Die Überraschung war groß, als die Verantwortlichen des alpinen Ski-Weltcups Arber-Zwiesel im Juni vom erneuten Zuschlag für die Saison 2007/08 erfahren haben. Vielleicht zu groß. Denn mit der Ankündigung des langjährigen Leiters des Organisationskomitees, Ernst Schneider (71), aus Altersgründen künftig nicht mehr in letztverantwortlicher Position fungieren zu wollen, ist die Region unter Zeitdruck geraten.

Zeichen aus Zwiesel erwartet
Eigentlich sollte die Nachfolgeregelung erst bis zu einem möglichen nächsten Weltcup 2009 über die Bühne sein, doch der Vorstand des Internationalen Skiverbandes (FIS) hat auf seiner Klausur-Tagung im slowenischen Portoroz anders entschieden. Und wartet zusammen mit dem Deutschen Skiverband (DSV) seit Wochen auf ein Zeichen aus Zwiesel. Trotzdem: Die beiden Damen-Rennen (Riesenslalom und Slalom) am 1. und 2. März 2008 scheinen spätestens nach der offiziellen Strecken-Inspektion am 16. August am Großen Arber mit FIS-Chef-Renndirektor Atle Skaardal und Walter Vogel (sportlicher Leiter Alpin beim DSV) nicht mehr gefährdet zu sein. Skaardal merkte allerdings an: „Wir sind sehr gespannt, wie sich die Situation im Zwieseler OK entwickelt und werden uns das genau anschauen.“


Entscheidung in drei Wochen
Der Norweger hatte sonst nur lobende Worte für die örtlichen Veranstalter parat. Die Eindrücke, die er bei den Rennen im März dieses Jahres gewonnen hatte, seien bis auf Kleinigkeiten durchweg positiv gewesen. Daher habe er sich auch für Zwiesel als Ersatz für das schwedische Aare ausgesprochen. Der WM-Ort von 2007 wäre eigentlich im Rennkalender vorgesehen gewesen, gab den Kelch jedoch wegen der zeitgleichen Schulferien weiter. Die zuständigen Verbände, sprich FIS und DSV, haben die Zwieseler Organisatoren voll auf ihrer Seite, die eigene Stadt aber noch nicht. Diese letzte Hürde soll nun in der nächsten Stadtratssitzung in drei Wochen genommen werden.

Schneider weiter federführend
„Das Defizit vom Weltcup 2007 hält sich absolut in Grenzen. Ich sehe daher keinen Grund, warum man gegen eine weitere Veranstaltung sein sollte“, meint Ernst Schneider, der bis zu einer Entscheidung weiter federführend agiert. Dass er einmal nichts mehr mit dem Bayerwald-Weltcup, „seinem Kind“, wie er selbst sagt, zu tun haben wird, kann sich der 71-Jährige nicht vorstellen. Daher wird er auch in der Zeit danach mit im Team sein, hauptsächlich in beratender Funktion.

Langfristig Weltcup-Rennen in Zwiesel
Skaardal und Vogel betonten mehrfach, dass die bevorstehende Entscheidung eine äußerst wichtige sei. Auch deshalb, weil sie allem Anschein nach langfristig mit dem Austragungsort im Bayerischen Wald planen. „Die Leute hier haben bewiesen, dass sie selbst mit den schwierigsten Bedingungen umgehen und beste Voraussetzungen für Ski-Rennen schaffen können“, sprach Skaardal den extremen Schneemangel im vergangenen Winter an. Im Bewusstsein darüber, dass „eine Menge anderer Wintersport-Orte für Weltcups bereit stehen“, will der Ex-Weltmeister an Zwiesel und an der überhaupt einzigen Strecke in einem Mittelgebirge festhalten. „Vom Wetter her sehe ich für technische Disziplinen keine Probleme“, sagte Skaardal. Die Schnee-Unterlage bei Weltcup-Rennen besteht ohnehin nur mehr aus Kunstschnee.

Weichen für die nächsten Jahre sollen gestellt werden
Auf Grund der Ski-WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen wäre der Rhythmus, wonach Arber-Zwiesel im Jahr 2009 zum nächsten Mal an der Reihe gewesen wäre, ohnehin durchbrochen worden. „Umso besser für euch, dass es schon 2008 klappt. Da bleibt das Team gleich richtig im Feuer und kann die Erfahrungen von 2007 am besten einfließen lassen“, sagte Vogel an die Adresse der Organisatoren und kündigte an, bei OK-Präsident und Zwiesels Bürgermeister Robert Zettner noch einmal nachzuhaken. Schließlich sollten die Weichen an der Spitze des Komitees nicht nur für die anstehenden Rennen, sondern schleunigst auch für die folgenden Jahre gestellt werden. Nach derzeitigem Stand könnte der übernächste Weltcup dann im WM-Jahr 2011 stattfinden.

Kleine Änderungen am Arber geplant
Atle Skaardal ist indes bemüht, den Ski-Sport attraktiver zu gestalten, sowohl für Zuschauer an den TV-Schirmen als auch für die am Berg. Am Großen Arber möchte er ein paar Kleinigkeiten verändern, etwa den Zielbereich begradigen und den Slalom-Start auf die andere Seite des Hanges verlegen. „Das kommt den Läuferinnen und vor allem auch den Zuschauern zu Gute. Nicht zuletzt wird dadurch auch die Strecke anspruchsvoller“, sagte er gestern nach der Begehung. Ein Teil der Vorhaben solle schon im März umgesetzt werden. Mit über 8000 Zuschauern an zwei Tagen zählte der Weltcup Arber-Zwiesel in der vergangenen Saison zu den bestbesuchten im gesamten Damen-Weltcup-Zirkus. Skaardal: „Es war eine super Atmosphäre, die wir noch einmal toppen wollen.“