Trotz einer Lösung im TV-Rechtestreit und der finanziellen Absicherung des Deutschen Skiverbandes schlägt die Finanzlage in Deutschlands Wintersportverband Nummer eins immer noch hohe Wellen.

Ehemalige attackieren Hörmann
Die Stimmen gegen DSV-Präsident Alfons Hörmann werden lauter. Der "Sportbild" erklärte der ehemalige Spitzenskispringer Dieter Thoma bereits vor mehreren Tagen: "Wenn man eine Firma so an die Wand fährt, und der DSV ist eine Firma, und ohne Not so viel Geld verliert, dann ist das ein Riesenfehler. Dann muss man die Konsequenzen daraus ziehen und die wurden, aus meiner Sicht, noch nicht gezogen." Hörmann müsse nun in der Niederlage Größe zeigen, um einige Wogen zu glätten, so Thoma weiter. Nun pflichtet ihm auch Ski-Alpin Olympiasieger Markus Wasmeier bei. "Er hat ausgesprochen, was fast alle denken, die sich im Skiverband auskennen", sagte Wasmeier der Zeitung "Die Welt", weil Hörmann fahrlässig die Existenz des Verbandes aufs Spiel gesetzt habe.


Fakten zum TV-Rechtestreit
Nachdem der Vertrag zur Regelung der Übertragungsrechte an deutschen Weltcups in den Sportarten Alpin, Skilanglauf, Nordische Kombination und Skispringen zwischen DSV und RTL am Ende der letzten Saison ausgelaufen war, hatte man sich seitens des Skiverbandes auf die Suche nach möglichen neuen Vertragspartnern begeben. Mit der Agentur Infront konnte man dann im Mai einen neuen Partner präsentieren, mit dem man jedoch Stillschweigen über die Vertragsdetails vereinbart hatte. Mitte Oktober wurde dann bekannt, dass die Vergabe der Übertragungsrechte ins Stocken geraten war, nachdem RTL auf das sogenannte "Matching Offer Right" hingewiesen hatte, dass dem Sender nach eigenen Angaben aus dem alten Vertrag zustünde. Demzufolge hätte RTL das Angebot von Infront überbieten dürfen. Dies sei allerdings aufgrund des Stillschweigens über die Vertragsdetails nicht möglich gewesen. Aufgrund dieser ungeklärten Rechtslage weigerten sich Sender wie zum Beispiel ARD/ZDF die Übertragungsrechte von Infront zu erwerben. Nach gegenseitigen Aufforderungen und Verhandlungen einigte man sich schließlich auf einen Kompromiss. Der DSV zahlt eine Abfindung an RTL und ARD/ZDF übernehmen die Übertragung in dieser Saison, nachdem RTL den Verzicht auf das "Matching Offer Right" bestätigte. Agenturmeldungen zufolge fehlen dem Verband durch diesen Kompromiss jedoch jährlich mehrere Millionen Euro zur Finanzierung seiner Tätigkeiten. Zudem bewege sich die Abfindung an RTL ebenfalls im Bereich mehrerer Millionen Euro.

DSV hält an Hörmann fest
In der Verbandsführung hält man trotz des Störfeuers an Hörmann fest. Bereits zu Beginn des Rechtestreits hatte man bekannt gegeben, dass RTL sein "Matching Offer Right" durch das Desinteresse an den Rechten für Skilanglauf, Alpin und Nordische Kombination verwirkt habe. Auch das lange Schweigen des Senders während der Sommermonate legte man zu eigenen Gunsten aus. Nun, da mit ARD und ZDF zwei Sender für die Übertragungen der Weltcups gefunden werden konnten, lauteten die Pressemeldungen seitens des Verbandes fast durchweg positiv. "Trotz einiger notwendiger Kostensenkungsmaßnahmen, die mit entsprechenden Einschränkungen in verschiedenen Bereichen verbunden sind, bleibt der Deutsche Skiverband damit sowohl im sportlichen wie auch im wirtschaftlichen Bereich ein verlässlicher Partner", erklärte Hörmann.

Große Verdienste Hörmanns
Bei aller Kritik am DSV-Präsidenten vergisst man leicht die Verdienste des wichtigsten Mannes im deutschen Wintersport. Das Wintermärchen Nordische Ski-WM 2005 in Oberstdorf wäre wohl ohne Hörmann nicht möglich gewesen. Auch an der Vergabe der Alpinen Ski-WM 2011 nach Garmisch-Partenkirchen hatte er großen Anteil. Nicht zuletzt war der 47-Jährige einer der Ersten, der München für die Olympischen Winterspiele 2018 ins Gespräch brachte und für die Bestätigung der Kandidatur durch den DOSB geworben hatte.

Nachwuchs der große Leidtragende
Trotz der Einigung wird es jedoch einen großen Leidtragenden dieser missglückten langwierigen Rechteverhandlungen geben. Die Mittel zur Nachwuchsförderung wurden gekürzt und so werden für viele Talente in dieser und den folgenden Saisonen nur begrenzte Mittel zur Durchführung von Trainingsmaßnahmen zur Verfügung stehen. Bereits im Oktober wurden Gletscherlehrgänge der C- und D-Kader abgesagt, in den B-Kadern wird eine Eigenbeteiligung der Athleten gefordert. Mehrere Spitzensportler haben zwar bereits ihre Unterstützung zugesagt, einfach wird die Situation in diesem Winter jedoch nicht. Auch viele Veranstalter bekommen das Finanzloch im DSV zu spüren. So musste der DSV die Etappen der Tour de Ski im Skilanglauf in Oberstdorf abgeben, da das finanzielle Risiko zu groß geworden war. Die Nordische Kombination und das Skispringen kamen noch einmal mit einem blauen Auge davon, nachdem hier viele Veranstaltungsorte Eigeninitiative gezeigt hatten. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Misere im kommenden Jahr nicht wiederholt und bei den dann neuerlich anstehenden Rechteverhandlungen ein besseres Ergebnis erzielt werden kann.