Die ehemalige Skirennläuferin Martina Ertl-Renz war im vergangenen Winter erneut als Ski-Expertin tätig. In diesem Sommer erwartet sie ihr erste Kind. Ski2b.com sprach mit Ertl-Renz über ihr 'neues' Leben und auch den Ski-Weltcupwinter 2006/2007.

Ski2b.com: Hallo Martina, zum zweiten Mal bereiten sich die alpinen Athleten nun bereits ohne Dich auf die kommende Saison vor. Hast Du Dich inzwischen daran gewöhnen können?
Martina Ertl-Renz: Ich hab mich sehr gut an die Zeit nach der sportlichen Karriere gewohnt und genieße die Zeit zu Hause.

Ski2b: Für Dich persönlich hat mit dem Rücktritt ein völlig neuer Lebensabschnitt begonnen. Du führst mit Deinem Mann Sven Renz ein Sportgeschäft, bist im Fernsehen als Kommentatorin dabei. Wie gefällt Dir Deine neue Rolle?
Martina: Es ist schön auch nach dem "Sportlerdasein" eine Aufgabe zu haben. Meinen Mann in unserem Geschäft Ertl/Renz zu unterstützen macht mir sehr viel Spaß. Im Winter bei der ARD als Expertin dabei zu sein, ist natürlich auch toll für mich. Ich kann meine Erfahrung aus 15 Jahren Ski-Weltcup weitergeben, bin immer noch in sehr gutem Kontakt mit den Athletinnen und Trainern und hoffe natürlich dadurch auch, den alpinen Skisport, interessant und spannend bis in die Wohnzimmer der Zuschauer zu transportieren.

Ski2b: Gibt es auch etwas, dass Du aus Deiner Zeit als Profisportlerin vermisst?
Martina: Es war eine wunderschöne Zeit als Skirennläuferin und ich bin immer gerne Rennen gefahren, habe genauso gerne trainiert und mir würde es schon Spaß machen, bei super Bedingungen durch einen Riesenslalom zu fahren. Auch war die Zeit schön, im Team und mit den Trainern. Aber dafür habe ich jetzt andere Dinge, die mir sehr viel Freude bereiten. Ich kann viel häufiger mit meinem Mann zusammen sein und wir freuen uns natürlich riesig auf unser erstes Kind. Zudem bauen wir gerade ein Haus in Lenggries, also gibt es auch viele schöne Aufgaben abseits des Sportlerdaseins.

Ski2b: Nun steht bereits wieder eine neue Rolle für Dich an. Du wirst im August Mutter - dazu herzlichen Glückwunsch! Habt ihr schon einen Namen für das Kind ausgesucht?
Martina: Wir haben schon einen Namen für unser Kind, aber der wird nicht verraten.


Ski2b: Werden wir Dich im kommenden Winter dennoch wieder als ARD-Expertin erleben - oder planst Du eine Pause?
Martina: Wenn alles normal läuft, werde ich in der kommenden Saison gerne wieder für die ARD als Expertin tätig sein.

Ski2b: Ein Blick zurück auf den letzten Winter. Anja Pärson dominierte bei der Heim-WM in Are, die Österreicherinnen gaben im Weltcup den Ton an. Welche Leistung hat Dir am meisten imponiert?
Martina: Am meisten hat mich wirklich der Auftritt von Anja Pärson bei ihrer Heim-WM beeindruckt. Sie hatte bis dato eine schlechte Saison und dann doch all dem Druck stand gehalten und eine souveräne Leistung gezeigt.

Ski2b: Janica Kostelic ist endgültig zurückgetreten - trotz ihrer noch jungen Jahre. Warst Du überrascht von ihrem Entschluss? Wie bewertest Du ihn?
Martina: Ich war nicht wirklich überrascht. Ich glaube sie war einfach ausgepowert, nach all den harten Jahren mit Verletzungen und so unglaublich vielen Trainingseinheiten. Ich kann verstehen, wenn sie einfach mal "Leben" will, ohne Druck ihres Vaters und der Nation. Obwohl ich es sehr bedauere, denn die Janica hätte sicher noch einige erfolgreiche Jahre vor sich gehabt und durch sie war der Skiweltcup, auch aufgrund der Duelle mit Anja Pärson, immer spannend.

Ski2b: Eine junge deutsche Damen-Mannschaft wird in der kommenden Saison auf Punktejagd gehen. Wem traust Du zu, um Spitzenplätze mitzufahren?
Martina: Maria Riesch auf jeden Fall. Sie hatte im März ein starkes Finale hingelegt, war in allen Disziplinen in den ersten zehn. Auch Katy Hölzl hat mit ihrem ersten Podestplatz aufhorchen lassen, sie ist jetzt stark im Kopf und ihr traue ich einiges zu. Bei Annemarie Gerg hoffe ich, dass sie sich von ihrer Knie-Operation gut erholt und sie sollte dann auch im Stande sein, im Slalom ganz vorne mitzufahren. Aber auch der Rest der jungen Mannschaft ist sicher schon soweit, das ein- oder andere Mal vorne mitzufahren.

Ski2b: Du hast in deiner Karriere einige Materialumstellungen mitgemacht. Nun gibt es wieder einige Veränderungen bezüglich Skibreite und Bindungshöhe. Wie schwierig ist es für die Fahrerinnen, sich auf das neue Material einzustellen?
Martina: Es ist sicher immer etwas schwierig, sich auf neues Material einzustellen, wobei dies jetzt nur kleine Veränderungen sind, wenn man das mit den Umstellungen auf die Carving Skier vergleicht.

Ski2b: Wann geht es mit Deinem Nachwuchs zum ersten Mal auf die Skier? Sind diese schon gekauft?
Martina: Darüber hab ich ehrlich gesagt noch gar nicht nachgedacht. Alles zu seiner Zeit.

Ski2b: Martina, vielen herzlichen Dank für das Interview und alles Gute für die Geburt deines Kindes.