Mit dem Saison-Finale in Bormio Mitte März ging eine ereignisreiche Saison zu Ende, die Höhepunkte und Tiefschläge aufzuweisen hatte. Ski2b wirft einen Blick zurück.

Jubelnde Riesch holt zwei Kugeln
Sechs Jahre hat der DSV auf den Gewinn einer Kristallkugel warten müssen, zuletzt war es Hilde Gerg, die im Super-G eine Trophäe gewann. Doch im Winter 2007/2008 ging der Stern von Maria Riesch wieder auf. Die Partenkirchenerin gewann je einen Wettbewerb in Super-G und Super-Kombination und holte dank weiterer guter Ergebnisse gleich beide Kugeln nach Deutschland. Keine Frage: Der DSV hat wieder einen Top-Star. Rieschs Erfolge ließen die mäßigeren Leistungen der DSV-Damenriege in den Hintergrund treten. Im Speed-Bereich gibt es derzeit nur Gina Stechert - und die konnte nur bei der letzten Super-Kombi als Sechste wirklich überzeugen. Kathrin Hölzl konnte nicht ganz an ihre Top-Saison im Riesenslalom aus dem Vorjahr anknüpfen, auch im Slalom kam die zumeist junge Mannschaft nicht oft nach oben. Legt man die FIS-Nationenwertung zu Grunde, dann haben sich die deutschen Damen aber verbessert - von Platz sieben auf fünf. Frankreich und Schweden wurden überholt - das ist ein Schritt in die richtige Richtung.


Neureuther - dann nichts mehr
Weniger optimistisch darf man auf die Herren-Saison zurückblicken. Hier konnte nur Felix Neureuther überzeugen - und das auch nur in einer Disziplin. Im Slalom kam er zweimal aufs Podest, verpasste aber weiterhin seinen ersten Sieg. Durch die hohe Konstanz beschließt der beste deutsche Skifahrer die Slalomwertung als Siebter, verpasste aber im Riesenslalom alle Punkte und damit auch die Chance, die magische 400-Punkte-Marke zu knacken - 13 Zähler fehlten am Ende. Doch nach Neureuther kam in diesem Winter fast nichts. Das Speed-Duo Keppler und Stehle fuhr nur selten in die Punkte, in Kvitfjell kam dann für Stephan Keppler das Aus nach einem Kreuzbandriss. Im Slalom hatte Alois Vogl mehr mit seiner Gesundheit zu kämpfen, als mit den Torstangen - und die 'Jungen' wie Fritz Dopfer sammelten nicht mehr als einige Erfahrungen. Fakt ist: Deutschland ist im Herren-Skisport wieder nur Zwölfter und damit kaum konkurrenzfähig.

US Racer triumphieren
Aksel Lund Svindal fasste es bei seinem Gastspiel in Bormio kurz zusammen: "Es scheint derzeit eine amerikanische Dominanz zu geben," so der Norweger, der seinen Titel verletzungsbedingt nicht verteidigen konnte. Und es stimmt: Die besten Skifahrer 2008 kommen aus den USA. Lindsey Vonn holte als überragende Abfahrerin auch den Gesamtweltcup, Ted Ligety siegte im Riesenslalom und Bode Miller holte trotz seiner Abspaltung vom US Ski Team die große Kugel und die kleine für die Super-Kombi gleich dazu. Fünf von Zwölf, so lautet also die US-Ausbeute. Natürlich waren andere Teams in der Breite stärker als die Amerikaner, aber unbestritten gehören Miller, Vonn und Ligety zu den herausragenden Figuren dieses Ski-Winters.

ÖSV verpasst Ziele
Weniger zufrieden sein kann der ÖSV mit seiner Bilanz. Natürlich stellen die Österreicher auch in diesem Jahr die stärkste Mannschaft, und das mit Abstand. Aber die alpine Vorzeigenation musste sich am Ende mit zwei kleinen Kugeln zufrieden geben - im letzten Jahr waren es immerhin noch sieben, darunter auch Hosps Gesamtweltcupsieg. Vor allem die hoch eingeschätzten Damen Hosp und Schild haben die an sie gestellten Erwartungen kaum erfüllt, aber auch Benjamin Raich, Michael Walchhofer und Hermann Maier blieben hinter den eigenen Ansprüchen zurück. Es gab aber auch positive Werte, so blieb Marlies Schild die beste Slalom-Fahrerin und Hannes Reichelts Coup im Super-G dürfte als größte Überraschung von Bormio in Erinnerung bleiben.

