Sieger in der Kombination 2008
4. Platz Gesamt-Weltcup 2007
Weltcup-Disziplinen-Sieger im Super-G 2007
3. Platz Gesamt-Weltcup 2006
Gesamt-Weltcupsieger 2005
2. Platz Gesamt-Weltcup 2003
Weltcup-Disziplinen-Sieger im Super-G 2005
Weltcup-Disziplinen-Sieger im Riesenslalom 2004
insgesamt 31 Weltcup-Siege