Denise Karbon hat es geschafft. Nach eindrucksvollen Siegen in fünf der sechs Riesenslaloms in dieser Saison und der Absage des Rennens in Zwiesel steht die 27-jährige Kastelrutherin als Gewinnerin des Riesenslalom-Weltcups fest. Im Interview spricht die Italienerin über die Gründe für ihren Erfolg, ihre Zukunftspläne und darüber, warum ihr diese Kugel ganz klar mehr bedeutet als ihre beiden WM-Medaillen.

Denise, nach der Absage des Riesenslaloms in Zwiesel ist es fix. Du bist die Siegerin im Riesenslalom-Weltcup.
Ja, ich bin sehr froh, dass das geklappt hat. Am Anfang war die Freude nicht so groß, weil ich das gerne im Rennen entschieden hätte. Ich habe mich die letzten fünf Wochen sehr gut vorbereitet, ein gutes Resultat in Zwiesel war mein Ziel. Aber die Verhältnisse haben das leider nicht zugelassen. Jetzt haben wir noch das Rennen in Bormio. Und dort möchte ich mich noch einmal so gut wie möglich präsentieren.


Hast du vor dem Start der Saison mit dem Gesamtsieg im Riesenslalom spekuliert?
Nein, überhaupt nicht. Ich bin in der Vergangenheit nie eine ganze Saison konstant gewesen, hatte nur einzelne gute Resultate. Wenn man die ganze Saison vorne dabei ist, zählt man wirklich zu den guten Skifahrern. Das macht mich jetzt brutal stolz, das habe ich so von mir nicht gekannt.

Was zählt für dich mehr: Die beiden WM-Medaillen oder diese kleine Weltcup-Kugel?
Diese Kugel zählt für mich mehr. Die Skifahrer, die eine Kugel gewinnen, zählen zu den besten. Bei einer Medaille ist es nur ein Rennen und da ist es oft Glückssache. Ich habe das bisher nie laut gesagt, weil ich selbst bisher „nur“ Medaillen geholt habe. Aber die Kugel zeigt, dass man eine ganze Saison stark war.

Hast du die kleine Riesenslalom-Kugel schon gefeiert?
Kleine Feierlichkeiten hat es schon gegeben. Hier in Zwiesel mit meinem Fanclub, und auch innerhalb der Mannschaft haben wir schon darauf angestoßen. Zuhause werden wir sicherlich auch darauf anstoßen. Aber so richtig gefeiert wird erst dann, wenn ich die Kugel nach Hause bringe.

Wie wirst du die Zeit bis zum Finale in Bormio verbringen?
Ich werde nächste Woche in Bormio trainieren, danach noch ein paar Tage in Pozzo di Fassa. Zwei, drei Tage vor dem Rennen werde ich dann nach Bormio reisen.

Du hast in dieser Saison bisher fünf Rennen gewonnen und gehörst damit zu den erfolgreichsten Athleten.
Es ist für mich eine ganz besondere Saison, die mit Abstand beste bisher. Mit dem Sieg in Sölden hat sich das für mich schon etwas angekündigt. Das hat mir sehr viel Sicherheit und Selbstvertrauen gegeben. Auch das Material hat von Anfang an gepasst, damit ist dann vieles wie von alleine gegangen.

Was sind für dich die Gründe für diesen Erfolg?
Der Hauptgrund für mich ist die Arbeit in den vergangenen Jahren. Mit den Hochs und Tiefs, mit den Verletzungen und den guten Resultaten, bin ich gewachsen. Das Umfeld passt, zuhause passt es, meine physische Verfassung passt. Und ich kann mich voll auf mein Material verlassen. Dadurch kann man sich dem Limit mehr annähern.

Wie geht es deinem verletzten Daumen?
Die Fraktur ist nicht gut verheilt. Wahrscheinlich hat sich durch das Slalomfahren der Bruch verstellt. Die Ärzte haben ihn wieder gerade gebogen und eingegipst. Nach Bormio werden wir dann schauen, ob wir noch einmal operieren müssen.

Was hast du im Sommer geplant?
Ich habe noch nicht wirklich viel geplant. Im April werde ich sicherlich noch viele Termine haben. Im Mai möchte ich dann ein bisschen Urlaub einplanen und dann geht es eh schon wieder los. Ich und mein Freund, wir werden uns einen Camping-Bus zulegen und in Italien ein bisschen herumfahren.

Wirst du dich in der nächsten Saison auch auf Riesenslalom und Slalom beschränken?
Ja, die Speed-Disziplinen kommen für mich nicht in Frage. Ich habe im Slalom jetzt schon gute Resultate erzielt, hier möchte ich beständiger werden. Die erste Gruppe im Slalom ist mein großes Ziel.

Du hast in dieser Saison sehr viel Geld verdient. Was wirst du damit machen?
Zuallererst werde ich das Geld einmal sparen. Ich möchte mir zuhause in meiner Gemeinde ein Haus bauen. Es ist bei uns aber gar nicht so leicht, ein Grundstück zu bekommen.

Bei deinen Erfolgen muss sich die Gemeinde Kastelruth ja überlegen, ob sie ihrer erfolgreichen Tochter nicht ein Grundstück vermacht?
Es wäre schon viel wert, wenn ich ein passendes Grundstück kaufen könnte...