Der Österreicher Mathias Berthold war im Winter 2006/2007 in seiner ersten Saison als DSV-Cheftrainer der Damen in der Verantwortung. Im Interview mit Ski2b blickt Berthold ausführlich auf den vergangenen Weltcup-Winter zurück und erläutert, wie sich sein Team auf die kommende Saison vorbereitet.

Ski2b.com: Die Weltcup-Saison 2006/2007 ist noch nicht lange vorbei - wie habt ihr als Team und du persönlich die Zeit von Ende März bis Mai verbracht?
Mathias Berthold: Wir versuchten im April, die guten Bedingungen in den Skigebieten so gut wie möglich zu nutzen und verbrachten deshalb bis zum 22. April sehr viel Zeit auf Schnee beim Training und bei Materialtests. Direkt im Anschluss daran bekam das Team zwei Wochen Urlaub und am 10. Mai erfolgt der Auftakt zum Skitraining im Mai, wo wir nochmals drei Lehrgänge mit je vier Tagen auf dem Pitztaler Gletscher verbringen werden. Ich selbst war eine Woche beim Golfen in der Türkei.

Ski2b: Im letzten Winter warst Du zum ersten Mal als DSV-Cheftrainer der Damen in der Verantwortung. Wie fällt Dein Fazit nach der Saison aus?
Mathias: Das Fazit nach der ersten Saison als Cheftrainer fällt sicherlich zweigeteilt, im Großen und Ganzen aber doch eher positiv aus. Athletinnen wie Maria Riesch, Kathi Hölzl und Viktoria Rebensburg haben sich überdurchschnittlich gut weiterentwickelt und sind auf einem absolut guten Weg. Andere junge Athletinnen wie Susanne Riesch, Carolin Fernsebner, Vroni Staber, Fanny Chmelar und Gina Stechert zeigten zwar ansatzweise, dass sie ein sehr großes Potenzial haben, waren aber aus verschiedenen Gründen leider noch nicht in der Lage, eine Saison auf konstant hohem Niveau durchzufahren. Monika Bergmann-Schmuderer, die sich selbst auf die Saison vorbereitet hatte, konnte zwar konstant auf Platzierungen um die Ränge 6 bis 10 fahren, von den Top-Ergebnissen, die sie vor ein paar Saisons erzielen konnte, war sie allerdings leider um einiges entfernt. Große Verletzungssorgen hatte Annemarie Gerg über die ganz Saison. Sie konnte leider schon während der Vorbereitungsphase nur in sehr geringem Umfang trainieren und wurde durch die ganze Wettkampfphase immer wieder von ihren Problemen mit dem Knie gebremst. Sie konnte zwar mit dem 2. Rang beim Slalom in Val d`Isere das beste Resultat ihrer Kariere erzielen, hatte andererseits allerdings eine sehr hohe Ausfallquote. Petra Haltmayr hatte eine Saison, die überhaupt nicht nach Wunsch verlief, und sie zog dementsprechend daraus die Konsequenzen und beendete ihre Karriere. Schmerzhaft vermisst haben wir in dieser Saison Anja Blieninger. Sie war leider nach dem schweren Sturz beim Einfahren für das WC-Rennen in Ofterschwang und der daraus resultierenden Verletzung noch nicht in der Lage, an den Rennen der Saison 06/07 teilzunehmen. Ihre Trainingsleistungen waren allerdings hervorragend und ich bin überzeugt davon, dass sie bei entsprechendem Heilungsverlauf sehr gute Möglichkeiten haben wird, den Schritt an die erweiterte Weltspitze zu schaffen. Abschließend könnte man sagen, dass das Slalomteam nach sehr erfolgreichem Start in die Saison sicherlich deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb. Das Riesenslalomteam hingegen konnte sich sehr gut entwickeln und hier sehe ich im Moment ein sehr hohes Potenzial. In den Speeddisziplinen sind wir als Mannschaft praktisch nicht mehr vorhanden, hier ruhen unsere Hoffnungen auf Maria Riesch und Gina Stechert. Diese Entwicklung war für uns sicherlich absehbar, und es wurden bereits durch Trainingsoffensiven in diesem Bereich erste Maßnahmen unternommen, um auf breiterer Basis wieder den Anschluss finden zu können. Bis wir hier allerdings auch mannschaftlich wieder in der Lage sein werden, ein starkes Team stellen zu können, wird es mit Sicherheit etwas dauern und zur Geduldfrage werden.

