Vor der Saison 2007/2008 verordnete die FIS dem Ski-Zirkus einen Sicherheitskurs. Taillierung und Skiplattenhöhe wurden neu reglementiert, um die Sportart sicherer zu machen. Das Ergebnis: Selten gab es schlimmere Verletzungen als in diesem Winter.

Kein Schritt nach vorne
Eines war allen Beteiligten sicher schon im Vorfeld bewusst: Der Skisport als Outdoorsportart ist eine sehr riskante Sache. Es wird für die Athleten keinen Schutz geben wie ein Formel 1 - Chassis - wer mit über 100 Stundenkilometern der Berg hinunter rast, setzt seine Gesundheit aufs Spiel. Doch selten waren die Ereignisse so dramatisch wie in diesem Winter. Der schlimme Sturz von Matthias Lanzinger ließ die Skiwelt in einem Schockzustand zurück. Dem Österreicher wurde ein Unterschenkel amputiert, nachdem er in Kvitfjell im Super-G zu Fall kam. Der Unfall warf einige Fragen auf.


Sicherheitspolitik am falschen Ende
Über das Material lässt sich das Risiko des Skisports kaum minimieren, das zumindest hat dieser Winter bewiesen. Für die Sportler wie für die Hersteller hat sich das Rad weitergedreht, sie werden auch in Zukunft alles tun, um kürzere Radien zu fahren oder einfach schnell zu sein. Das ist legitim, doch wenn Unfälle passieren, muss für die Betroffenen gesorgt werden. Der Fall Lanzinger hat gezeigt, dass hier die Regelungen seitens der FIS noch nicht klar genug sind. Im Ernstfall muss der Sportler nach der Erstversorgung also möglichst schnell in ein geeignetes Krankenhaus ausgeflogen werden können, und das nicht in einem eilends umgebauten Touristenhelikopter. An diesem Ende kann und muss sich der Weltverband für seine Sportler einsetzen.

Lange Verletztenliste
Die Liste der Ausfälle ist auch im Winter 2007/2008 lang. Bereits vor Saisonbeginn erwischte es Daniela Zeiser, Beat Feuz und Patrick Järbyn. Auch der Gesamtweltcupsieger Aksel Lund Svindal blieb nicht verschont, er stürzte beim Training in Beaver Creek schwer und musste sich den Rest der Rennen aus der Ferne ansehen. Viel Aufsehen erregte der Crash von Scott Macartney in Kitzbühel, der erst nach drei Tagen und künstlichem Koma wieder aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Seine Diagnose: Schädel-Hirn Trauma. Aus deutscher Sicht fielen Anja Blieninger nach einem Beinbruch im Oktober und Stephan Keppler mit Kreuzbandriss in Kvitfjell aus. Außerdem mussten Maria Holaus, Silvan Zurbriggen, Hans Grugger, Manfred Pranger, Jan Hudec, Tina Weirather und Ondrej Bank vorab passen, zumeist in Folge von Kreuzbandrissen. Mit Kalle Palander fiel ein weiterer Fahrer nach einem Ermüdungsbruch aus. Eine Verbesserung lässt sich also nach dem neuen Materialreglement nicht konstatieren - dass es ohne den Wechsel besser für die Athleten gelaufen wäre, allerdings auch nicht. So werden auch in Zukunft Verletzungen nicht ausbleiben - leider.