Niki Hosp ist noch jung. Trotzdem hat sie schon mehr im Ski-Zirkus erreicht als so manch alt eingesessene Fahrerin. Das Powerpaket aus Bichlbach hat noch viel vor in ihrer Karriere.

Von Kindesbeinen an erfolgsorientiert
Schon mit acht Jahren musste sich die spätere Weltcup-Siegerin mit Privattrainer Martin Sprenger ihren eigenen Weg bahnen, gestützt auf die Willenskraft eines Skorpions. "Wenn ich stur bin, dann im positiven Sinne, wenn ich etwas unbedingt erreichen will", blickt sie in ihr Sternzeichen. Der Glanz der Schneekristalle hatte es ihr schon als Kind besonders angetan: "Ich war immer im Freien." Eis und Schnee statt Strand und Palmen. Denn Niki verliert in der Hitze an Energie: "Wenn’s heiß ist, bin ich nur ein halber Mensch." Die Wärme in den familiären Wänden reichte jedenfalls aus, um schon ganz früh eine Entscheidung über ihre berufliche Zukunft zu treffen.

Sie weiß was ihr gut tut...
Schon als sie auf die Volksschule ging, wollte sie ihren Vorbildern Petra Kronberger, Anita Wachter oder auch Renate Götschl in den Stangenwald folgen. Früh suchte sie den perfekten Schwung und hatte mit Kindereien nichts am Hut: "Ich bin immer unter Älteren gewesen", legt sie Trainingsalltag und Erfahrungen aus Jugendjahren offen. Ein bisschen Spaß darf heute dennoch sein. "Ich lasse mir sicher nichts abgehen. Wenn ich einmal länger ausgehen will, gehe ich auch länger aus." Mit der jugendlichen Partygeneration, die bei voller Lautstärke flippt und hippt, hat Niki dennoch wenig gemein. Sie ist ihrer Zeit voraus und weiß, dass die Kraft in der Ruhe liegt. Dann schnappt sie sich Schäferhündin Patty und sucht bei einem Spaziergang geistig das Weite. Da werden Dinge analysiert und abgeschlossen, der Blick nach vorne auf die kommenden Aufgaben gerichtet.

Erste Sporen im Europacup verdient
Bereits 1999, als 15-Jährige, fuhr sie in ihrem dritten FIS-Rennen auf einen sensationellen zweiten Platz im Slalom. Für die Spezialistin in den technischen Disziplinen folgte danach der übliche Weg über zahlreiche Rennen. 2001 stieg sie dann in den Europacup ein. Zunächst schnupperte sie rein in das große Geschäft, in der Saison 2001/2002 stieg die Schülerin des Stamser-Skisportgymnasium als Gesamt-Vierte, Riesenslalom-Zweite und Spezialslalom-Vierte richtig ein und sicherte sich ihren Platz in der Weltcup-Mannschaft 2002/2003. "Das Training mit Dorfmeister und Meissnitzer hat die Niki beflügelt. Sie ist schon in der Saison 2001/2002 im Weltcup gut gefahren, hat es aber da noch nicht ins Ziel gebracht", erklärte Technik-Chef Bernd Brunner.

Hosp sorgt für Furore
Nachdem sie Anfang 2002 bei den Junioren-Weltmeisterschaften den dritten Platz im Slalom belegte stieg sie Ende des Jahres dann mit der österreichischen Mannschaft in den Weltcup ein. Und wie! Beinahe vor ihrer Haustür, in Bichlbach bei Reutte, und kurz vor ihrem 19. Geburtstag am 6. November 2002 fuhr Niki sich beim Weltcup-Auftakt in Sölden in die Herzen der Skifans. Zeitgleich mit den Konkurrentinnen Tina Maze (Slowenien) und Andrine Flemmen (Norwegen) teilte sich das Riesentalent den obersten Platz auf dem Siegerpodest.

Platz in den Weltcup-Geschichtsbüchern gesichert
Niemals zuvor gab es in einem Weltcup-Rennen drei Siegerinnen. Hosp gelang zudem beim erst achten Weltcup-Start gleich der ganz große Wurf. Zuvor hatte der Youngster erst ein einziges Mal Weltcup-Punkte eingefahren und zwar im Januar 2002 als 29. im Maribor-Riesenslalom.