Ski2b: Du hast es erwähnt, der nächste Winter wirft schon wieder seine Schatten voraus. Die Teams starten mit den Vorbereitungen für die neue Saison. Wie sieht es beim DSV mit den einzelnen Gruppen aus?
Mathias: Es gibt aufgrund der eben erwähnten Problematik im Bereich Speed keine Abfahrtsmannschaft mehr, das heißt die LG I besteht nur noch aus einer Gruppe, die sich aus elf Athletinnen zusammen setzt. Innerhalb dieses Teams können wir in Kleingruppen trainieren und damit die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Läuferinnen perfekt abdecken. Jede dieser Athletinnen konnte in der letzten Saison Weltcup-Punkte erzielen. Dies bedeutet, das die Unterschiede im Niveau der einzelnen Athletinnen nicht allzu groß sein sollten. Direkt darunter haben wir die Gruppe LG IIA, welche die Läuferinnen beinhaltet, die vorwiegend im Europacup tätig sein werden, bei guter Entwicklung aber auch jederzeit die Chance haben werden, sich im Weltcup zu bewähren. Neu ist eine Gruppe mit sehr taltentierten jungen Läuferinnen (Jahrgänge 89/90), die von zwei ehemaligen Trainern aus dem Weltcup-Bereich trainiert wird. Als vierte Gruppe dann noch die LG IIC, in der unsere ganz jungen Athletinnen trainiert werden. Wir haben unsere Gruppen verkleinert, um noch besser trainieren zu können und um unsere jungen Athletinnen noch besser fördern und entwickeln zu können. Dieser Verkleinerung der Teams fielen leider einige Athletinnen zum Opfer, welche die Kaderkriterien nicht erfüllen konnten.

Ski2b: Du erwähntest bereits die Lehrgänge im Mai. Wie sieht der Fahrplan für die nächsten Wochen aus?
Mathias: Nach den Lehrgängen im Mai werden wir im Juni vorwiegend im konditionellen Bereich tätig sein. Zu Beginn des Monats steht ein achttägiger Lehrgang in Riccione auf dem Program, anschlißend dann zwei Wochen Heimtraining, bevor der nächste zentrale Lehrgang in Ottobeuren folgt. In den Monaten Juli/August stehen einige Tage Skitraining auf den Gletschern bzw. in der Skihalle in Dubai auf dem Programm. Das Übersee-Training wird, nach den guten Erfahrungen aus dem Vorjahr, wieder in Argentinien stattfinden. Die Dauer wird allerdings etwas länger als in den letzten Jahren sein.


Ski2b: Wo werden dann in der ersten Phase die Schwerpunkte gesetzt?
Mathias: In dieser ersten Schneetrainingsphase im Mai werden wir vorwiegen im Bereich Skitechnik und Speedtraining arbeiten. Die Monate Juni und Juli gelten vorwiegend dem konditionellen Bereich.

Ski2b: Zur neuen Saison wird es Veränderungen beim Material geben. Kannst du diese kurz erläutern?
Mathias: Es gibt einige Veränderungen im Materialbereich. So gibt es beim Ski ein neues Limit, dass die minimale Breite am schmalsten Teil des Skis betrifft, und auch die Standhöhe wurde geringfügig verringert.

Ski2b: In wie weit beeinflusst das neue Reglement die Trainingsarbeit?
Mathias: Die Veränderungen beeinflussen die Trainingsarbeit nur in sehr geringem Ausmaß, da einerseits das neue Material teilweise von einigen Athletinnen schon in der vergangenen Saison benutzt wurde, und andererseits die Veränderungen so geringfügig sind, dass die Läuferinnen keinen großen Unterschied spüren. Der Umgang mit dem neuen Material war einer der Schwerpunkte bei den Trainingsinhalten unserer Schneelehrgänge im April.

Ski2b: In der Saison 2007/2008 stehen weder WM noch Olympische Spiele an. Geht man anders in einen Winter ohne gesonderten Höhepunkt?
Mathias: Für unser junges Team ist auch eine Saison ohne WM oder Olympische Spiele etwas Besonderes und eine große Herausforderung.

Ski2b: Bis zum Start des Weltcup-Winters 2007/2008 ist es noch gut ein halbes Jahr. Kannst Du dennoch schon einmal einen kleinen Ausblick auf den kommenden Winter wagen - was können wir Deiner Meinung nach von den DSV-Damen erwarten?
Mathias: Die Zeit bis zum Beginn der neuen Saison wird wie im Fluge vergehen. Es wird für unser Team ein Winter werden, indem noch mehr Läuferinnen den Anschluss an die Weltspitze finden sollten. Wir erwarten uns eine ganz klare Leistungssteigerung aller Läuferinnen gegenüber dem Vorjahr. Die Leistungen müssen konstanter über die ganze Saison erbracht werden und ich erwarte, dass zusätzlich zwei bis drei jüngere Läuferinnen den Sprung in das Weltcup-Team schaffen werden.

Ski2b: Welche Läuferinnen hast du denn da im Blick, die den Sprung in das Weltcup-Team schaffen könnten?
Mathias: Es gibt da sicherlich einige neue Namen. Man sollte allerdings, bevor man hier Namen nennt, noch die Entwicklungen in der kommenden Vorbereitungsphase abwarten, um ein klareres Bild zu erhalten.

Ski2b: Mathias, vielen Dank für das ausführliche Interview und eine gute Vorbereitung auf die neue Saison.