In der kleinen deutschen alpinen Herrenmannschaft gilt Felix Neureuther als Hoffnungsträger. Im Interview mit Ski2b spricht er über die Vorbereitung mit Gesamtweltcup-Sieger Aksel Lund Svindal, seine persönlichen Schwerpunkte im kommenden Winter und die Olympia-Bewerbung Münchens für die Spiele 2018.

Ski2b.com: Hallo Felix, du hast dir gerade eine leichte Sehnenverletzung in der linken Schulter zugezogen. Wie ist es dazu gekommen - und wie geht es dir jetzt?
Felix Neureuther: Ich hab beim Slalom-Training in Neuseeland eingefädelt und bin dadurch auf meine im März operierte Schulter gefallen. Ich hatte dabei Riesenglück, dass es keine größere Verletzung ist, da der Sturz ziemlich heftig war. Am Anfang dachte ich, dass die Saison schon jetzt für mich beendet ist, weil ich fast größere Schmerzen hatte, als damals, als es mir die Schulter ausgekugelt hatte. Aber Gott sei Dank bin ich sehr glimpflich davon gekommen. Momentan geht es mir eigentlich sehr gut. Ich war zur Behandlung meiner Schulter beim Jose Schadhauser, der mir wie immer wahnsinnig geholfen hat. Der hat einfach goldene Hände! Ich bin schon wieder voll im Training. Ich darf halt nur noch nicht viel Krafttraining für den Oberkörper machen, weil die Schulter noch ein bisschen geschont werden muss. Aber sonst passt alles.

Ski2b: Wie beurteilst du deine Vorbereitung bisher und deinen Trainingsstand?
Felix: Die Vorbereitung ist bisher eigentlich optimal verlaufen. Ich hatte eine super Reha und keine weiteren Verletzungen. Ich hab meine Kraft- und Ausdauerwerte wieder im Vergleich zum Vorjahr steigern können. Das Schneetraining in Neuseeland war auch super. Ich hatte dort eine Trainingsgemeinschaft mit Aksel Lund Svindal und dem norwegischen Team. Wir hatten perfekte Bedingungen und konnten super Material testen. Jetzt heißt es, wo es auf die heiße Phase zugeht, seine körperliche Fitness, die man sich im Sommer hart erarbeitet hat, zu halten und bei den Schneetrainings Gas zu geben, um den Rennspeed zu spüren.

Ski2b: Ein Blick zurück: Die letzte Saison hatte für dich Highlights parat wie Beaver Creek und Garmisch - aber auch Rückschläge. Was überwiegt bei dir im Nachhinein?
Felix: Es überwiegen klar die Höhepunkte. Über Rückschläge sollte man nicht zu lange nachdenken, weil man sonst anfängt, sich zu verkopfen. Klar macht man sich Gedanken, was gewesen wäre, wenn ich bei der WM eine Medaille geholt hätte, oder wenn ich mich nicht verletzt hätte. Aber das ist jetzt abgehakt und ich freue mich schon wahnsinnig auf die neue Saison mit hoffentlich noch ein paar Höhepunkten.

Ski2b: Stichwort Material: Welche Neuerungen gibt es bei den Atomic-Skiern? Passt deine Abstimmung bereits?
Felix: In der neuen Saison hat sich einiges im Reglement geändert. Der Radius der Ski ist verkleinert worden, die Platte auf den Skiern ist 0,5 cm niedriger und die Schuhe sind auch um 0,5 cm niedriger. Das alles zusammen macht die Abstimmung nicht mehr so aggressiv und man muss seinen Schwung schon ein bisschen umstellen. Aber wir haben, wie schon vorher gesagt, in Neuseeland sehr viel getestet und eine sehr gute Abstimmung gefunden. Aber es wird sich zeigen, wer damit besser zurecht kommt und wer nicht. Es wird auf alle Fälle ein sehr interessanter Saisonauftakt.


