Das Ski-Großereignis 2007 war die FIS Alpine Ski WM in Are. In Mittelschweden kamen vom 3. bis 18. Februar die weltbesten alpinen Athleten zusammen, um bei niedrigen Temperaturen und genügend Schnee elfmal Gold, Silber und Bronze untereinander auszufahren. Dabei gab es einige sportliche Überraschungen.

Zum Auftakt: Warten
Das die Wetterlage den Veranstaltern alpiner Sportveranstanstaltungen öfters einen Strich durch die Rechnung macht, ist spätestens seit diesem Winter bekannt. In Are gab es auch Probleme, allerdings nicht in Form von Schneemangel. Wind, Nebel und heftiger Schneefall verhinderten an den ersten drei Tagen die Durchführung der angesetzten Super-G Wettbewerbe und sorgten auch später noch für einige Veränderungen im Terminplan. Dennoch konnten alle Events durchgeführt werden. Bei den kommenden Titelkämpfen könnte das schwerer werden, denn die FIS beschloss am Rande der WM, den Zeitplan zukünftig zu straffen. Dazu sollen die Trainingsläufe vor die eigentliche WM vorgezogen werden - allerdings entfallen so auch Ausweichtage.

Super-G: Erste Sensation
Der Auftaktwettbewerb schloss mit einer faustdicken Überraschung ab: Patrick Staudacher aus Italien fuhr zum Sieg, vor Fritz Strobl (AUT) und Bruno Kernen (SUI). Auch in den weiteren Herrenwettbewerben gab es einige unerwartete Medaillengewinner. Daniel Albrecht aus der Schweiz sicherte sich Kombi-Gold vor Titelverteidiger Benjamin Raich (AUT) und Landsmann Marc Berthod. Erfolgreichster Teilnehmer bei den Herren war der Norweger Aksel Lund Svindal, der sich gleich zwei Titel sicherte. Nach den Siegen in Abfahrt und Riesenslalom wandelt er nun endgültig in den großen Fußspuren der norwegischen Ski-Herren Aamodt und Kjus.

Österreichs Ski-Herren unter Beschuss
Der Riesenslalom der Herren war der Tiefpunkt für die erfolgsverwöhnten Ski-Herren aus Österreich. Nachdem bereits in der Abfahrt keine Medaille gewonnen wurde, dort standen Jan Hudec (CAN) und Lokalmatador Patrick Järbyn (SWE) neben Svindal auf dem Podest, folgte im Riesenslalom der Super-Gau. Trotz fünf Startern sprang nur ein 21. Platz von Titelverteidiger Hermann Maier heraus. Der Herminator ging damit erstmals ohne Medaille aus einem Großereignis und musste herbe Kritik aus seiner Heimat einstecken. Über Medaillen freuten sich dagegen erneut Daniel Albrecht und erstmals Didier Cuche. Mit fünfmal Edelmetall gingen die Eidgenossen damit wieder erfolgreich aus einer Ski-WM.

Matt erlöst Österreich
Im Slalom gab es dann endlich das erste Herren-Gold für Österreich. Mario Matt deklassierte die Konkurrenz, Manfred Mölgg (ITA) und Jean-Baptiste Grange (FRA) belegten die weiteren Medaillenränge. Und auch beim abschließenden Nations Team Event gaben die Österreicher Gas und gewannen Gold vor Schweden und der Schweiz. Dieser Sieg war der Alpenrepublik so wichtig, dass der bereits abgereiste Fritz Strobl für einen Super-G Durchgang wieder eingeflogen wurde. Mit dem Sieg ging Österreich doch noch als erfolgreichste Nation aus den Weltmeisterschaften.

Ski-Königin Pärson
Die Königin dieser Wettkämpfe war aber Anja Pärson. Die Schwedin hatte in dieser Saison noch kein Weltcup-Rennen siegreich abgeschlossen, bei der Heim-WM schaffte sie einen Titel-Hattrick. Mit ihren Erfolgen in Super-G, Abfahrt und Super-Kombination versetzte sie ganz Schweden in einen Siegestaumel. Im Riesenslalom knapp am Edelmetall vorbei, gab es zum Abschluss im Slalom noch einmal Bronze für die nunmehr sechsmalige Weltmeisterin. Im Riesenslalom stand noch eine Schwedin auf dem Podest: Maria Pietilae-Holmner gewann Silber.