Schweiz back on top
Die Schweizer Skination fieberte im Winter 2007/2008 mit - und hatte Grund zur Freude. Zwar verpasste Didier Cuche es, sich neben der Abfahrtswertung auch noch den Kristall für den Super-G zu holen, doch der beste Speedfahrer führte eine starke Mannschaft der Eidgenossen an. Daniel Albrecht, Nadia Styger, Martina Schild, sie alle gewannen Rennen. Youngster wie Lara Gut kamen sensationell auf das Podest. In dieser jungen Mannschaft steckt noch viel Potenzial, aber schon in diesem Jahr war die Schweiz die gewohnt starke Skination und wird somit bei der WM 2009 sicher kaum mit leeren Händen nach Hause gehen.

Forza Italia!
Vor der Saison hätte wohl kaum einer auf eine Leistungsexplosion der Italiener gesetzt. Geldprobleme beim Verband, ausgesetzte Trainingsmaßnahmen und Querelen begleiteten die Vorbereitung, und dennoch war es eines der erfolgreichsten Skijahre seit langem für das italienische Team. Die Mannschaft überzeugte in der Breite, aber auch mit Stars. Denise Karbon schwang sich zur Riesenslalom-Dominatorin auf, Manfred Mölgg versetzte die Tifosi beim letzten Slalom in Bormio in einen Freudenrausch, als er Jean Bapriste Grange die Kugel noch entriss. Nadia Fanchini, Manuela Mölgg, Cristian Deville - sie alle überzeugten und sorgten für viel Freude beim italienischen Ski-Verband, der es nun ein wenig leichter haben dürfte.

Schock in Kvitfjell
Aber am Ende bleiben von dieser Saison nicht nur sportliche Höhen und Tiefen stehen. Viele Unfälle begleiteten diesen Ski-Winter - wieder einmal. Zuerst erwischte es Aksel Lund Svindal beim Training in Beaver Creek, es folgten weitere Ausfälle, die das neue Materialreglement der FIS als zumindest unwirksam entlarvten. Doch manchmal geschehen Unfälle, die mehr aufrütteln müssen. So geschah es Matthias Lanzinger in Kvitfjell, dem nach einem furchtbaren Sturz in letzter Konsequenz ein Unterschenkel amputiert werden musste. Diskutiert wurde im Nachgang über die Verpflichtung der Gastgeber, eine bessere medizinische Versorgung zu ermöglichen - unter anderem durch vollausgerüstete Rettungshubschrauber. Das Drama um Lanzinger hat den Finger in eine Wunde gelegt: Der alpine Skisport ist nicht sicher. Aber er macht auch klar, das alles getan werden muss, um solche Folgen für die Athleten zu vermeiden.

Warme Zeiten
Es war ein warmer Winter - wieder einmal. Auch im Januar und Februar 2008 konnte man sich auf stabile Minusgrade in den Alpen nicht verlassen, so wird es immer mehr zur Normalität, dass ein weißes Band auf grüne Hänge gezaubert werden muss. Viele Rennen konnten dennoch stattfinden, in Zwiesel allerdings verhinderte ein Sturmtief die Rennen und nicht Schneemangel. Erst in Bormio fielen Abfahrten dem zu warmen Wetter zum Opfer. Das sind offenbar die Bedingungen, denen sich der alpine Ski-Weltcup auch in Zukunft wird stellen müssen. Somit sind Umweltinitiativen einiger Ski-Hersteller zu begrüßen, die sich damit ihrer Verantwortung für die Umwelt stellen.

Reisechaos sorgt für Unmut
Die Planung der alpinen Rennen stand beim Finale in Bormio ganz oben bei den Gesprächsthemen der Stars. "Geplant war, dass wir in Crans Montana Abfahrt und Super-Kombi fahren, davor Trainings. Am Tag danach dann wieder zwei Trainings in Bormio und dann vier Rennen am Stück. Das ist einfach nicht gut geplant," meinte Gesamt-Weltcupsiegerin Lindsey Vonn vor der Presse. Ihr Unmut war verständlich, denn der Kalender war so eng, wie selten zuvor. Der Kurztripp nach Whistler im Februar zum Olympia-Testlauf sorgte für weiteren Unmut und kostete viele Kraft, sodass Maria Riesch in Bormio für Doppelabfahrten plädierte. Bei zehn Weltcup-Rennen in dieser Disziplin stehen schließlich auch entsprechende Trainings an. Ob der FIS-Kalender im kommenden Jahr sich eher an den Aktiven orientiert, wird abzuwarten bleiben. Die Meinung der Sportler findet ja zumeist weniger Gehör bei den Funktionsträgern des Sports.