© Atomic
Rekorde, schlechtes Wetter und ein spannendes Finale: Der alpine Weltcup 2006/2007 bot einiges an Neuem - so wurde erstmals auch ein Kombinations-Weltcup ausgefahren. Insgesamt 71 Rennen konnten ausgetragen werden, am Ende waren Aksel Lund Svindal und Nicole Hosp die Sieger. Ski2b wirft einen Blick zurück.

Verschiebungen werden zum Regelfall
Der Winter hatte den alpinen Weltcup über die ganze Saison fest im Griff - allerdings nicht so, wie man es sich vielleicht gewünscht hätte. Wegen warmem Wetters und mangelndem Schnee fiel zuerst der Opener in Sölden ersatzlos aus, dann gab es Chaos und Verschiebungen bei fast jedem zweiten Rennen auf europäischem Boden. Dabei machte das Wetter auch vor den großen Namen nicht halt. Die Streif in Kitzbühel wehte Sturmtief Kyrill von der Agenda, der Super-G am Hahnenkamm konnte nicht einmal mehr nachgeholt werden. Wer im Dezember noch absagen musste, konnte im neuen Jahr schon wieder Ausweichort sein - wie in Val d'Isere gesehen. Für den Sport waren diese Bedingungen ein Tiefschlag und förderten Startnummernrennen, verkürzte Strecken und - im besten Falle - sulzige Bedingungen. Selten sah man ein Rennen bei 15 Grad plus wie in Wengen, wo die Betreuer Mitte Januar im T-Shirt am Streckenrand standen. In Garmisch zauberte man trotz zweistelliger Plusgrade ein Schneeband auf die Kandahar, während rundum alles grünte. Das war eine organisatorische Meisterleistung.

Schild jagd Slalom-Rekorde
Sieben von neun Slalom-Rennen in diesem Winter gewann Marlies Schild. In Anwesenheit von Janica Kostelic konnte niemand ihr im Stangenwald das Wasser reichen. Mit teilweise über zwei Sekunden Vorsprung zerlegte sie dabei die Konkurrenz und konnte beinahe auch den Gesamt-Weltcup erobern. Die Rekordmarke von acht Saisonsiegen im Slalom - aufgestellt von Kostelic - verpasste Schild aber beim letzten Rennen in Lenzerheide. Doch auch in der Kombination war sie durch ihre technischen Fähigkeiten die erste Weltcup-Siegerin. Einzig bei der WM verpasste sie den Sprung an die Spitze. Letztlich reichte es immerhin für die Spitzenposition in der Geldrangliste - niemand holte mehr Preisgeld als Schild.

Götschl erobert erneut die Speed-Throne
Super-G und Abfahrt, das war 2006/2007 eine klare Sache für Renate Götschl. Mit den Skiern von Michaela Dorfmeister trat die zu Atomic gewechselte Speed-Queen auch gleich die Nachfolge der Landsfrau an und holte beide Kristallkugeln. Da die einzige ernsthafte Konkurrentin Lindsey Kildow aus den USA nach der WM verletzt ausfiel und auch Julia Mancuso nicht die Konstanz Götschls aufwies, war die Österreicherin letztlich nicht aufzuhalten. 46 Siege stehen nun auf ihrem Weltcup-Konto, darunter nunmehr zehn an ihrem Lieblingsort Cortina - dieser Rekord könnte sogar für die Ewigkeit bestimmt sein, wenn sie ihn nicht selbst noch weiter ausbaut. Ein Lichtblick für den DSV war Maria Rieschs Speed-Comeback in Lake Louise. Sie siegte dort völlig überraschend und sorgte damit für den einzigen Erfolg für Deutschland in diesem Winter.

Hosp gewinnt den Showdown
Die Österreicherinnen waren in der Saison 2006/2007 einfach nicht zu schlagen. 23 von 35 Rennen gewannen Fahrerinnen aus Österreich, 54 von 105 Podestplätzen gingen an die Alpenrepublik. So war es kein Wunder, dass am Ende alle sechs Kristallkugeln nach Österreich wanderten. Am erfolgreichsten war dabei Nicole Hosp. Sie setzte sich im Riesenslalom als beste Fahrerin durch, war aber auch in Slalom und Super-G Zweite, sowie Dritte in der Kombinationswertung. Auch in der Abfahrt sammelte Hosp einige Punkte und gewann damit erstmals den Gesamt-Weltcup. Ihr deutlicher Sieg beim letzten Rennen in Lenzerheide, der beide Kugeln perfekt machte, war ein krönender Höhepunkt einer sehr guten Saison. Es war zugleich der Schlusspunkt eines langen Vierkampfes, den Hosp, Schild Götschl und Mancuso bis zum Ende zugunsten des Skisports ausgetragen hatten.

Svindal schlägt Raich
Auch bei den Herren bot die Entscheidung im Gesamt-Weltcup viel Spannung - und das bis zum letzten Durchgang. Erst als feststand, dass Aksel Lund Svindal als 15. des abschließenden Slaloms punkten würde, war auch die große Kugel vergeben. Vor dem Finale hatte noch Raich die besten Karten - doch Svindal gewann drei von vier Rennen und stellte mit diesem Schlussspurt auch die kleine Kugel für den Riesenslalom sicher. Auch die Kombinationswertung gewann der sympatische Norweger, dazu zwei WM-Titel. Keine Frage - er ist der König der Skifahrer in diesem Jahr. Der Zweitplatzierte Benjamin Raich scheiterte letztlich an 13 Punkten - eine Winzigkeit nach 36 absolvierten Rennen.