Hosp holt Riesenslalom
Nur Nicole Hosp war schneller als Pietilae-Holmner und jubelte im Ziel über ihr Gold. Sie war damit auch die einzige des so stark eingeschätzten ÖSV-Quartetts mit Renate Götschl, Marlies Schild und Kathrin Zettel, die den Sprung nach ganz oben schaffte. Während Zettel bei der WM außer Form schien, gab es für die zuletzt schnellste Speed-Dame Götschl nur Bronze im Super-G. Schild holte immerhin Silber in ihrer Paradedisziplin, dem Slalom, sowie Bronze in der Super-Kombination. Auch für Hosp gab es noch eine zweite Medaille: Bereits in der Abfahrt hatte sie den dritten Platz belegt. Einmal Gold, einmal Silber und dreimal Bronze ist zwar keine schlechte Bilanz, jedoch hatte man nach den Weltcup-Ergebnissen auch von den ÖSV-Damen in ihrer Heimat wohl mehr erhofft. Im Slalom war Sarka Zahrobska zum ersten Mal in ihrer Karriere bei einem großen Rennen ganz oben. In einem hochklassigen Rennen jubelte sie über Gold, dieses ist zugleich der erste Sieg eines Sportlers aus Tschechien bei einer Ski-WM.


USA enttäuschen
Die wohl größte Enttäuschung dieser WM war der Auftritt der US-Stars. Die Herren um Bode Miller gingen sogar völlig leer aus. Miller selbst fiel ähnlich wie schon bei den Olympischen Spielen wieder neben der Piste auf, auf der Strecke überzeugte er nur in der Kombinationsabfahrt. Olympiasieger Ted Ligety brachte ebenso wenig die erhoffte Leistung wie die im Weltcup zuletzt erfolgreichen Steven Nyman und Scott Macartney. Bei den Damen gab es immerhin dreimal Silber, zweimal für Lindsey Kildow in den Speed-Disziplinen und einmal für Julia Mancuso im Riesenslalom. Im Team-Wettbewerb folgte dann eine blamable Leistung. Das ersatzgeschwächte Team, immer noch als Medaillenanwärter gehandelt, ging völlig unter und belegte nach vielen Ausfällen abgeschlagen den letzten Platz.

Deutschland geht leer aus
Wenig Erfolg hatte auch das Team des DSV. Wenige der qualifizierten Athleten konnten überhaupt in den Kampf um die Medaillen eingreifen. Während Maria Riesch immerhin in den Speed-Disziplinen im Bereich der Top-Ten agierte und Kathrin Hölzl im Riesenslalom, sowie Monika Bergmann-Schmuderer im Slalom ordentliche Ergebnisse belegten, überzeugte bei den Herren nur Felix Neureuther zum Teil. Im ersten Slalom-Durchgang setzte er zwar die zweitbeste Zeit, letztlich schied er aber auch hier wie bereits im Riesenslalom aus. Im Team-Wettbewerb setzte sich dieser Trend fort. Kein Fahrer absolvierte sein Rennen fehlerfrei, am Ende stand für den Titelverteidiger nur Rang sieben zu Buche. Damit hat der DSV seine Ziele bei diesem Großereignis verfehlt.

Ski-Zwerge gegen Quali
Ein weiteres Novum gab es bei den technischen Disziplinen der Herren. Um ein zu großes Starterfeld von bis zu 200 Teilnehmern zu verhindern, musste alle gemeldeten Fahrer, die nicht zu den besten 50 in der Weltrangliste zählen, ein Qualifikationsrennen austragen. Nur die 25 erhielten einen Startplatz im eigentlichen WM-Rennen. Dadurch fehlten dem Wettbewerb womöglich einige Farbtupfer - der Senegalese Seck durfte aus Protest seitens seines Verbandes gar nicht starten.

Die nächsten Weltmeisterschaften finden wieder in zwei Jahren statt. Bei der Abschlussfeier wurde die FIS-Flagge offiziell an Val d'Isere übergeben. 2011 wird dann Garmisch-Partenkirchen die Welttitelkämpfe ausrichten.