Heiß auf die WM in St. Moritz
Mit gestärktem Selbstbewusstsein schaffte sie in den nächsten acht Rennen zwei weitere Stockerl-Plätze und tolle Platzierungen. Problemen in Bormio folgten starke Rennen in Slowenien, denn ein zweiter und ein dritter Platz sprangen am Ende dort für sie heraus. Mit Schwung fuhr sie zur WM nach St. Moritz, gerade 19 Jahre alt. Und ihr gelang in dieser Zeit fast alles. Silber in der Kombination und Bronze im Spezialslalom. Hosp zeigte alles, nur keine Nerven. Da machte es auch nichts mehr aus, dass sie bei den Junioren-Weltmeisterschaften und den nationalen Titelkämpfen leer ausging.

2003/2004 dominierte sie - bis zur Verletzung
Der Winter war für Nicole Hosp leider frühzeitig beendet. Ein Knöchelbruch in Schladming am 26.1.2004 wurde ihr zum Verhängnis. Bis dahin hatte sie eine fantastische Saison abgeliefert. Sechs mal fuhr sie unter die besten drei, zwei mal davon stand sie ganz oben bei der Siegerehrung. In Lienz (Riesenslalom) und Madonna di Campiglio (Slalom) erwischte sie tolle Tage und düpierte die Konkurrenz. Nach ihrer zweiten Operation im Juni 2004, in der ihr die eingesetzten Metallplatten entfernt wurden, startete Hosp zum Comeback.

Starkes Finish
Gleich zu Beginn der neuen Saison zeigte Hosp wieder ihr Potenzial und startete als Neunte in den Winter. Über die Saison kam sie immer wieder in die Top Ten, ohne jedoch richtig zu glänzen. Überaus erfolgreich gestaltete sich aber dann das Ende der Saison, als sie in den letzten vier Rennen drei Mal auf das Podest fuhr und zusätzlich noch einen vierten Platz in der Kombination erreichte. Bei der WM in Bormio reichte es für die Österreicherin zu einer Silbermedaille im Teamevent.

Große Kugel als Fernziel
Die Tirolerin wird in ihrem jungen Alter vom Rummel um ihre Person noch beinahe überfahren. "Ich kann das alles noch nicht realisieren, der Rummel ist doch noch sehr ungewohnt." Dennoch gibt sie sich recht selbstbewusst bei der Benennung der eigenen Ziele: "Mein Ziel ist die große Kugel. Ein echter Skifahrer muss alles können." Kein Wunder daher, dass das große Vorbild Norwegens Super-Allrounder Kjetil-Andre Aamodt ist. "Der ist in allen Disziplinen Weltklasse, da will ich auch hin."

Sprung nach vorne
In der olympischen Saison 2005/2006 konnte Nicole Hosp dann noch einmal einen großen Sprung nach vorne schaffen. Sie reihte acht Podestplätze aneinander und war auch zweimal ganz oben auf dem Treppchen wiederzufinden. In Cortina gewann sie den Riesenslalom, in Are beim Super-G ihr erstes Speed-Rennen. Kein Wunder, dass sie auch im Gesamtweltcup bis auf Platz vier vorstoßen konnte. Und auch bei den Olympischen Spielen lief es gut. Zwar schrammte sie in Riesenslalom und Kombination als vierte und fünfte knapp an den Medaillen vorbei, im Slalom gelang ihr aber der Sprung auf Rang zwei.

Steckbrief
Geboren: am 06.11.1983 in Bichlbach
Nation: Österreich
Heimatverein: SC Bichlbach
Größe: 174 cm
Hobbies: Tennis, Inlineskaten, Motortrial, Klettern
Web: www.niki-hosp.at

Erfolge
Es folgt ein Blick auf den bisherigen, schon so außergewöhnlich erfolgreichen Karriereverlauf der jungen Österreicherin. Die einzelnen Disziplinen sind wie folgt abgekürzt: DH=Abfahrt, SG=Super-G, GS=Riesenslalom, SL=Slalom, K=Kombination

Olympische Spiele:
2006 in Turin (ITA): K (5), SL (2), GS (4)

Weltmeisterschaft:
2007 in Are (SWE): DH (3), GS (1)
2005 in Bormio (ITA): Team (2), GS (5), SL (DNF)
2003 in St. Moritz: SL (3), K (2)

Weltcup:
1. Platz Weltcup-Gesamtwertung 2007
4. Platz Weltcup-Gesamtwertung 2006
1. Platz Riesenslalom-Weltcup 2007

insgesamt zehn Weltcup-Siege