Der Franzose Enak Gavaggio hat bei der Skicross-Weltmeisterschaft in Madonna di Campiglio (ITA) die Bronzemedaille gewonnen. Im Interview mit Ski2b spricht er über das Finale und erklärt, warum er die FIS-Rennen nicht gut findet.

Ski2b: Enak, herzlichen Glückwunsch zur Bronzemedaille. Bist du damit zufrieden und wie ist das Finale aus deiner Sicht gelaufen?
Enak Gavaggio: Ich bin etwas enttäuscht über das Resultat. Ich war mir vor dem Start eigentlich sicher, dass ich das Rennen gewinnen könnte, aber wie immer habe ich einige Fehler gemacht. Ich bin da wie ein kleines Kind, dass sich nicht mehr als zehn Sekunden konzentrieren kann. Ich hatte im Finale einen sehr guten Start. Darauf hatte ich den ganzen Tag gewartet und war in einem schönen Kampf mit Tomas Kraus. Doch dann machte ich einen 'doofen' Fehler, ungefähr 25 Meter nach dem Start und ich fiel zurück. Ich hatte dann zwar mehr Speed als Stanley Hayer und habe versucht, ihn zu überholen, aber ich habe ein Tor berührt und mein Tempo verloren. Danach war ich so sauer auf mich, dass ich mich nicht mehr genug konzentriert habe, um den Fight wieder aufzunehmen.

Ski2b: Wie war der Kurs in Madonna im Vergleich zu den Kursen, die du vom Weltcup oder den Crossmax International Kursen kennst?
Enak: Das Rennen war ziemlich gleich wie bei allen FIS-Rennen. Diese sind nicht sehr spannend und die Landungen sind alle im Flachen. In 50 Rennsekunden gab es in Madonna gerade einmal vier Sprünge, dennoch nennt die FIS dies Skicross. Ich bin mir langsam nicht mehr sicher, dass sie den selben Sport wie wir meinen. Aber wenigstens war das Rennen nicht so schlecht. Sie haben es mehr wie einen Super-G gestaltet und nicht mehr wie einen Riesenslalom und sie haben verstanden, dass wir nicht so viele Tore brauchen, um zu überholen.

Ski2b: Du fährst auch Rennen in Übersee wie den Jeep King oder die Honda Ski Tour. Was ist der Unterschied zwischen diesen Rennen und den europäischen Rennen?
Enak: Der Jeep King ist unterschiedlich, denn das ist ein Legenden-Rennen, bei dem die Rennen sehr einfach sind. Aber bei der Honda Ski Tour geht es ganz anders zur Sache. Das ist stark und Skicross, wie ich es mir vorstelle, wie alle Skicrosser es haben wollen. Dies hat den gleichen Spirit wie der Tignes Airwaves. Die Verantwortlichen dort hören sich die Meinung der Fahrer an, da wir Athleten ja Skicross besser kennen als sie. Das ist leider bei der FIS das komplette Gegenteil.


Ski2b: Glaubst du denn, dass Skicross in die richtige Richtung geht mit der Aufnahme ins olympische Programm? Was ist deine Meinung?
Enak: Wenn Olympia in 15 Jahren wäre, dann wären wir auf einem richtigen Weg, aber es ist ja schon in vier Jahren. Seit die FIS mit dem Skicross angefangen hat, hat sich nicht mehr viel verändert. Seit fünf Jahren versuchen viele der FIS zu sagen, dass 80 Prozent der Rennen nicht so gut sind, aber da ändert sich leider wenig. Wenn sich in Zukunft nicht viel ändert, ist meine Antwort: Nein, wir sind nicht auf dem richtigen Weg.

Ski2b: Welche Rennen fährst du noch in diesem Winter?
Enak: Ich bin jetzt fertig mit den Rennen und will eigentlich nur noch Spaß haben. Ich hatte einige Ziele in diesem Winter, nämlich die X-Games zu gewinnen und Weltmeister zu werden. Beides habe ich nicht geschafft, habe aber bei beiden Events eine Medaille gewonnen. Also war es nicht so schlecht!

Ski2b: Werden wir Enak Gavaggio bei den Olympischen Spielen in Vancouver 2010 als Skicrosser sehen?
Enak: Nein, ich denke nicht. Das ist definitiv kein Ziel von mir.

Ski2b: Enak, vielen Dank für das Interview.