Nach der Bein-Amputation von Matthias Lanzinger steht der Ski-Weltcup unter Schock. Ski2b sammelte einige Stimmen zum Unfall und seinen Folgen.

Keppler: Bin geschockt
Stephan Keppler verletzte sich in Kvitfjell selbst schwer und beginnt nach gut verlaufener OP in diesen Tagen mit der Rehabilitationsphase. "Ich habe die Bilder nur im Fernsehen gesehen, aber ich war geschockt. Das hat man sofort gesehen, dass da relativ viel kaputt ist. Als der Fuß sich weiterbewegt hat und das Bein nicht - das war kein herkömmlicher Rennunfall . Die Folgen mit der Amputation mag ich mir persönlich gar nicht vorstellen. Ich wünsche Matthias alles Gute."


Girardelli: "Fürchterlich tragisch
Marc Girardelli ist derzeit in Bulgarien unterwegs: "Ich hab den Unfall selber nicht gesehen, aber ich habe mir sagen lassen, dass es ähnlich war wie mein Unfall vor 25 Jahren - nur das mein Bein gerettet werden konnte. Wenn man mit 130 oder 140 Stundenkilometern den Berg runterfährt ist keiner sicher, egal ob heute oder vor 30 Jahren. Manchmal passieren aber Dinge, die so unglücklich sind, das man es kaum glauben kann. Ich kann mich an ein Rennen in Furano erinnern, eigentlich eine Abfahrt mit zwei Kurven. Nicht die geringste Schwierigkeit, nur vor dem Ziel ein ein halber Meter hoher Sprung. Nathalie Bouvier hat bei dem Hüpfer beide Beine gebrochen. Auf derselben Strecke hatte sich Wasmeier den Rücken gebrochen und ist haarscharf einer Querschnittslähmung vorbei geschrammt. Oder wenn ich mich an die Uli Maier erinnere - die hat sich damals das Genick gebrochen, als sie an der leichtesten Stelle im Rennen
"hangaufwärts" stürzte (Ulrike Maier (AUT) verunglückte 1994 in Garmisch-Partenkirchen nach einem Sturz gegen ein Zeitmessgerät tödlich, Anm. d. Red.). Und so etwas wird es immer wieder geben. Manchmal schlägt das Schicksal zu, auch mit den größten Sicherheitsmaßnahmen, leider. Natürlich ist der Unfall von Matthias Lanzinger fürchterlich tragisch. Der Junge tut mir Leid!"

Hermann Maier: "Müssen ihm Kraft geben"
Wie viele Stars äußerte sich auch Hermann Maier auf seiner Homepage zum Unfall des Teamkollegen: "Was mit Matthias passiert, macht mich sehr betroffen. Kurz vor seinem Abtransport aus Kvitfjell bin ich noch zu ihm hin und habe versucht, ihm Mut zuzusprechen. Die Tragik der Geschehnisse ist unfassbar. Momentan durchlebe ich noch einmal die Folgen meines Unfalls 2001 und stelle fest, dass ich jetzt alles viel bewusster, Minute für Minute, wahrnehme und mit Matthias mehr leide als damals unter meinem Los. Der ÖSV hat jedenfalls alles Erdenkliche unternommen, um Matthias zu helfen."

"Mir liegt nun seine weitere Betreuung und der Beistand für seine Angehörigen sehr am Herzen. Ich werde natürlich versuchen, meine Erfahrungen einzubringen und Matthias zu unterstützen, so gut es geht. Wir sind jetzt aufgefordert, ihm positive Kraft über die kommenden Wochen und Monate zu geben. Ansonsten muss jeder auf seine Art versuchen, die fürchterlichen Geschehnisse zu verarbeiten."

Büchel: "Mein Herz blutet"
Marco Büchel widmete Matthias Lanzinger sogar einen ganzen Brief auf seiner Webseite. Darin heißt es: "[...] Ich weiss, dass der Skirennsport gefährlich ist, und ich sage auch immer, dass die Speeddisziplinen kein Kindergeburtstag sind. Am Start von jedem Rennen bin ich mir bewusst, dass ich mich verletzen kann. Man denkt dabei an einen Bänderriss, gebrochene Knochen, oder tiefe Schnittwunden. Aber eine Amputation des Unterschenkels stellt eine komplett neue Kategorie der Verletzungen dar. Mit so etwas rechnet absolut niemand.

Meine Gedanken sind weiterhin bei Matthias. Nach drei langen und schweren Operationen wird er irgendwann wieder aufwachen, und das Ausmass seiner Verletzung realisieren. Ein unglaublich harter und schwerer Moment in seinem Leben. Seine Karriere ist mit einem Schlag vorbei, und seine Behinderung wird ihn sein restliches Leben begleiten. Ich wünschte mir dass ich ihm irgendwie helfen könnte, den ganzen Vorfall rückgängig machen könnte. Mein Herz blutet bei diesen Gedanken, und ich wünsche ihm die nötige Kraft diese Aufgabe zu meistern."

Tausende Fans spenden Trost
Nach dem schlimmen Unfalls nutzten viele tausend Fans die Chance, Matthias Lanzinger in dessen Gästebuch ihre Genesungswünsche auszusprechen. Allein am vom 4. auf den 5. März kamen dort über 3.000 Einträge zusammen. Zur Homepage von Matthias Lanzinger geht es hier.


Matthias Lanzinger stürzt in Kvitfjell