Ski2b: Der deutsche Herrenkader für die neue Saison ist wieder recht klein. Wie sind die Trainingsbedingungen für euch und wie ist die Stimmung im Team?
Felix: Die Trainingsbedingungen sind für uns bis jetzt eigentlich sehr gut. Ich war in Neuseeland und die jüngeren waren in Zermatt. Die Abfahrer sind momentan in Chile. Wir haben eigentlich noch gar nicht zusammen trainiert. Aber wir werden in circa einer Woche zusammen dann auf die Gletscher gehen. Aber die Jungs sind alle ganz gut drauf. Auch wenn es nicht so viele sind wie bei anderen Nationen. Die Stimmung bei uns ist immer gut, weil wir alle ein sehr gutes Verhältnis zueinander haben. Da freut sich jeder, wenn mal einer gut fährt.

Ski2b: Die Herren haben 2007/2008 nur ein Heimspiel. In Garmisch steht nur der Slalom an. Ist das Rennen am Gudiberg für dich der Saisonhöhepunkt - oder fehlt die Kandahar auch ein bisschen?
Felix: Klar fehlt die Kandahar. Die Abfahrt hat in GAP so viel Tradition und es ist sehr schade, dass dieses Jahr keine Abfahrt stattfindet. Es gibt dieses Jahr auch keine WM und keine Olympischen Spiele. Deshalb muss man bei jedem Rennen gut fahren um eine gute Ausgangsposition für die nächste Saison zu haben. Trotzdem ist es immer etwas ganz besonderes ein Heimrennen zu fahren. Und der Slalom am Gudiberg ist für mich das schönste Rennen im Jahr.

Ski2b: Wie sehen deine persönlichen Schwerpunkte für die neue Saison aus - welche Disziplinen willst du fahren?
Felix: Die Hauptdisziplinen werden wie auch vergangene Saison der Slalom und der Riesenslalom sein. Ein paar Super- Kombis werde ich fahren und - je nachdem wie sich mein Körper anfühlt - werde ich auch vielleicht den ein oder anderen Super G fahren. Das mit den schnellen Disziplinen hat aber noch ein bisschen Zeit.

Ski2b: Welche Ziele hast du dir selbst gesetzt?
Felix: Meine Ziele sind in der neuen Saison, dass ich mich im Slalom in der ersten Startgruppe etabliere und dass ich mich im Riesenslalom für das Weltcup-Finale qualifiziere. Ich bin letzte Saison Zweiter und Dritter geworden. Da wär der erste Weltcup-Sieg eigentlich das größte Ziel.

Ski2b: Du bist noch jung und dennoch bereits der Hoffnungsträger bei den deutschen Herren. Belasten dich die Erwartungen - oder kannst du auch Kraft daraus ziehen?
Felix: Sicher macht es das nicht einfacher für mich. Aber ich bin schon damit aufgewachsen, dass die Leute gesagt haben: "Aus dem muss doch was werden." Und deshalb hab ich gelernt, mit so einem Druck auszukommen. Außerdem gibt es ja noch einen Alois Vogl, der immer ein Rennen gewinnen kann, wenn er gesund ist. Und der Stephan Keppler ist auch auf dem besten Weg in den schnellen Disziplinen ganz vorne mitzufahren.

Ski2b: Deine Heimatstadt richtet 2011 die alpine WM aus - nun ist Garmisch-Partenkirchen auch als möglicher Olympia-Gastgeber im Rahmen der Bewerbung für die Spiele 2018 im Gespräch. Was sagst du zur Kandidatur Münchens?
Felix: Das wär natürlich der Hammer, wenn die Olympischen Spiele nach München kommen würden. 2018 bin ich 34 Jahre alt und das wäre mit Sicherheit ein schöner Zeitpunkt, seine Karriere zu beenden. Aber so weit will ich eigentlich noch gar nicht denken. Zuerst steht jetzt diese Saison an, auf die ich mich schon sehr freue. Und in elf Jahren könnt ihr mich dann hoffentlich nochmal fragen, wie es aussieht.

Ski2b: Vielen Dank, Felix, für das Interview - und viel Erfolg für die kommende Saison!