Die Abfahrt der Herren in Lenzerheide eröffnete die Weltcup-Finals 2007. Dabei konnte Aksel Lund Svindal nach teils chaotischem Verlauf letztlich den Sieg erringen und somit auch seine Ausgangsbasis im Gesamt-Weltcup klar verbessern. In 1:18.97 Minuten meisterte er den verkürzten Kurs und distanzierte damit knapp den Schweizer Daniel Albrecht (+ 0,05) und Christoph Gruber (AUT, + 0,07). Deutsche Fahrer waren nicht am Start.

Kein Tag wie jeder andere
Es war keine normale Weltcup-Abfahrt in Lenzerheide. Wegen mangelnder Schneedecke starteten die Herren vom tieferen Damen-Startpunkt aus. Dann fiel ein Öltank im Zielgelände um, 800 Liter flossen in die Erde. Daher verlegte die Jury die Ziellinie etwas nach vorne. Dann kam der Start, bei Sonnenschein und eigentlich guten Bedingungen. Doch der selektive Kurs der Silvano-Beltrametti-Piste sollte seine Opfer fordern.

Kernen und Dalcin stürzen schwer
Zwei schwere Stürze überschatteten das Rennen. Mit Startnummer 17 ging Bruno Kernen ins Rennen und flog spektakulär ab. Nach einem Ausheber ging erst ein Ski in die Luft, verkantete beim Aufkommen, Kernen fädelte dann am nächsten Tor ein und hatte keine Chance mehr, sich abzufangen. Mit voller Geschwindigkeit raste der Schweizer durch beide Sicherheitszäune hindurch und blieb liegen. Kernen wurde ebenso mit dem Hubschrauber ausgeflogen, wie nach ihm Pierre Emmanuel Dalcin aus Frankreich. Dieser war ebenfalls schwer gestürzt. Beide Vorfälle sorgten für eine jeweils lange Unterbrechung des Rennens.

Albrecht und Ligety überraschen
Der anspruchsvolle Kurs kam dabei den technisch starken Fahrern entgegen. Daniel Albrecht (SUI) und Ted Ligety (USA) überraschten mit guten Zeiten in der eigentlich ungeliebten Disziplin. Begünstigt durch die niedrige Startnummer konnten sie sich damit auf die Ränge zwei und vier vorfahren. Christoph Gruber schob sich mit einem mutigen Lauf noch dazwischen, sonst konnten die eigentlichen Speed-Spezialisten zunächst nicht mithalten. Die Abstände an der Spitze waren aber denkbar eng. Zum Schluss trennten die besten sechs Athleten gerade eine Zehntelsekunde. Winzigkeiten entschieden damit über Sieg - oder Rang fünf. Da sah es auch für den Weltcup-Führenden Benjamin Raich zunächst schlecht aus, denn er kam mit einer knappen Sekunde Rückstand ins Ziel. Dennoch sollte es für einige Punkte für ihn noch reichen.

Svindal rast an die Spitze
Nach dem Sturz von Kernen kamen nur zwei Fahrer auf die Piste, ehe wegen des erneuten Unfalls von Dalcin wieder unterbrochen wurde. Zunächst verpatzte Fritz Strobl aus Österreich seine Fahrt. Danach legte Svindal los. Ohne Furcht setzte er eine sehr enge Linie und bewies sehr viel Skigefühl. Bis zum Schluss auf Zug, konnte er tatsächlich Albrechts Bestmarke knacken, wenn auch nur um fünf Hundertstel. Diese Führung sollte Svindal behaupten, denn nach der zweiten Unterbrechung gab die weicher werdende Piste keine Bestzeit mehr her.

Miller, Büchel und Cuche stark - aber geschlagen
Im letzten Teil des Rennens kamen die nominell besten Abfahrer zum Zug. Doch kaum einer konnte dies bestätigen. Die zuletzt formstarken Erik Guay (CAN) und Mario Scheiber (AUT) gingen am Ende ebenso ohne Punkte aus wie Peter Fill aus Italien. Gute Fahrten zeigten Marco Büchel (LIE) und Bode Miller (USA), doch mit einer kanppen halben Sekunde Rückstand landeten sie nur auf den Rängen acht und neun. Vor allem im oberen Abschnitt gab die Piste keine sehr guten Zeiten mehr her. Das musste auch Didier Cuche erfahren. Der Abfahrts-Weltcupsieger fuhr beinahe perfekt und hatte so die Zeit von Svindal als einziger noch in Reichweite. Ein kleiner Fehler kurz vor Schluss warf ihn aber doch noch um eine Zehntelsekunde zurück - und damit auf Rang fünf, den er mit Hermann Maier zeitgleich teilte.


Svindal holt auf
Durch den Sieg macht Aksel Lund Svindal seinen Rückstand im Gesamt-Weltcup auf Benjamin Raich fast wett. Drei Rennen vor Schluss liegt der Österreicher mit 1075 Zählern nun 23 Punkte vor dem Norweger. Didier Cuche kostete die Zehntelsekunde letztlich viele Punkte, mit nunmehr 1008 Zählern sind seine Chancen bei zwei noch ausstehenden Technikrennen und einem Super-G doch gering. Im Abfahrts-Weltcup änderte sich wenig. Mit 652 Punkten beendet Cuche die Saison als Erster vor Büchel (471) und Guay (393). Am 15. März steht nun der Super-G für die Herren auf dem Programm.