Ski2b sprach mit der Skicrosserin Julia Manhard über die vergangene Saison und auch, wie es mit Skicross in Deutschland bestellt ist.

Ski2b.com: Julia, du hast vor wenigen Wochen dein Abitur geschafft - Herzlichen Glückwunsch! Wie geht es für dich nun weiter - und welchen Stellenwert wird der Sport dabei einnehmen?
Julia: Danke. Ich möchte auf jeden Fall studieren. Da Olympia 2010 in Vancouver mein großes Ziel ist, wird Skicross aber weiterhin sehr wichtig für mich sein. Ob ich allerdings schon zum kommenden Wintersemester mein Studium beginnen werde oder ob ich mich erstmal einen Winter nur auf den Sport konzentriere, weiß ich noch nicht. Ich werde alles tun, um Sport und Studium bestmöglich miteinander zu vereinen.

Ski2b: Der letzte Winter war für die Skicrosser wetterbedingt auch durch viele Rennausfälle geprägt. Was für ein Fazit kannst du von der vergangenen Saison ziehen?
Julia: Da muss man nicht groß erzählen. Ohne Schnee geht's nicht. Der letzte Winter war einfach nur schrecklich.

Ski2b: Wie sieht deine Vorbereitung auf den kommenden Winter aus?
Julia: Über den Sommer absolviere ich mein Ausdauer- und Krafttraining. Mein ehemaliger Alpintrainer Peter Eigler hat mir einen passenden Trainingsplan erstellt. Ab September fängt dann das Schneetraining am Gletscher an. Allerdings muss ich schon kommende Woche wieder an den Berg, um Ski zu testen.


Ski2b: In den alpinen Disziplinen übernimmt die Materialabstimmung in der Regel der Servicemann - wie kommst du an schnelle Skier und das passende Setup?
Julia: Als Mitlied des Wed'ze-Teams (ehemals Quechua) habe ich auch das Glück, von einem Servicemann betreut zu werden. Bei nationalen Wettkämpfen muss ich allerdings selbst dafür sorgen, dass ich schnell bin. In den Jahren lernt man da so einiges dazu. Seine Ski selbst zu präparieren bedeutet aber immer viel Arbeit und wenig Zeit, sich nach Wettkampf und Training zu erholen.

Ski2b: Die Sportart Skicross ist nun olympisch. Wie macht sich das für die Sportler bemerkbar?
Julia: Meinem Empfinden nach ist das Medieninteresse enorm gestiegen. Es waren über den Winter verteilt sehr viele kleine Fernsehberichte auch auf den großen Sendern zu sehen. Der schlechte Winter wirkte der Entwicklung aber ein bisschen entgegen. Außerdem fällt auf, dass immer mehr Skiverbände in den Skicross-Sport investieren.

Ski2b: Du hast es angesprochen: In Frankreich wurden kürzlich neue Strukturen geschaffen, mit einem hauptamtlichen Skicross-Trainer und einem Ganzjahres-Trainingsprogramm. Unter welchen Bedingungen trainieren die deutschen Skicrosser derzeit?
Julia: In den vergangenen Jahren bekamen wir kaum Unterstützung. Im Moment befinden wir uns in einer Übergangszeit. Im DSV werden mittlerweile schon konkrete Konzepte für kommenden Winter erarbeitet, die noch vor Saisonbeginn bekanntgegeben und verwirklicht werden sollen. Die Entwicklung läuft in Richtung FFS.

Ski2b: Was würdest du hier gerne verbessern?
Julia: Es gibt eine Menge zu verbessern. Das fängt bei der finanziellen Unterstützung an. Bis jetzt hat sich jeder von uns seine Wettkämpfe und Trainingslehrgänge selber bezahlt. Wichtige Weltcups in Übersee waren da halt nicht für jeden drin. Aber es fehlte auch an den Grundlagen wie z.B. einem richtigen Trainer. Ich bin optimistisch für die Zukunft.

Ski2b: Die German Skicross Tour geht 2007/2008 weiter, mit Oberstdorf als Schlusspunkt. Welchen Stellenwert hat die nationale Rennserie für dich?
Julia: Die nationale Serie ist ein gutes Training. Da sich Weltcup und German Skicross Tour aber immer häufiger überschneiden werden, bleibt dafür immer weniger Zeit. Ich hoffe allerdings, dass ich zu meinem Heimrennen in Pfronten an den Start gehen kann.

Ski2b: Du sprachst den Weltcup an. Dieser wurde um einige Rennen ausgebaut - was rechnest du dir hier aus?
Julia: Ich versuche mich bis zum Saisonende noch mehr zu steigern. Letzten Winter war ich mit meiner eigenen Leistung nicht ganz zufrieden, es gab aber kaum Wettkämpfe, um verpatzte Rennen wieder "auszubügeln". Zudem denke ich, wird der Kampf um die Weltcupgesamtwertung um einiges spannender sein als im letzten Winter.

Ski2b: Welche Ziele hast du dir selbst für den kommenden Winter gesetzt?
Julia: Ganz klar: Top 4-Platzierungen im Weltcup, d.h. ein Einzug ins große Finale. Dafür muss ich unbedingt meine Starts verbessern. Das ist das erste wichtige Ziel für den Herbst.

Ski2b: Julia, vielen Dank für das Interview und weiterhin eine gute Vorbereitung.