Mit Lindsey Vonn und Bode Miller stellen die Amerikaner die besten Skifahrer dieser Saison. Fünf von zwölf Kristallkugeln gingen nach Amerika, obwohl man als Team nur Platz vier hinter Österreich, der Schweiz und Italien belegte. Die Stars waren also wichtiger als das Team.

Amerikanische Dominanz?
"Es scheint als hätten wir in dieser Saison eine amerikanische Dominanz", mutmaßte Aksel Lund Svindal, der als Gast zum Weltcupfinale nach Bormio kam. Am selben Tag war der Norweger entthront worden, denn Vonn bei den Damen und Miller bei den Herren entschieden die große Kugel zu ihren Gunsten. Für Miller war es bereits der zweite Erfolg nach 2005, Vonn steht zum ersten Mal ganz oben in der Gesamtwertung. Dabei haben beide ihre Erfolge ganz unterschiedlich realisiert.


Miller gibt sich selbstbewusst
"Der Gesamtweltcup ist nicht so etwas Besonderes für mich - wenn ich wirklich fit bin, dann denke ich wirklich, dass ich die große Kugel gewinnen sollte, denn das entspricht meinen Fähigkeiten", zog Bode Miller bei einer Pressekonferenz seines Ausrüsters in Bormio Bilanz. Ende Dezember hatte er eine beeindruckende Siegesserie eingeläutet, eben in Bormio, wo er die Abfahrt gewann. Es folgten Triumphe in der Super-Kombination und Abfahrt, sowie Top-Ergebnisse in Super-G und Riesenslalom - auch im Slalom wurde Miller konstanter und ließ so den Konkurrenten Raich und Cuche wenig Chancen. Mit über 1400 Punkten ist Miller auch im Vergleich der letzten Sieger gut dabei, wenn er auch seine Ziele höher schraubt: "Wenn es perfekt läuft, sollte ich in der Lage sein, 2.000 Punkte zu holen, wie es bislang nur Hermann Maier geschafft hat." Der Top-Star triumphierte dabei, obwohl er sich vom US Ski Team getrennt und eine eigene Mannschaft aufgestellt hatte. Team Bode USA freut sich also über eine große und eine kleine Kristallkugel und genießt den Zuspruch der Fans weltweit - auch bedingt durch Millers riskanten und attraktiven Fahrstil.

Vonn kommt über die Abfahrt
Lindsey Vonn hat weniger durch Allrounder-Qualitäten ihren Titel geholt - sie war die unumstrittene Abfahrts-Königin des vergangenen Winters. Über 700 Punkte in einer Disziplin waren das Fundament für den Gesamterfolg, dabei konnte die 23-Jährige noch nicht einmal in der zweiten Speed-Disziplin Super-G richtig glänzen. In der Super-Kombi spielte sie ihre Abfahrts-Dominanz ebenfalls aus und kam zu einem Sieg, dazu brauchte es dann nur noch einige wenige Top-Ten Ergebnisse bei den anderen Disziplinen. Das bedeutet: Bei Vonn ist noch mehr möglich - gerade im Super-G. In diesem Jahr hat es wohl auch deshalb geklappt, weil die ÖSV-Damen Nicole Hosp und Marlies Schild ungewohnte Schwächen zeigten und gerade im Riesenslalom viele Zähler liegenließen. Am Ende geht jedoch der Abfahrts- und der Gesamtweltcup der Damen an eine strahlende Lindsey Vonn und damit die große Kugel bei den Damen erstmals seit dem Sieg von Tamara McKinney 1983 in die USA - erst zum zweiten Mal überhaupt.

Ligety mit fünftem Kristall
"Das ist für mich genauso wichtig wie der Olympiasieg", meinte Ted Ligety nach dem letzten Sieg im Riesenslalom in Bormio, mit dem er auch die kleine Kugel gewinnen konnte. Mit zwei späten Siegen machte der US-Racer seinen ersten Sieg in einer Weltcup-Wertung klar und komplettierte damit den US-Siegeszug. Allerdings zeigte sich der US-Kader trotz der vielen Erfolge in der Breite als weniger erfolgreich, hier waren andere Skinationen besser besetzt - daher auch nur der vierte Platz im Nationen-Cup. Von einer amerikanischen Dominanz kann also keine Rede sein - aber auch im nächsten Jahr werden die US-Stars wieder zu den besten der Welt gehören.