Slalom: Dreikampf um die Kugel
Im Slalom zeigte sich das Teilnehmerfeld sehr dicht. Seriensiege a la Rocca im Winter zuvor gab es nicht, der Italiener selbst gehörte zu den Enttäuschungen des Winters. Überzeugen konnten die Schweden, bei denen Routinier Markus Larsson einmal gewinnen konnte, aber ein Youngster erwies sich als noch stärker: Jens Byggmark siegte gleich doppelt in Kitzbühel und machte sich damit einen Namen. Danach riss mit Mario Matt ein Österreicher das Heft an sich, für wenige Wochen war er das Maß der Dinge. Doch in der Lenzerheide setzte dann Raich die Maßstäbe und gewann so doch noch eine Kristallkugel, zugleich die einzige für die ÖSV-Herren. Auch aus deutscher Sicht gab es Höhepunkte im Slalom: Alois Vogl einmal und Felix Neureuther zweimal kamen auf das Siegerpodest. Neureuthers zweiter Platz in einem hochklassigen Wettkampf auf dem Gudiberg war dabei wohl das Highlight der Saison aus Sicht des DSV. Vor Saisonende verletzte sich der Deutsche jedoch und verpasste damit weitere Erfolge.

Cuche bester Abfahrer
Michael Walchhofer war in den letzten beiden Jahren Abfahrts-Weltcupsieger. In diesem Jahr hatte er sich noch mehr vorgenommen, aber wie viele Speed-Stars des ÖSV stand auch er in der Krise. Ganze 13 Rennen musste die Skination Nummer eins auf einen Herren-Sieg verzichten, eine Katastrophe für die erfolgsverwöhnte Alpenrepublik. Walchhofer beendete diesen Fluch mit einem Dopelsieg in Bormio, doch danach blieb er wieder blass. Die Besten waren dagegen Marco Büchel und vor allem Didier Cuche, dem bis zum vorletzten Rennen aber noch ein Sieg fehlte. In Kvitfjell gelang ihm dieser, zugleich hatte er damit die kleine Kugel vorzeitig sicher.

Super-G verliert an Fahrt
Es war nicht die Saison des Super-G. Die Disziplin - ohnehin gestrafft durch die zusätzlichen Termine für die Super-Kombination - wurde bei den Wetterproblemen von der Rennleitung als Streichoption Nummer eins behandelt. Zwischen Dezember und März fanden fast drei Monate gar keine Rennen mehr statt. Die Top-Fahrer murrten über die 30er Startregel, die besonders bei warmen Bedingungen einen Nachteil bedeutet. Vielleicht auch deshalb stellte FIS-Renndirektor Günter Hujara beim Saisonfinale die Disziplin komplett zur Disposition, um den Terminkalender zu entlasten. Sportliche Entscheidungen gab es aber auch. Bode Miller - angetreten mit dem Ziel, 14 Saisonsiege einzufahren, gewann immerhin hier zwei Rennen. Weitere gute Plätze reichten aus, um die kleine Kristallkugel zu erringen. Ein kleiner Trost für eine einmal mehr durchwachsene Saison für den Amerikaner.

Neuheit: Super-Kombination
Erstmalig wurden die kleinen Kugeln auch in der Super-Kombination vergeben - doch dieser Wettkampf geriet schnell unter Beschuss. Denn ob bereits nach nur drei oder vier Rennen wirklich eine Kristallkugel vergeben werden sollte, bleibt umstritten. Schließlich sicherten sich Svindal und Schild die Wertungen. Sportlich präsentierte sich der Wettbewerb als belebende Ergänzung mit vielen Überraschungen, der durch die vielen Punkte durchaus zum Entscheidungsfaktor um den Gesamt-Weltcup werden kann.

Comeback für die Schweiz - USA fallen zurück
In der Nationenwertung ist und bleibt Österreich das Maß der Dinge. Insgesamt 14.735 Zähler stehen für Team Austria zu Buche, da die enorm starken Damen mit über 8000 Punkten die schwächeren Herren auffangen konnten. Von Rang fünf auf Platz zwei ging es für die Schweiz, dank der Erfolge von Cuche und Co. Die USA verloren dagegen an Boden und sind nun nur noch Dritter. Runter von Platz vier auf 13 ging es für die kroatischen Damen, bei denen mit Janica Kostelic das Zugpferd fehlte.


DSV: Licht und Schatten
Für den DSV war es wie schon im Jahr zuvor ein Aufbauwinter. Beim Kampf um das Podest zeigten sich die deutschen Fahrer selten, besonders bei den Herren sind außer dem Slalom viele Disziplinen weiter verwaist. Im Nationen-Cup der FIS schlägt sich das kaum nieder. Damen und Herren klettern jeweils einen Rang auf Position sieben und zwölf, in der Gesamtwertung bedeutet das Rang acht. Rund vierhundert Punkte mehr als im Vorjahr sammelten die DSV-Aktiven immerhin. Positiv fiel Maria Riesch in ihrer ersten Saison nach zwei Jahren Abstinenz auf. Mit einem Sieg und zum Saisonausklang ansteigenden Formwerten schnitt sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten ab. Auch Felix Neureuther überzeugte und hatte Pech, als er sich in Kranjska Gora verletzte und so zwei Rennen verpasste. Ein Lichtblick war auch Kathrin Hölzl, die sich im Riesenslalom in der Weltspitze etablieren konnte. Hoffnung machten auch die Auftritte von Viktoria Rebensburg im Riesenslalom. Im Slalom der Damen herrschte am Anfang viel Licht, als Susanne Riesch, Annemarie Gerg und Monika Bergmann-Schmuderer punkten konnten. Zum Saisonende sah man von Riesch und Gerg vielfach nur Ausfälle. Stephan Keppler war der einzige Deutsche, der im Speed-Bereich unter die Top-Ten vorfahren konnte. Hier tut sich auch bei den Damen ein Loch auf. Petra Haltmayr trat nach einer enttäuschenden Saison zurück.